Historische Goldflut für den TVW
28.02.2010 | 23:08 Uhr 2010-02-28T23:08:00+0100Sonntag ist Wattenscheid-Tag bei deutschen Leichtathletik-Höhepunkten. Bei der Hallen-DM in der so stickigen wie stimmungsvollen Karlsruher Europahalle war das nicht anders - nur noch viel besser als sonst.
Nach einem durchwachsenen Samstag sammelte der TV Wattenscheid 01, angetreten mit 28 Athleten, letztlich sieben Mal Gold, drei Mal Silber und einmal Bronze und stellte damit so viele Deutsche Hallenmeister wie noch nie. „Sieben Goldmedaillen”, jubelte Manager Michael Huke, „das ist historisch”.
Zum Abschluss krönten die Staffeln den goldenen Sonntag: Klarer Sieg über die 4 x 200m mit dem Einzel-Champion Alexander Kosenkow in starken 1:24,08 Minuten. Klarer Sieg auch für die 4 x 400 m-Staffel mit dem neuen Deutschen Meister Bastian Swillims in 3:10,84 Minuten. Und die Frauen holten über 4 x 200 m Silber hinter Leverkusen. Wahnsinn.
„Wenn ihr am Sonntag das abruft, was ihr drauf habt, wird es ein guter Tag für uns”, hatte Huke nach dem Auftakt mit dem alles überstrahlenden Sprint-Sieg von Yasmin Kwadwo und Silber für Christoph Lohse über 3000 m angekündigt beim Teamessen im Hotel Residenz - die Athleten ließen Taten folgen.
Allen voran Weitspringerin Sosthene Moguenara, die „Sossi” mit dem netten Lächeln: Die sonst eher zurückhaltende 20-Jährige animierte vor ihrem vierten Sprung das Publikum, 4000 Zuschauer klatschten mit - und „Sossi” landete erst nach 6,75 Metern. Persönliche Bestleistung, der Satz zum DM-Titel in dem stark besetzten Feld - der Sprung in die Weltspitze, zur Hallen-WM nach Katar. „Ich bin überglücklich”, sagte die Titelverteidigerin strahlend. Und hatte eine recht simple Erklärung für ihre stabil starken Sprünge parat, mit denen sie die Konkurrenz distanzierte: „Ich habe mich diesmal an das gehalten, was mir mein Trainer Slawo Filipowski gesagt hat.” Als wohl einzige Athletin des TV 01 reist die Sportsoldatin in zwei Wochen zur WM, und der Hallensprecher fragte gestern ins Rund: „Mann, was haut sie erst in Doha raus?” Die Weltjahresbestleistung steht bei 6,87 Meter - und auf Platz zwei liegt nun: Sossi Moguenara.
Einen überraschenden Wattenscheider Paukenschlag gab es über 400 m. Bastian Swillims meldete sich eindrucksvoll zurück, in starken 46,67 Sekunden siegte der 27-Jährige vor seinem ebenfalls famosen Teamkollegen Alexander Meisolle.
Zu einer Farce wurde das 60m-Finale der Männer, in dem Alexander Kosenkow ein Zucken als Fehlstart ausgelegt wurde. Der Routinier startete nach minutenlangen Diskussionen unter Vorbehalt, hatte aber „nach dem sinnlosen Gelaber” mit dem Kampfgericht keine Chance mehr auf eine Medaille - und wurde später ohnehin disqualifiziert. „Mit Wut im Bauch” startete er einen Tag später über 200 m - und verteidigte seinen Titel nach einem packenden Duell mit dem Ex-Wattenscheider Julian Reus (Erfurt) in Jahrebestzeit (20,89 Sek.). „Ich hatte sehr großen Ehrgeiz”, sagte der 32-Jährige, und nach seinem zweiten Gold mit der Staffel war der Frust vergessen: „Zwei Titel, optimal.”
Bevor Hochspringer Tim Riedel in enttäuschenden 2,22 m Bronze holte, lief Denise Krebs über 1500 m souverän zur Titelverteidigung. Nach ihrer unwiderstehlichen Schlussrunde plapperte die 23-Jährige erleichtert drauf los - und fasste dabei ungewollt das DM-Wochenende des TV 01 treffend zusammen: „Ich wusste, ich habe hinten heraus einen Bumms.”
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