Goldener Sonntag für den TV Wattenscheid

Zwei Wattenscheider, zwei Medaillen: Über 60 Meter hatte Christian Blum (r.) die Nase vorne, Julian Reus wurde Dritter. In der Mitte ist Silber-Gewinner Lucas Jakubczyk.
Zwei Wattenscheider, zwei Medaillen: Über 60 Meter hatte Christian Blum (r.) die Nase vorne, Julian Reus wurde Dritter. In der Mitte ist Silber-Gewinner Lucas Jakubczyk.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Zehn Medaillen - das ist die Ausbeute der Wattenscheider Leichtathleten bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften in Karlsruhe. Viermal sprang sogar Gold heraus.

Karlsruhe..  Normalerweise hätte sie Luftsprünge gemacht, gelacht, getanzt vor Freude. Doch Pamela Dutkiewicz liegt am Boden. Mit 8,07 Sekunden ist sie gerade in einem famosen 60m-Hürden-Finale zu Silber gerannt hinter Topfavoritin Cindy Roleder (7,99), hat sich für die Europameisterschaft qualifiziert.

Jetzt humpelt sie gestützt aus der Halle, erhält aufmunternden Applaus. Nach dem Zieleinlauf war sie gegen die Prellwand geknallt, knickte um, kam aber wohl mit einer Prellung davon, wenn der MRT-Termin heute nichts anderes ergibt. Bis dahin gilt ihr Wort von Karlsruhe: „Die EM ist nicht gefährdet.“

Ein kurzer Schock-Moment also wohl nur bei einer wieder einmal erfolgreichen Deutschen Meisterschaft für den TV Wattenscheid 01. Mit elf Medaillen, davon vier in Gold, trumpfte der Klub auf. Zum Abschluss sicherte Maike Dix mit einer famosen Runde als Schlussläuferin der Sprintstaffel noch Silber hinter der LT DSHS Köln. Und die Männer wurden ihrer Favoritenrolle gerecht und gewannen auch ohne den angeschlagenen Julian Reus - für ihn startete Talent Maximilian Ruth - den Titel. Wie immer. Dritter wurde die Nachwuchs-Staffel des TV 01.

Bei der Premiere der DM in der für 1,2 Millionen Euro aufwändig umgebauten Messehalle 2 in Karlsruhe gab es lediglich für Ort und Organisation Abzüge in der B-Note. So warteten die Mädels beim Staffel-Finale minutenlang auf die Stäbe - peinlich. Und zumindest am Samstag kam in der etwas zu großzügigen Halle nicht die Stimmung auf wie etwa in der engeren Körnig-Halle in Dortmund - trotz 4000 Zuschauer.

Tags darauf kamen noch 600 mehr, ausverkauft - und die Stimmung stieg. Auch beim TV Wattenscheid, der noch ein paar Medaillen draufpackte am Sonntag. Den Startschuss gab Christina Haack, die über 200m in einem schnellen Rennen auf Rang drei lief mit guten 23,83 Sekunden.

Bei den Männern hatten sich sogar drei Wattenscheider für das 200m-Finale qualifiziert. Sebastian Ernst verzichtete, weil er auf der extrem engen Innenbahn als langer Kerl nicht den Hauch einer Chance gehabt hätte. Anders als Robin Erewa auf Bahn 5 neben Favorit Lukas Jacubczyk ganz außen: Der Titelverteidiger kam gut aus dem Block und gewann knapp mit vier Hundertstel Vorsprung (20,72). Jakubcyzk gratulierte artig - dabei war er schon am Vortag an einem Wattenscheider hauchdünn gescheitert, an Christian Blum über 60m. Erewa ballte ein paar Mal ungläubig die Fäuste, konnte es kaum fassen nach einer schwachen Hallensaison bisher. Dass er sich derart steigern konnte und sogar die zweitbeste Zeit Europas in dieser Saison auf die Bahn zauberte, „damit hätte ich nie gerechnet”. Altmeister Alexander Kosenkow verpasste als Vierter (21,10) knapp eine Medaille. Mit einer Kurve sei er nicht zurecht gekommen, ärgerte sich der nimmersatte 38-Jährige.

Lisa Kurschilgen (24) dagegen strahlte wie eine Siegerin: Die Weitspringerin sicherte sich mit 6,48 Meter im letzten Versuch Bronze und damit ihre erste DM-Medaille. „Ich bin voll happy, kann es gar nicht glauben”, staunte sie noch nach der Siegerehrung. Gleich zweimal war sie persönliche Bestleistung gesprungen - und verwies Melanie Bauschke (Berlin), die ebenfalls 6,48 Meter meisterte, auf Rang zwei wegen des besseren zweiten Versuchs. Knapper geht’s nicht.

Sosthene Moguenara indes hat an Souveränität enorm zugelegt in den letzten Jahren. Mit vier Sprüngen auf 6,67 und 6,68 Meter legte sie eine konstante Serie hin, an die niemand herankam. Selten sprang „Sossi” so souverän zum Titel, herzte erst einmal ihren Trainer Uli Knapp - und gab sich dann trotz des Titels gewohnt zurückhaltend. „Es war cool, es waren super Sprünge dabei, aber mit der Weite bin ich nicht ganz zufrieden”, sagte die Weltjahresbeste: Moguenara kann auch bei der EM zu Gold fliegen.