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„Gattuso“ mag auch Dantons Tod und Mutter Courage

27.01.2012 | 18:26 Uhr
„Gattuso“ mag auch Dantons Tod und Mutter Courage
Auch eine Art Arbeitsplatz: die Umkleidekabine im Nachwuchsleistungszentrum. Foto: Olaf Ziegler / WAZ FotoPool

Christian Mengert, der U 23-Kapitän, will „alles geben“, um sein Hobby zum Beruf machen. VfL-Reserve sinnt am Samstag gegen Mainz auf Revanche.

Er hat in der A-Jugend als Kapitän mit Marc Rzatkowski, Matthias Ostrzolek und Kevin Vogt gespielt, in der U23 mit Mirkan Aydin, Jonas Acquistapace und Andreas Luthe. Seit dem Abgang von Oliver Zech im Winter führt er die Reserve des VfL als Spielführer an – kein Wunder, dass Christian Mengerts Karriereplan nicht in der Regionalliga enden soll. Der 21-Jährige hat in Bochum einen Vertrag bis 2013 und will „alles geben“ in seiner Heimatstadt, um sein liebstes „Hobby zum Beruf zu machen“. Seine ehemaligen Mistspieler haben es ja schon vorgemacht.

In allen Spielen durfte Mengert in dieser Saison auflaufen, seit seinem Regionalliga-Debüt im August 2009 hat er seine Spielzeit stetig gesteigert. Bleibt er verletzungsfrei, setzt Mengert in dieser Saison eine neue persönliche Bestmarke. Durch das Kapitänsamt ändert sich für den Mittelfeldspieler aber wenig, auch vorher war er schon ein Typ, der auf und neben dem Platz seine Meinung kund tat. „Aber natürlich stehe ich jetzt im Fokus. Es ist ein Stück mehr Verantwortung.“

VfL-Trainer Iraklis Metaxas nennt ihn „seinen Gattuso“, dabei eiferte Mengert in frühen Jahren Spielertypen wie Zinedine Zidane oder Riquelme nach. „Jetzt orientiere ich mich eher an Spielern wie Xavi, aber ich weiß natürlich, dass ich von ihm weit entfernt bin.“ An Ehrgeiz mangelt es Mengert indes nicht. Auf dem Platz ist er ein aggressiver Kämpfertyp, der oft auch das richtige Auge für die Mitspieler hat. Drei Torvorlagen hat er in der Hinserie gegeben.

Zwei Wochen durfte er – wie andere auch – bei den Profis mittrainieren und ist seitdem fest davon überzeugt, dass für ihn der Sprung nicht zu groß wäre. „Ich traue mir zu, dort mitspielen zu können und später auch ein Macher zu sein.“

Mengerts volle Konzentration gilt dem Fußball – was nicht heißen soll, dass sich der 21-Jährige nur darauf beschränkt. Bochums U23-Kapitän ist ein intelligenter Typ, nicht nur auf dem Platz. Als Sportstudent im fünften Semester hat er zugunsten seiner fußballerischen Laufbahn die Uni-Aktivitäten zwar momentan zurückgestellt, trotzdem nimmt er in seiner Freizeit gerne mal ein Buch in die Hand. Vom Deutsch-Leistungskurs ist also etwas hängen geblieben, Dantons Tod oder Mutter Courage gehören zu Mengerts Lieblingswerken, „aber zum Lesen bleibt wenig Zeit.“

Angefangen hat für Mengert alles mit einem Besuch im Ruhrstadion. „Von da an war mein Ziel klar.“ Die PSV Bochum, Heimatverein des Vaters, war Mengerts erste Station. Über Wattenscheid 09 und Hordel kam er zum VfL. Mit wenig Ansprüchen sei er damals von der DJK nach Bochum gewechselt, bevor ihn der Ehrgeiz packte und er sich beim VfL „durchkämpfte.“ Gerade noch rechtzeitig: Erst kurz vor dem Stichtag entschied man sich beim VfL, Mengert einen Vertrag für die U23 zu geben.

Hordel bleibt er verbunden: Seinem besten Freund Max Wagener hilft Mengert für ein halbes Jahr bei der A-Jugend als Co-Trainer aus. Auch für die Ruhr-Uni ist Mengert schon aufgelaufen und bei der Weltmeisterschaft der Studenten in Südamerika. „Das waren erschreckende Verhältnisse dort. Da weiß man sofort alles in der Heimat mehr zu schätzen.“

Und was macht Mengert, wenn er mal nicht auf dem Fußballplatz steht? Neben der Malerei ist Kochen sein großes Hobby: „Ich probiere gerne viel aus. Vor allem von Sushi bin ich ein Riesen-Fan“, sagt Mengert, der noch die Vorzüge von „Hotel Mama“ genießt: „Manchmal hätte ich gerne eine eigene Bude, aber so hat es auch Vorteile.“

REGIONALLIGA : VfL-Reserve will nachlegen

Nach dem Sieg bei Fortuna Köln (4:1) will die U 23 des VfL am Samstag gegen Mainz ihre Leistung bestätigen (14 Uhr, Lohrheide). „Wir dürfen Mainz keine Räume lassen“, so Trainer Iraklis Metaxas, der sich nur ungern an das 0:3 aus dem Hinspiel erinnert: „Da sind wir ins offene Messer gelaufen.“ Bei einem Sieg könnte der VfL Mainz einholen und in der Tabelle einstellig werden. Metaxas hat für diese Aufgabe die volle Auswahl: alle Akteure sind fit.

Felix Kannengießer

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