Fußball kennt nur eine Sprache

Ein Team: die dritte Mannschaft von Teutonia Ehrenfeld mit zahlreichen Spielern, die im Asylbewerberheim gegenüber wohnen.
Ein Team: die dritte Mannschaft von Teutonia Ehrenfeld mit zahlreichen Spielern, die im Asylbewerberheim gegenüber wohnen.
Foto: Dietmar Wäsche / WAZ Fotopool
Was wir bereits wissen
In der dritten Mannschaft von Teutonia Ehrenfeld kicken nun neun Spieler vom gegenüber liegenden Asylbewerberheim. Der Verein hilft den Menschen auch abseits des Platze - ein großartiges Projekt.

Hinter der roten Asche erstrecken sie sich seit gut einem halben Jahr: Die kargen Container des Asylbewerberheims an der Wohlfahrtstraße geben dem Fußballverein Teutonia Ehrenfeld eine außergewöhnliche Skyline. Und seit neustem ein ganz besonderes Team. In der Winterpause hat sich die personell gebeutelte dritte Mannschaft mit den Menschen aus dem Asylbewerberheim zusammengetan, mittlerweile sind sieben von ihnen spielberechtigt. Doch die Kicker aus aller Welt sollen nicht nur den Kader des C-Kreisligisten auffüllen. Geplant ist ein soziales Projekt, das auf drei Jahre angelegt ist.

„Hier ist etwas Besonderes entstanden“, sagt Trainer Gabor Horvath. Der 48-Jährige ist seit gut 30 Jahren Jugendtrainer, knapp die Hälfte davon in Ehrenfeld. Im vergangenen Sommer gründete er die dritte Mannschaft, eigentlich, um die A-Jugendlichen aufzufangen und Ehemalige zu reaktivieren. Doch mit gerade einmal zwölf Leuten sprang in der Hinrunde nicht mehr als ein Unentschieden heraus. Als Verletzungen hinzukamen, erste Spieler absprangen, war klar: Es muss sich etwas ändern.

Im Hinterhof der Asylbewerberanlage spielten sowieso regelmäßig einige Jungs, mit einem abgewetzten Ball vor eine Wand. Co-Trainer Tobias Schuster sprach sie an. „Am Anfang kamen ein oder zwei, dann hat es sich rumgesprochen und mittlerweile kommen immer mehr“, sagt Horvath. Neun Fußballer sind es schon. Sie kommen aus Marokko, Albanien, Bangladesh, Pakistan, Bosnien-Herzegowina oder Eritrea wie Abrham Brhane.

Der 25-jährige Stürmer ist im nordöstlichen Afrika groß geworden, hat Menschenrechtsverletzungen und den Krieg mit Äthiopien hautnah erlebt. Auch in Bochum waren die Zeiten für Brhane nicht immer leicht. Doch in Ehrenfeld hat er etwas gefunden, dass ihm Spaß macht: „Ich wurde hier sehr herzlich willkommen geheißen. Ich fühle mich einfach gut, wenn ich mit den Jungs hier Fußball spiele.“

Vorher war die Mannschaft nur mit deutschen und türkischen Spielern besetzt. Der Trainer sieht es als Bereicherung - auch im rein sportlichen Sinne. „Es sind einige talentierte Spieler dabei“, lobt Horvath. Auch menschlich haben sich die Neuen sofort eingefügt. Stress gebe es nicht, auf dem Trainingsplatz herrsche eine freundschaftliche Atmosphäre mit einem Mix aus etlichen Sprachen. „Die Fußballvokabeln können alle auch auf Deutsch, oder wir sprechen halt Englisch“, erklärt Horvath, der zur Not immer einen „google-Übersetzer“ in der Tasche hat.

Auch Kapitän Stanley Schuster hat nur lobende Worte übrig: „Im Training herrscht jetzt richtig Betrieb.“ Die Probleme der Asylbewerber bekommen die Mitspieler noch nicht hautnah mit, aber Schuster sagt: „Es sind sogar schon Freundschaften entstanden. Klar helfen wir, wo wir können.“

Der Verein stellt sich ebenfalls hinter seine Kicker. „Ehrenfeld hat sich schon immer um die Integration der Asylbewerber gekümmert. Wir helfen Menschen in Not – soweit es im Rahmen des Vereins machbar ist“, erklärt der Vorsitzende Hajo Romahn.

Auch in der dritten Mannschaft von Teutonia hilft man sich. Ausgestattet sind die neuen Spieler mit gesammelten Schuhen und Schienbeinschonern der Kollegen. Beim Ausfüllen von Anträgen hilft Horvath aus. Und nicht nur das: Letztens erst hat er die Kinder aus dem Asylbewerberheim in eine Kirche evakuiert, als eine Nazi-Demo das Heim belagerte.

Ein großes Zeichen des Vereins.

TORWART GESUCHT

Die Mannschaft sucht noch Spieler, vor allem einen Torhüter. Und Sponsoren, die das Projekt unterstützen. „Alleine können wir das leider nicht ewig stemmen“, sagt Gabor Horvath. Kontakt: Tel. 0173-99 76 713.

Auch mit der Stadt besteht reger Kontakt. In drei Jahren soll sich das Projekt verselbstständigt haben.