Frühschwimmer halten sich ganzjährig fit

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv

Ein Wintermorgen, 7.35 Uhr, es wird nur langsam hell. Im Wiesental, der grünen Lunge von Weitmar, ist schon einiges los. Ein älterer Mann mit Hut und Hund ist zu sehen, zwei Jogger. Am Vereinsbad von Blau-Weiß entfernen sich bereits einige mit geschulterter Sporttasche. Das Tagwerk mit Frühsport beginnen: Heute teste ich es selbst.

Seit sich die weiße Tragluftkuppel über dem Freibad spannt, ein Traum, den die Aktiven im Verein seit den 70er Jahren angedacht haben, hat sich die Betriebszeit des Bades glatt verdoppelt. Ganzjährig geht’s inzwischen ins Wasser.

„Die hier schon gegen 6 Uhr zum Bad kommen, sind die Idealisten und Frühaufsteher. Meist die bekannten Gesichter“, erzählt Erich Kroniger. Kroniger ist nicht nur Kassenwart des Vereins, sondern im Verbund mit Fachwart Adolf Schnalzger einer der Väter des Umbaus zum Winterbad. Stolze 26 Grad hat das Wasser unter der Hülle, die vom leichten Überdruck getragen wird. „Wir haben zwei Gebläse, eines ist noch unsere Wärmereserve, das haben wir bis jetzt noch nicht zuschalten müssen“, erläutert Kroniger.

In den Umkleiden begrüßen sich derweil einige Leute, überwiegend im Rentenalter, meist beim Vornamen. Es geht ruhig zu. Nur die Dusche bekomme ich nicht bedient. Bis mir ein freundliches Vereinsmitglied einen Obolus spendiert. Vorne ist ein Steuerungskasten mit Geldeinwurf. Dann gibt es auch hier warmes Wasser. Durch die Drehtür geht es ins beleuchtete Halleninnere.

Neun Schwimmer sind gerade unterwegs, die Sportiveren hinten auf abgetrennten Bahnen, im größeren Beckenbereich sind zwei klassische Badehauben zu betrachten, doch auch die sind ganz schön flott unterwegs. Ich muss mich ranhalten. Und die 50-Meter-Strecke zieht sich weiter als gedacht. „Wir zählen um die 250 Besucher pro Tag im Winter. Dazu kommen noch Schulklassen und jeweils um die 100 Vereinssportler“, sagt Kroniger.

Als die Mitglieder vor drei Jahren für den Bau stimmten, gab es auch kritische Stimmen. Alleine Heizung und Gebläse schlucken einen fünfstelligen Betrag pro Monat. Der Klub musste die Beiträge anziehen. Manche befürchteten Austritte, was den Gesamtetat hätte gefährden können. „Etwas Fluktuation etwa durch Wegzug haben wir immer. Doch im letzten Jahr sind es netto etwa 100 Zugänge gewesen“, berichtet der Finanzchef. Mit rund 5500 Mitgliedern ist der SV Blau-Weiß die Nummer eins im Stadtgebiet.

Der Finanzplan gehe auf, im Geld schwimme man aber auch nicht, berichtet Kroniger. Deswegen muss kalkuliert werden. Die Schränke in der Umkleide werden für „kleines Geld“ vermietet.

Eigentlich wollte ich hier sportlich mehr abreißen. Aber selbst schlappe zehn Bahnen strengen ganz schön an. Beim Haare trocknen stehe ich erneut vor Geldeinwurf-Kästen. Richtig günstig sei die Mitgliedschaft nicht gerade, erzählt eine Frühschwimmerin am Fön. „Im Sommer genieße ich das Freibad hier mehr“, sagt sie. Dann sind auch ihre Kinder am Start: „Das ist ein richtiger Treffpunkt für ihre ganze Clique.“

Etwas Besonderes ist das Winterbad auf alle Fälle. Blau-Weiß hat damit in Eigenregie Schwimmzeiten geschaffen, während städtische Bäder die Öffnungszeiten zusammenstreichen oder gar reihenweise schließen.

Viele sorgen hier vor Arbeitsbeginn für ihre Fitness. Den Sonnenaufgang könnte man hier im Winter sogar schwimmend betrachten, allerdings müsste man dann früher aus den Federn. Noch früher.