Frank Kolberg tritt an die Spitze der SG Wattenscheid 09

Ein Blick aufs Podium zu Beginn der Jahreshauptversammlung der SG Wattenscheid 09.
Ein Blick aufs Podium zu Beginn der Jahreshauptversammlung der SG Wattenscheid 09.
Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der vom Verein vorgeschlagene Aufsichtsrat wurde gewählt, und er bestimmte dann wie erwartet Frank Kolberg zum neuen Vorsitzenden der SG Wattenscheid 09.

Heiß war es im Paul-Cohn-Haus an der Berliner Straße. Aber nein, nicht etwa, weil es wirklich heiß hergegangen wäre, sondern eher wegen der Außentemperatur. Am Ende ging rein wahltechnisch nämlich alles glatt über die Bühne bei der Jahreshauptversammlung der SG Wattenscheid 09. Die 172 anwesenden Vereinsmitglieder wählten – wie vom Verein vorgeschlagen – Reinhard Mokanski (Vorsitz), Kemal Erimtan, Ebru Köksal, Ewald Fischer und Franco Vit in den Aufsichtsrat. Mokanski war zuvor nur einfaches AR-Mitglied, Fischer und Vit sind neu im Gremium. Nach seiner Wahl bestellte der Aufsichtsrat Frank Kolberg zum neuen Vorsitzenden. Bereits vor der Wahl war der Aufsichtsrat klar, der Vorstand um Christoph Jacob und Frank Kolberg nach Antrag auf Auszählung der Stimmzettel nur knapp entlastet worden.

Derweil ist die SG Wattenscheid 09 finanziell weiterhin stark auf Kante genäht. Es gebe „satte Probleme“, erklärte Gottfried Bühlbecker, der den Geschäftsbericht vorstellte: „Wir brauchen Antworten auf die wirtschaftliche Lage.“ Zum Abschluss des abgelaufenen Geschäftsjahres beliefen sich die Verbindlichkeiten der SG 09 auf 362 789 Euro. Weiterhin hat der Verein mehr Schulden als Vermögen. Für das laufende Geschäftsjahr sagte Bühlbecker einen Gewinn von rund 5000 Euro voraus. Nett, ebenso wie die Tatsache, dass Wattenscheid nicht mehr chronisch Schulden zu machen scheint wie noch vor fünf Jahren. Gleichwohl ist aber auch das zu wenig für den Schuldenabbau.

So konnte sich der Klub etwa in diesem Geschäftsjahr glücklich schätzen, dass Viktoria Köln für den Transfer von Jules Schwadorf eine Ablöse zahlte und der ehemalige 09-Jugendspieler Leroy Sané beim FC Schalke 04 durchstartete, deshalb Ausbildungsentschädigungen fällig wurden. Dadurch wurden rund 35 000 Euro, die nicht einkalkuliert waren, in die Wattenscheider Kasse gespült. Allerdings wurde der Personalaufwand um etwa 70 000 Euro verfehlt (kalkuliert: 280 000 Euro, Hochrechnung für das laufende Geschäftsjahr: gut 350 000 Euro), im Catering klafft ein Loch von 20 000 Euro. Im Bereich Sponsoring/Werbung gab es einen Überschuss von 60 000 Euro – allerdings ist in diesem Posten auch die Finanzspritze von Galatasaray Istanbul eingerechnet.

Die Kooperation mit Galatasaray war gestern Abend das dritte große Thema, Abdullah Emili hatte die Mitglieder darüber informiert. Doch es verwunderte schwer, dass er unter anderem Dinge wie diese sagte: „Es geht bei dem Vertrag auch um finanzielle Unterstützung, um Wattenscheid 09 perspektivisch in die Dritte Liga zu führen.“ Ansonsten blieb alles, was Emili sagte – sei es zu Freundschaftsspielen, Transfers oder der Sponsorenakquise – sehr vage. Wie schon bei der letzten Jahreshauptversammlung. Weiterhin gibt es von türkischer Seite viele Ziele, aber wenig bis keine Umsetzung. Dies begründete Emili damit, dass bei Galatasaray bis zum 23. Mai ein provisorischer Vorstand im Amt sei. Trotzdem sei in nächster Zeit eine weitere Überweisung von 50 000 Euro an die SG 09 geplant.