Farat Toku ist neuer Trainer der SG 09

Kickte 2012 noch als Spielertrainer für den WSV Bochum 06: Farat Toku (re.).
Kickte 2012 noch als Spielertrainer für den WSV Bochum 06: Farat Toku (re.).
Foto: WAZ FotoPool

Farat Tokus Handy stand kaum eine Sekunde still, vibrierte immer wieder. Ob es Glückwunsch-SMS von Freunden und Weggefährten waren oder einfach nur weitere Presseanfragen? Jedenfalls hat Fußball-Regionalligist SG Wattenscheid 09 in dem 34-Jährigen jetzt einen neuen Trainer gefunden, zwölf Tage nach der Entlassung von Trainer Christoph Klöpper.

Der Telefon-Marathon nach der offiziell bestätigten Verpflichtung des Trainers, den diese Zeitung bereits vor zehn Tagen als Topkandidaten präsentiert hatte, war für Toku ein Vorgeschmack auf das, was auf ihn zukommt. Den ehemaligen Wattenscheider Kapitän erwartet eine riesige Aufgabe. „Grundsätzlich“, sagte Toku gestern, „überwiegt bei mir die Vorfreude. Aber, sicher: Das wird sehr viel Arbeit für mich“, schätzte er die Lage an der Lohrheide realistisch ein.

Einerseits übernimmt Toku einen hochgradig unkonstanten Drittletzten, bei dem es auch intern zuletzt zum wiederholten Male nicht gestimmt haben soll. Andererseits ist es für Toku mehr als nur irgendeine Trainerstation. „Dieser Verein ist für mich etwas ganz Besonderes“, sagt der 34-Jährige, den jüngsten Turbulenzen zum Trotz: „Ich habe eine ganz enge Bindung zu Wattenscheid 09.“

Highlight in Farat Tokus Laufbahn: Pokalspiel gegen Borussia Dortmund

Ohne seinen Trainerjob beim Nord-Regionalligisten SV Wilhelmshaven, den er von 2013 bis 2014 inne hatte, wäre Toku aufgrund mangelnder Erfahrung wohl schnell aus dem Raster der potenziellen Kandidaten gefallen. Doch seine Aufgabe im hohen Norden meisterte er seinerzeit mit Bravour. Obwohl extrem früh in der Saison klar war, dass der SVW aus finanziellen Gründen letztlich zwangsabsteigen muss, spielte die völlig neu zusammengestellte Mannschaft eine passable Saison, stieg rein sportlich am Ende nur knapp ab. In der ersten Runde des DFB-Pokals traf Tokus Team zudem auf Borussia Dortmund mit Trainer Jürgen Klopp, verlor nach langem Kampf mit 0:3 – das erste Gegentor von Kevin Großkreutz fiel erst in der 70. Minute. Vor seiner Station in Wilhelmshaven war Toku lediglich ein Jahr lang Spielertrainer beim damaligen Landesligisten Werner SV Bochum 06.

Toku gilt als Trainertyp, der eine Mannschaft führen kann, viel Wert auf Disziplin legt – und Einzelkämpfer gegebenenfalls aussortiert. „Jeder muss sich hier dem Erfolg unterordnen, wir müssen alle an einem Strang ziehen“, so der 34-Jährige, der sich die meisten Hinrunden-Spiele live in der Lohrheide ansah.

Toku galt seit der Entlassung von Christoph Klöpper als Wunschkandidat von Aufsichtsrat und Vorstand, auch wenn Team-Manager Hartmut Fahnenstich sich zusätzlich mit anderen Kandidaten beschäftigte. Die endgültige Entscheidung fiel nach WAZ-Informationen dann gestern Vormittag zwischen Farat Toku und Stefan Janßen, dem ehemaligen Trainer von ETB SW Essen. „Farat war letztlich immer eine Nasenlänge vorn. Wir haben die Überzeugung, dass er den eingeschlagenen Weg weiterführen kann“, so Christoph Jacob: „Er ist jung, hat aber sehr gute Ansichten, die mir gefallen.“

Nachdem die Personalie Klöpper die Fans während dessen gesamter Amtszeit auf die Barrikaden gehen ließ, braucht es nun dringend eine Identifikationsfigur an der Seitenlinie – auch das wird die Entscheidung in erheblichem Maße beeinflusst haben. Jacob sagt dazu: „Farat hat ein hohes Standing im Umfeld.“ Zur Vertragslänge äußerten sich weder Verein noch Trainer ausführlich. Jacob: „Farat ist keine Feuerwehr-Lösung.“ Wahrscheinlich ist ein Vertrag bis Sommer 2015 mit Option für Toku und/oder Verein.