Erste Reifeprüfung für Wattenscheids Keshia Kwadwo

Überragend in Deutschland in ihrem Alter: Keshia Kwadwo.
Überragend in Deutschland in ihrem Alter: Keshia Kwadwo.
Foto: Wolfgang Birkenstock
Was wir bereits wissen
Die 15-jährige Sprinterin des TV Wattenscheid 01 startet nächste Woche als Außenseiterin bei der U-18-Weltmeisterschaft in Kolumbien.

Keshia Kwadwo beschäftigt sich überhaupt nicht mit der Konkurrenz - schon gar nicht vor den den World Youth Championships, den U18-Weltmeisterschaften. In der nächsten Woche, vom 15. bis 19. Juli finden sie im südamerikanischen Cali/Kolumbien statt.

„Ich kann mir keine Meldelisten angucken“, sagt die junge Sprinterin des TV Wattenscheid 01, „sonst drehe ich völlig am Rad.“ Würde die 100-Meter-Expertin den Blick in die Listen wagen, würde sie große Augen machen.

Da sind in der Weltspitze vor allem die fünf Amerikanerinnen, von denen die schnellste, Candace Hill, Kwadwo mal locker sechs Zehntel auf ihrer Paradestrecke abnimmt. 10,98 Sekunden ist die US-Amerikanerin schon gelaufen. Kwadwo bietet als überragendes deutsches Talent eine Bestzeit von 11,60 Sekunden an. Die Favoritenrollen sind also klar verteilt für Cali.

Mit der Rolle der Außenseiterin muss sich Kwadwo erstmal anfreunden. Jahrelang gab es keine Athletin, die in einem Lauf gegen die schnelle TV-01-Flitzerin mit ghanaischen Wurzeln bestehen konnte. Kwadwo gewann im U16-Bereich einfach alles: Sie wurde U16-Einzelmeisterin, gewann mit der Staffel bei der U16 und auch bei der U18 und knackte obendrein den Jahrzehnte alten deutschen Altersklassenrekord. Jetzt sieht sie auch mal die Fersen der Konkurrenz - als 15-Jährige bei der U18-WM kein Wunder. „Es ist meine erste internationale Meisterschaft. Ich will hier Erfahrung sammeln.“

Ihre Erwartungen? „Es wäre schön, wenn ich wieder eine Bestzeit laufen kann. Die Bedingungen dürften gut sein. Wenn ich ins Halbfinale komme, bin ich zufrieden.“

Kwadwo tritt im Vorlauf am 16. Juli um 17.30 Uhr deutscher Zeit an. Das Halbfinale wäre daraufhin um 1.10 Uhr nachts. Schafft sie das Unglaubliche, dürfte sie um 3.05 Uhr noch einmal im Finale ran. Doch damit rechnet sie selbst nicht.

„Ich bin schon ziemlich aufgeregt. Das ist nicht mal eben nach München fliegen.“ Tipps hat sich die Athletin von Trainer Slawomir Filipowski in der Familie geholt: bei Schwester Yasmin, die schon Erfahrungen mit internationalen Rennen gesammelt hat: „Sie meint, ich soll locker bleiben und das Gefühl haben, wie bei jedem anderen Wettkampf auch.“ Klar ist: „Es wird eine ganz andere Atmosphäre.“

Florian Colon Marti startet über 400m

Neben Keshia Kwadwo ist mit 400m-Talent Florian Colon Marti ein zweiter Athlet des TV Wattenscheid 01 bei der U-18-WM dabei. Er knackte die WM-Norm mit Bestzeit von 47,81 Sekunden. Mehr als der Vorlauf am 15. Juli dürfte aber nicht drin sein.

Seit Montag bereiten sich alle Nationalkader-Athleten des DLV in Florida auf die WM vor.