Der Titel ist das Ziel
02.07.2010 | 19:03 Uhr 2010-07-02T19:03:00+0200
„Es ist unsere Aufgabe, auf uns aufmerksam zu machen. Wir wollen und müssen eine Leistung bringen, dass die Leute über uns reden.“ Maren Meinert nimmt sich und ihre junge Mannschaft in die Pflicht - auch wenn es keine leichte Aufgabe ist, zwischen der Weltbühne des Fußballs in Südafrika und dem Trainingsauftakt der Profiklubs in Deutschland Interesse für die U20-Weltmeisterschaft der Frauen zu wecken.
Meinert ist 37, gehörte als treibende und vor allem kreative Kraft zur Weltmeistermannschaft 2003, weiß also, wie es geht. Sie ist eine der jüngeren erfolgreichen deutschen Fußball-Frauen, die ihre Erfahrung weitergeben und damit das Schwungrad in Bewegung halten. Frauenfußball made in Germany ist top, und so soll es möglichst lange bleiben.
In Bochum wird man sich ein Bild vom Leistungsstand des ältesten Nachwuchses machen können. Die DFB-Elf eröffnet im rewirpower-Stadion am 13. Juli diese U20-Weltmeisterschaft mit der Partie gegen Costa Rica; und wenn alles gut läuft, bekommen die Bochumer Meinerts Team sogar dreimal zu sehen.
Was ziemlich sicher auch bedeutet, dreimal Turid Knaak in Aktion bewundern zu können. Die Essenerin, die im Ligabetrieb für Duisburg spielt, „bleibt gerne den ganzen Sommer in den Fußballschuhen“. Was leicht erklärt ist: Knaak hat bereits ein Turnier gespielt, nämlich die Europameisterschaft mit der U19 in Mazedonien. Dort hatte man sich viel vorgenommen, scheiterte aber in einer Disziplin, in der die Deutschen angeblich unschlagbar sind - im Elfmeterschießen. Im Halbfinale waren die Französinnen die Glücklicheren.
Und nun? Hat Turid Knaak Nachholbedarf? „Neues Turnier, neuer Anfang“, sagt sie knapp und demonstriert dann doch Selbstbewusstsein: „Ich würde mir schon wünschen, den Titel zu holen.“ Wie die Offensiv-Spielerin es geschafft hat, zwischen diesen beiden sportlichen Großereignissen auch noch die Abiturprüfungen zu bewältigen, ist ein kleines Rätsel. Dass sie es geschafft hat, ist Realität. Respekt.
Knaak wird einige der französischen Spielerinnen bereits kennen, vom U19-Turnier. So wie bei der DFB-Auswahl dürfte etwa ein Viertel ihres Aufgebots identisch sein mit dem U20-Kader. Und natürlich, sagt Maren Meinert, ist „Frankreich vom Papier her der härteste Gegner in unserer Gruppe“. Costa Rica und Kolumbien, die beiden weiteren Teams der Gruppe A, seien zurzeit noch unbeschriebene Blätter, was sich aber „ändern wird“. Man habe ausreichend Videomaterial, um sich ein Bild von den Konkurrenten machen zu können. Costa Rica habe jedenfalls schon auf sich aufmerksam gemacht - mit dem Erfolg in der WM-Qualifikation gegen die traditionell starken Kanadierinnen.
Unter dem Strich, bekennt Meinert, „können wir uns aber sicher nicht über die Gruppenauslosung beklagen“. Schließlich sei auch Nordkorea mit im Topf gewesen, da, sagt die DFB-Trainerin trocken, „war mir schon ein bisschen warm“. 2006 sei man von Nordkorea „vorgeführt“ worden, „die möchte ich nicht im ersten Spiel haben“.
Haben sie ja nun auch nicht, und vielleicht wurde dem deutschen Team damit die Möglichkeit gegeben, sich weiter zu entwickeln. Denn noch, so Maren Meinert, sind wir „keine eingespielte Mannschaft“, eher eine Ansammlung von „guten Spielerinnen“. Doch die Vorbereitung sei „erfolgreich“ gewesen, für die Trainerinnen sei es ein „leichtes Arbeiten“. Ein „gewisser Druck“, so die 37-Jährige, sei da, aber das ist es doch, „was wir wollen: den Wettkampf, die Herausforderung“.
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