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Bochumer Projekt "ZuZ-Fanexpress" seit 15 Jahren unter Dampf

05.07.2012 | 18:12 Uhr
Bochumer Projekt "ZuZ-Fanexpress" seit 15 Jahren unter Dampf
Mit dem Zug quer durch die Republik - der ZuZ-Fanexpress macht’s möglich.

Bochum.  Seit 15 Jahren lässt das Bochumer Projekt "Zug-um-Zug-Fanexpress" Züge und Busse quer durch Deutschland rollen - ohne Aussicht auf Profit. Unterstützung bekommen die Betreiber vom VfL Bochum - aber nur "so lange es nichts kostet."

Die Zahl ist durchaus imposant. 40-, vielleicht sogar 50000 Menschen, schätzt Matthias Steinke, haben sie im Laufe der Jahre durch die Republik gefahren. Menschen, die als Fußball-Fans häufig unter Generalverdacht stehen und zum Teil übel beleumundet sind. Die Rede ist vom Zug-um-Zug-Fanexpress, einem Bochumer Projekt, das nun bereits seit 15 Jahren Züge und Busse quer durch Deutschland rollen lässt - ohne Aussicht auf Profit und leider auch ohne große Aussicht auf Unterstützung. Aber mit Erfolg. „Es passiert nichts, was wir nicht unter Kontrolle haben.“ Sagt Marwan Omeirat, neben Steinke die zweite treibende Kraft der ZuZler.

Omeirat ist einer der Gründungsväter dieser in Deutschland einmaligen Initiative, die trotz ihrer Leistungsfähigkeit und langen Geschichte weitgehend im Verborgenen blüht. Längst habe man, so Steinke, „die Routine und das Knowhow, das zu machen“. In guten Zeiten und bei attraktiven Begegnungen bringt der ZuZ-Fanexpress Sonderzüge auf die Schiene, ansonsten wird in Regelzügen oder Bussen gefahren. Stadtgrenzen und Vereinsfarben spielen da nicht immer die entscheidende Rolle. Die Bochumer haben schon Hamburger transportiert, Pfälzer, Münchener und Augsburger. Weil sie es können, weil sie es dürfen und weil sie eine Ausnahmestellung besitzen in Deutschland. Es gebe ansonsten nur noch „ein paar Fanbeauftragte in wenigen Vereinen, die Fahrten organisieren“, sagt Steinke und berichtet vom Supporters Club Hamburg, der einst einen eigenen Zug besaß, aber schließlich die horrenden TÜV-Gebühren nicht mehr zahlen konnte.

Die Deutsche Bahn schließt Jahresverträge

Die Deutsche Bahn schließt fortlaufend Jahresverträge mit dem Bochumer Projekt ab, das allein auf das Engagement der Betreiber, die eine Firma gründen mussten und als Unternehmer natürlich auch Steuern zahlen müssen, bauen kann. Private Investoren - Fehlanzeige, öffentliche Hand - Fehlanzeige; und selbst der VfL Bochum, bekanntlich nicht auf Rosen gebettet, hält sich zurück. Steinke nachsichtig: „Wir bekommen vom VfL jede Unterstützung, so lange es nichts kostet.“

Dabei muten die Wünsche der ZuZler eher bescheiden an. „Die Ideallösung“, sagt Omeirat, „wäre, jemanden nur für die Koordinierung zu haben“. Und dann spannt er den Bogen doch etwas weiter: „Eine Art Fan-Projekt für Auswärtsfahrten, das wäre die richtige Richtung. Wir müssen nicht unser eigenes Ding machen.“

Noch aber machen sie es, der aufwendigen, zeitraubenden und selten öffentlich gewürdigten Sache wegen. Zwar erhöht die Bahn Jahr für Jahr ihre Preise, innerhalb weniger Jahre von 49 auf maximal 72 Euro, aber das ist im Vergleich zu einem regulären Fahrpreis von etwa 260 Euro „immer noch billig“, so Omeirat, wenn auch „für die Masse“ allmählich zu teuer, obwohl ungemein flexibel. Man kann nämlich auch über Nacht am Zielort bleiben und erst am nächsten Tag zurückfahren. Omeirat spricht von einem „Baukastensystem“. Wegen der Preissteigerungen wird die Luft dennoch dünner, aber das Bochumer Duo glaubt weiterhin an sein Konzept, glaubt auch daran, Fußball-Fans „friedlich eingliedern“ zu können. Es gebe gerade eine „Dämonisierung“ der Fans, sagt Marwan Omeirat, der Szene werde „keine Gelegenheit gegeben, sich selber zu entwickeln“. Obwohl es doch, wie man sehen könne, bei ihnen funktioniere - auch und gerade ohne verbeamtete Aufpasser: „Die Polizei fährt bei uns in der Regel nicht mit. Die Akzeptanz ist viel größer, wenn das von Leuten aus der Fanszene organisiert wird.“

"Bei 900 von fünf Millionen Spielen gravierende Vorfälle"

Die Bochumer sehen die Dinge wohl so ähnlich wie der ehemalige Sicherheits-Chef des DFB, Helmut Spahn , der jetzt in Katar arbeitet. Noch kürzlich sagte Spahn der Frankfurter Rundschau in der Rückschau: „Wir haben über fünf Millionen Spiele ausgewertet in den vergangenen vier Jahren, bei ungefähr 900 gab es gravierende Vorfälle. Das sind nicht mal 0,02 Prozent.“

Aber was macht eigentlich das Kerngeschäft der ZuZler, die Fahrten mit und für die Fans des VfL Bochum? „Für einen Sonderzug“, sagt Omeirat, „braucht man etwa 450 Leute, die mitfahren wollen“. Dann erinnert er sich an die letzte Saison und stellt eine Frage in den Raum, die auch gut als Antwort taugt: „Wo findet man die?“

Michael Eckardt



Kommentare
07.07.2012
13:55
Bochumer Projekt
von karlkutta | #2

Herlichen Glückwunsch!!! Tolle Sache bin schon etliche mal mit dem Zug und Bus zu den Auswärtsspielen gefahren und muss sagen das der Preis immer sehr Fair war und auch sonst hatten wir immer viel Spaß auf den Reisen. Weiter so !!! Gruß aus Westenfeld

06.07.2012
14:15
Bochumer Projekt
von zensek1 | #1

Ich habe schon ein paar Fahrten mit dem Bus mitgemacht.
War alles super und preiswert.

Weiter so. Glück Auf

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