Blau-Weiß hofft auf eine Sensation gegen Uerdingen

Es muss alles passen für Blau-Weiß Bochum um Kapitän Carolin Lentge.
Es muss alles passen für Blau-Weiß Bochum um Kapitän Carolin Lentge.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Im Wiesentalbad des Vereins steigt am Mittwochabend (20 Uhr) das erste Finale um die Deutsche Meisterschaft im Frauen-Wasserball zwischen Blau-Weiß Bochum und Bayer Uerdingen.

Es ist ein Klassiker unter ungleichen Bedingungen. Hier Blau-Weiß Bochum. Der Rekordmeister. Mittlerweile: blutjung. Und „nur“ noch ein Jäger.

Dort Bayer Uerdingen. Der Titelverteidiger. Der souveräne Spitzenreiter nach der Liga-Runde. 24:0 Punkte, 211:73 Tore. Blau-Weiß kam als Zweiter auf 15:9 Punkte und 120:116 Tore. Das sind Welten. Das Gros des deutschen Nationalteams krault für Uerdingen.

Thilo Khil, der Trainer des Außenseiters aus Bochum, sagt vor dem ersten Finale um die Deutsche Meisterschaft der „best-of-three-“Serie im heimischen Wiesentalbad am heutigen Mittwoch (Beginn 20 Uhr) daher solche Sätze, die nach einem Wunder klingen, wenn sie denn alle zugleich eintreten sollen: „Die Schiedsrichter-Leistung muss gut sein, wir müssen einen guten Tag erwischen, Uerdingen einen nicht ganz so guten. Und wir müssen so lange wie möglich komplett im Wasser sein, dürfen uns nicht viele Hinausstellungen leisten.“ Auf der anderen Seite möge bitte schön das Gegenteil eintreten, und dann - hat Blau-Weiß eine Chance.

Wunder? Khil ist Trainer einer extrem jungen Mannschaft, die ihr Saisonziel erreicht hat, ja: mehr als das. Mit einem starken Endspurt in der Liga hat man sich Platz zwei gesichert, ging damit Bayer im Halbfinale aus dem Weg. In diesem kämpfte sich Bochum gegen den Hannoverschen SV nach einer Auftaktniederlage in Spiel zwei zurück, gewann knapp mit 9:8. Khil sah die Rote Karte, musste die Partie als Zuschauer verfolgen, ebenso wie das dritte Spiel. Ariane Rump, die lebende Blau-Weiß-Legende, vertrat ihn in der Coaching-Zone. Bochum siegte mit 14:6.

Wunder? „Favoritenrolle hin oder her“, müht sich der erfahrende Coach, der heute wohl wiedervom Beckenrand aus coachen darf, auch darum, Mut zu machen. „Ich hoffe, dass wir den guten Lauf aus dem Halbfinale, die Euphorie mitnehmen. Wir haben durchaus Qualität, einen Punkt zu setzen und zuHause zu gewinnen“, sagt er. „Wir werden uns taktisch zwei, drei Überraschungen einfallen lassen.“

Was für eine - kleine - Chance von Blau-Weiß spricht: Anders als in der Saison, als ständig Leistungsträgerinnen ausfielen, sind die Bochumerinnen seit den Play-Offs komplett. Komplett fit. Und motiviert. In der Liga hatte man zwar noch keine Chance (5:21, 7:14), doch die Play-Offs haben bekanntlich eigene Gesetze. So gab es im Vorjahr, als man im Halbfinale aufeinandertraf, daheim nur ein 11:13 (Rückspiel in Uerdingen: 7:17). „Bayer ist physisch stark. Wir müssen Konter unterbinden“, sagt Khil. Nicht nur auf die Topstars wie Kapitän Claudia Blomenkamp und Claudia Kern gelte es zu achten.

Auf der eigenen Seite kann sich Blau-Weiß auf Nationaltorhüterin Feli Saurusajtis verlassen, in der Abwehr sollen Linn Freisewinkel, und Stephanie Motte zupacken, und die so schnellen wie jungen Wilden - etwa Lily Adamski oder Fabienne Heerdt - sollen für Tempo und Tore sorgen. Dann könnte es klappen mit einem Heimsieg.

DIE ZEITEN DER SERIE

Nach 14 Jahren (zwölf Titel, zweimal Vizemeister) hatte Blau-Weiß im Vorjahr das Finale verpasst, landete nach Niederlagen gegen Uerdingen im Halbfinale und SG Neukölln im Spiel um Platz drei auf Rang vier.

Das erste Finale (best-of-three) steigt heute Abend im Wiesentalbad (20 Uhr). Die zweite Partie findet am Freitag in Uerdingen statt (19.30). Eine mögliche dritte Partie ist für Samstag in Uerdingen angesetzt (16.30).