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Regionalliga-Relegation

Bauchlandung der SG Wattenscheid nach 3:0-Traumstart gegen Bergisch-Gladbach

10.06.2012 | 21:14 Uhr
Bauchlandung der SG Wattenscheid nach 3:0-Traumstart gegen Bergisch-Gladbach
War geknickt: Serafettin Sarisoy.

Der große Traum vom in der deutschen Fußballgeschichte wohl einmalig möglichen Doppel-Aufstieg ist geplatzt: Westfalenliga-Meister SG Wattenscheid 09 gewann das Rückspiel der Regionalliga-Relegation gegen den SV Bergisch Gladbach 09 zwar, hat wegen der 0:2-Hinspielpleite aber den Kürzeren gezogen. In der nächsten Saison spielt die Mannschaft von André Pawlak in der Oberliga.

SG Wattenscheid 09 -
SV Bergisch Gladbach 093:2 (3:0)

SG: Fronczyk - Rathmann, Thamm, Melchner, Brümmer - Zajas, Issa (65. Rocys) - Preissing, Sarisoy, Trisic - Koitka

Tore: 1:0 Melchner (19.), 2:0, 3:0 Koitka (26., 38./FE), 3:1, 3:2 Eckert (50., 63.)

Zuschauer: 4502

Der große Traum vom in der deutschen Fußballgeschichte wohl einmalig möglichen Doppel-Aufstieg ist geplatzt: Westfalenliga-Meister SG Wattenscheid 09 gewann das Rückspiel der Regionalliga-Relegation gegen den SV Bergisch Gladbach 09 zwar, hat wegen der 0:2-Hinspielpleite aber den Kürzeren gezogen. In der nächsten Saison spielt die Mannschaft von André Pawlak in der Oberliga.

So wirklich greifen konnte man die Stimmung nach dem Abpfiff nicht: Natürlich hatten die 09er einen Aufstieg geschafft, doch so wirklich freuen wollte sich darüber niemand. Zu fokussiert war man wochen-, ja monatelang gewesen auf diese Relegation, die die Anhängerschaft, je näher die beiden „Endspiele“ rückten, geradezu elektrisierte. Während einige Spieler schon wenige Minuten nach dem Abpfiff wieder lachen konnten, blieben andere, wie SG-Innenverteidiger Alexander Thamm, lang auf dem Rasen sitzen, ließen sich von den Fans trösten. „Wir haben eben echt noch mal dran gerochen“, sprach Thamm das aus, „was die ganze Sache so bitter macht“.

Man war nach 38 Spielminuten tatsächlich nah dran am großen Wurf, der nach dem Hinspiel schon in relativ weite Ferne gerückt war. Doch die Systemänderung vom 4-4-2 aufs gewohnte 4-2-3-1 war mehr als sinnvoll. Zudem ersetzte Pawlak Christian Luvuezo durch Christian Melchner und brachte Kai Koitka als einzige Sturmspitze. Das sollte sich bezahlt machen.

Dem NRW-Liga-Neunten, der mit rund 200 Fans angereist war, gewährte man so gut wie keine Freiräume - und selbst war man von Beginn an im Vorwärtsgang. Milko Trisic (linker Flügel) und Serafettin Sarisoy (Mittelfeld-Zentrale) hatten in der ersten halben Stunde gefühlt mehr Ballkontakte als im gesamten Hinspiel. Bergisch Gladbach indes trat ideenlos auf und schluderte vor allem in puncto Physis, scheute teilweise gar ruppige Zweikämpfe. Das war im Hinspiel noch ganz anders. Wattenscheid nutzte seine Chance, legte sich den Gegner zurecht. Und mit der ersten Torchance des Spiels löste man den ersten Kollektivjubel aus: Gladbachs Tormann Sven Forsbach, im Hinspiel dank eines gehaltenen Elfmeters in der Schlussminute noch der gefeierte Held, unterlief einen Freistoß von Kevin Brümmer. Melchner nutzte dieses Malheur, köpfte zum 1:0 ein (19.).

Und 09 ließ in „der besten Halbzeit, seit ich hier bin“, so Trainer Andre Pawlak, partout nicht locker: Bei Koitkas Traumtor per direktem Freistoß aus 25 Metern (26.) war Forsbach chancenlos - und auch beim Elfmeter des engagierten, starken Stürmers konnte er nichts ausrichten (38.). Es stand tatsächlich 3:0 - und um 15.40 Uhr war man somit kurzzeitig in der Regionalliga: Wattenscheid in Feierstimmung! Die wurde selbstredend dadurch begünstigt, dass man Bergisch Gladbachs Offensiv-Bemühungen weiterhin höchstens als zaghaft und ungefährlich bezeichnen konnte.

„Ich habe meine Mannschaft in der Pause daran erinnert, wie geil es ist, vor einem Publikum zu feiern, das einen nur beleidigt.“ So sah das „Erfolgsgeheimnis“ von Bergisch Gladbachs Trainer Dietmar Schacht - er war beim Gang in die Kabine nach einem Becherwurf von der Tribüne in ein Handgemenge verwickelt - nach eigener Aussage aus. Bis auf eine Szene nach dem 3:1, als einige Wattenscheider Chaoten den Ersatzspielern der Gäste an die Wäsche wollten, blieb es aber weitgehend friedlich.

Einer nahm sich Schachts Worte wohl besonders zu Herzen: Rachid Eckert traf gleich zweimal. Erst setzte er sich auf der rechten Seite gegen Brümmer durch und vollendete ins lange Eck (50.). Jetzt hätte 09 immer noch ein Tor gereicht - doch die Luft war merklich raus. Und: Eckert legte schnell nach (63.), traf per Freistoß aus der selben Distanz wie Koitka. Hier hatte Keeper Lukas Fronczyk nicht gut ausgesehen. Der Unterschied: Ließ Bergisch Gladbach gegen überlegene 09er nur einmal die Muskeln spielen, wenn auch nur über individuelle Stärke, merkte man das sofort.

Dass Wattenscheid nach dem 3:0 mehr als drei Großchancen hatte, macht die Niederlage natürlich schmerzhafter. Dennoch dürfen sich die Spieler in den nächsten Tagen öfter mal kneifen. Um zu realisieren, dass sie Großes geleistet haben in dieser Saison.

Felix Groß



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