Frauenfußball-U20-WM
A-Team „im Hinterkopf“
27.07.2010 | 17:45 Uhr 2010-07-27T17:45:00+0200
Neulich gab es, Hallelujah, einen freien Tag. Das neue deutsche und kurz behoste Fräuleinwunder hatte im rewirpower-Stadion für Glanz und Gloria gesorgt - was dort nicht alltäglich ist - und war entsprechend gefeiert worden. Mit taktischer Disziplin, großer Laufarbeit, physischer Präsenz und Können war Nordkorea in die Knie gezwungen wurden. Danach wurde der Ball einfach mal in die Ecke gekickt. Eine gute Gelegenheit, wie Dzsenifer Marozsan sagt, „sich mal gehen zu lassen“.
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Wenn sich die Damen der deutschen U20 mal „gehen lassen“, dann heißt das lediglich, dass sie einen Tag lang nicht auf dem Trainingsplatz stehen, sich nicht am Taktiktisch befinden und auch nicht an den kommenden Gegner denken. Man muss loslassen können, um zu maximaler Konzentration fähig zu sein.
Marozsan ist mit vier Jahren aus Budapest ins saarländische Burbach gekommen, ihr Vater war ungarischer Nationalspieler. Sie ist die jüngste Bundesliga-Spielerin aller Zeiten und eine der Jüngsten im Kreise dieser so phänomenalen U20 des DFB. Marozsan hat die „richtige“ Nationalmannschaft, wie sie zugibt, bereits „im Hinterkopf“. Dorthin verbannt hat auch Sylvia Arnold (19) vorerst ihren perspektivischen Ehrgeiz. Die Angreiferin des FF USV Jena lebt ihren aktuellen Erfolgshunger dagegen mit beachtlichem Ergebnis bei der U20-WM aus. Vor dem Halbfinale am Donnerstag in Bochum gegen Südkorea wird auch nicht mehr gemauert. „Wir wollen den Titel holen“, sagt Arnold, die schon zwei Tore erzielt hat. „Was später kommt, kommt eben später“, fügt Arnold, die dabei neben Kim Kulig sitzt, hinzu.
Die Württembergerin, im Alltag noch beim HSV engagiert, ist beispielgebend für ihre ambitionierten Mitspielerinnen. Kulig ist bereits mit der A-Nationalmannschaft Europameisterin geworden, jetzt fungiert sie als Führungskraft bei den Jüngeren. Sie muss sich keine Gedanken mehr darüber machen, wie man ins A-Ensemble kommt, sie gehört dazu. Aber auch Kulig, die sich gerade als umsichtige Strategin vor der Abwehr profiliert, kann noch gewinnen bei diesem Turnier - an Sicherheit und Reputation. Ein WM-Titel wirft sein helles Licht auf alle Beteiligten.
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