Warum der SSV Meschede das Hallenmasters sterben lässt

Auch die Schalker Fans waren im Januar 2014 beim Veltins-Hallenmasters schwer im Zaun zu halten.
Auch die Schalker Fans waren im Januar 2014 beim Veltins-Hallenmasters schwer im Zaun zu halten.
Foto: Tobias Aufmkolk
Was wir bereits wissen
Es war eine der schwersten Entscheidungen, wenn nicht sogar die schwerste Entscheidung, die Rafael Bremer in seiner Amtszeit als Fußball-Abteilungsleiter des SSV Meschede fällen musste: Das Aus für das Veltins-Hallenmasters. Er erklärt die Gründe.

Meschede.. Ein lockeres Gespräch im kleinen Kreis noch, das eine oder andere Getränk, dann trennen sich in dieser dunklen Nacht die Wege von Rafael Bremer und seinen Vorstandskollegen vom SSV Meschede. Diesmal machen sich die Fußball-Bosse allerdings mit einem merkwürdigen Gefühl in der Magengegend auf den Heimweg, denn das Ergebnis ihrer ­Krisensitzung beendet eine Tradition. 19 Mal veranstaltete der SSV ­Meschede das Veltins-Hallenmasters - die Jubiläumsausgabe wird es nicht mehr geben.

Veranstalter zieht Reißleine

„Wir haben das Turnier einst ins ­Leben gerufen, um überregionalen Fußball im Sauerland zu zeigen“, sagt Bremer am Tag nach der Entscheidung im Gespräch mit unserer Redaktion, „aber wenn wir die hundertprozentige Sicherheit unserer Zuschauer nicht mehr gewährleisten können, macht es keinen Sinn mehr, das Turnier weiterhin durchzuführen.“ Schließlich habe der Verein eine Fürsorgepflicht der ­Region, der Stadt Meschede, seinen Mitgliedern und auch dem Hauptsponsor gegenüber, „und dieser kommen wir nun nach und ziehen die Reißleine“.

Schöne Erinnerungen an heutige Weltmeister

Leicht fällt den Meschedern dieser Schritt nicht. Zu viele schöne und stolze Erinnerungen hängen an dem Turnier, bei dem unter anderem jetzige Weltmeister wie Mats Hummels, Bastian Schweinsteiger oder Thomas Müller in jungen Jahren ihr Können präsentierten. Damals, als die Organisatoren die Vereine noch ohne Bedenken und ohne vorherige Rücksprache mit der Polizei einladen konnten. Bremer gewann das Hallenmasters sogar selbst und betreute jahrelang die Auswahl des Hochsauerland-Kreises.

Kommentar „Natürlich ist da eine große Portion Wehmut mit im Spiel“, erzählt der Abteilungsleiter daher, „besonders bei den Leuten, die seit 19 Jahren an diesem Turnier hängen.“ Doch sogar Jochen Kriebel, seit der Premiere leidenschaftlicher Organisator des Wettbewerbs, muss an diesem dunklen Abend nicht überstimmt werden. Zu präsent sind bei allen noch die hässlichen Szenen, die sich am Samstag abspielten, als randalierende Fans des KFC Uerdingen und von Fortuna Düsseldorf II erneut nur durch einen Großeinsatz der Polizei von einander getrennt und zur Abreise gezwungen werden konnten.

Auch Schalker Randale fiel auf SSV zurück

Hallenfußball Bereits im vergangenen Jahr waren mehrere Hundert Anhänger von Schalke 04 in der Halle nur mit großer Mühe im Zaum zu halten, „und als die fast wieder zu Hause waren haben die sich noch wie die Kesselflicker gekloppt. Das fiel auch auf unser Turnier zurück“, sagt Bremer. Mit Blick auf die Gewalt-Eskalation unter Fans bei einem Hallenturnier in Frankfurt am vergangenen Wochenende, ergänzt der ehemalige Spieler des SSV: „Selbst in den großen Hallen passieren diese Dinge und wir stoßen mit unserer Dreifachturnhalle schlicht und einfach an eine Grenze.“

Kein Jubiläum mehr - dafür haben Fußball-Chaoten gesorgt

Auch vor der 19. Auflage des Hallenmasters habe man sich mit Polizei und Fanbeauftragten ausgetauscht, „und niemand hat diese Entwicklung vorhersagen können“. Einzeln, zu zweit oder zu fünft seien die Uerdinger in die Halle gegangen, um sich in ihr als Gruppe zusammenzuschließen.

Fan-Randale „Im Liga-Umfeld sind die Sicherheitsvorkehrungen so hoch, dass sich diese Chaoten die kleineren Veranstaltungen aussuchen, um ihr Unwesen zu treiben - und so eine war das Hallenmasters nunmal“, sagt Bremer. Weil mittlerweile jeder Regionalligist über eine Fan-Szene verfüge, sei es unmöglich geworden, das Risiko im Vorfeld verlässlich einzuschätzen.

SSV Meschede will "neue Wege suchen"

Die Idee, überregionalen Fußball mit Mannschaften aus der ­Regionalliga oder der 3. Liga im Sauerland zu präsentieren, lassen sich die Mescheder allerdings nicht verhageln. „Wir müssen neue Wege suchen, vielleicht ein Sommerturnier mit drei oder vier Mannschaften“, erklärt der Fußball-Boss, „aber da ist noch lange nichts spruchreif.“ Nur eines steht fest: „Dafür, dass wir kein Hallenmasters-Jubiläum feiern können, haben die Fußball-Chaoten gesorgt.“