Verbandsstrukturen auf dem Prüfstand – Mitgliederschwund

Das neue WTV-Präsidium (von links): Rolf Hüttermann, Gerti Straub, Lutz Rethfeld, Robert Hampe, Andreas Plath, Christiane Pollmeier (Oeventrop), Norbert Krusch und Elmar Schlüter.
Das neue WTV-Präsidium (von links): Rolf Hüttermann, Gerti Straub, Lutz Rethfeld, Robert Hampe, Andreas Plath, Christiane Pollmeier (Oeventrop), Norbert Krusch und Elmar Schlüter.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Im Rahmen des WTV-Verbandstages in Kamen ist auch das Präsidium neu gewählt worden, zu dem jetzt auch Christiane Pollemeier aus Oeventrop zählt.

Kamen/Sauerland..  An einem regnerischen Samstag hatte der WTV zu seinem ordentlichen Verbandstag ins Landeszeitungszentrum geladen und 102 Vereine mit 416 Stimmen waren der Einladung gefolgt, denn neben den üblichen Regularien, die ein Verband abzuwickeln hat, stand Grundsätzliches auf der Tagesordnung.

So wurden zunächst übergreifende strategische Verbandsziele erarbeitet, die sich damit beschäftigten, wie sich zum Beispiel der WTV in fünf Jahren als Unterstützer der Vereine sieht, wie die Jugend- und Nachwuchsarbeit aussehen soll, und wie der Verband als Impulsgeber die Entwicklung im Tennissport angehen will. Ein weiteres zentrales Thema war die Schaffung eines einheitlichen Spielsystems, denn in den vier Bezirken gibt es bis dato keine vergleichbare sportliche Systematik. Insofern soll nichts von jetzt auf gleich umgesetzt werden, sondern nur in Abstimmung mit den Gremien bis 2020 als Handlungskonzepte auf den Weg gebracht werden.

Diese Analyse warf unter anderem die Frage auf: Kann man dies mit den vorhandenen Verbandsstrukturen schaffen? Die Folge war, dass man sich mit der aktuellen Organisationsstruktur auseinandersetzte und man festgestellt hat, die Kreise und Bezirke haben eine hohe „Uneinheitlichkeit“. Vielfach waren die Kompetenzen auch nicht explizit geregelt, Kassenführungen waren dagegen auf unterschiedlichen Ebenen gegeben und eine Verbandssteuerung über die regionalen Gremien schwer möglich. Insofern war die Vorgabe, die Prüfung alternativer Modelle, mit dem Ziel, eine Verschlankung auf Kreis- und Bezirksebene zu entwickeln. Heraus kam, dass der Bezirk künftig mit Koordinatoren in den Kreisen arbeiten wird, die den Spielbetrieb zu organisieren haben.

Neue Struktur

Aus der neuen Struktur sollen sich die kompetenten Ansprechpartner ergeben, denn durch die zentrale Übernahme von Aufgaben, wird die Arbeit in den Vereinen erleichtert. Die Aufgaben der verschiedenen Strukturebenen sind klar benannt, die Zuständigkeit auf allen Ebenen ermöglicht ein schnelleres Handeln, was wiederum zu einer Vereinheitlichung auf Kreis- und Bezirksebene führt.

Die wesentlichsten Satzungs-Veränderungen bestehen darin, dass es künftig keinen geschäftsführenden WTV-Vorstand mehr gibt, sondern das gesamte Präsidium die Führung des Verbands vertritt. Das erweiterte Präsidium wird wie bisher mit den vier Bezirksvorsitzenden ergänzt. Zudem wurden die Zuschnitte der einzelnen Vizepräsidenten geändert und mit der Unterteilung in Jugendsport und Nachwuchsleistungssport eine weitere Funktion als Vizepräsident geschaffen.

Als unter dem Tagesordnungspunkt 9 die Beschlussfassung über die neue Satzung von Robert Hampe aufgerufen wurde, stand ihm Erleichterung ins Gesicht geschrieben: 395 Stimmen waren dafür, lediglich 11 Stimmen enthielten sich. Mit diesem Beschluss hat der WTV sozusagen die Zukunft eingeleitet.

Das Hier und Jetzt

Während sich die Vereinsvertreter am Vormittag des ordentlichen Verbandstages mit der Zukunft beschäftigten, ging es im zweiten Teil am Nachmittag um das Jetzt und Hier. Verbandspräsident Robert Hampe zog in seiner Rede die Bilanz seiner Arbeit, ging dabei auch auf den Deutschen Tennis-Bund und seinen in der Öffentlichkeit ausgetragenen Diskussionen von der Präsidentenfindung von Sepp Klaus bis zur Entlassung des Davis Cup-Teamchefs Carsten Arriens ein und nahm aktuell Stellung zum WTV. Vorweg stellte er die Tatsache, die ihn am meisten berührt: „Wir mussten wiederum einen Mitgliederschwund von 2,75 Prozent dem DTB melden. Das sind 3810 Mitglieder“, sagte Hampe, „aber was mich zutiefst schockiert ist die Tatsache, dass wir davon 1105 Jugendliche verloren haben. Ich weiß, dass sich die Vereine ein Bein ausreißen, um unseren Sport nach vorne zu bringen. Auch lassen die Mannschafts- und Turnierteilnehmerzahlen eine andere Entwicklung vermuten, aber irgendwo schlägt die Logik Kapriolen.“

Einen breiten Part nahm die Würdigung des Ehrenamtes in seiner Rede ein, denn das ehrenamtliche Engagement ist notwendiger denn je. Sein Dank ging an die Vereins-, Kreis-, Bezirks- und Verbandsfunktionäre, die häufig bis an die Belastungsgrenze gehen müssen. Aber mit persönlicher Stärke, charaktervollem Auftreten werden die Aufgaben bewältigt und so dem Tennissport ein ehrliches Gesicht gegeben.

Für Diskussionen sorgte dann der von Frank Kramer (Sportwart des Herdecker TV), der einen Antrag zum Match-Tiebreak eingebracht hatte. Bekanntlich hatte sich vor geraumer Zeit der WTV-Sportausschuss mit 13:1-Stimmen für die Einführung des Match-Tiebreaks in allen Ligen und Altersklassen für den Sommer 2015 ausgesprochen. Dies sollte wieder rückgängig gemacht werden, nach Ansicht von Kramer, da dies nach seiner Meinung von den Tennisspielern nicht gewünscht wird. Da aber die WTV-Durchführungsbestimmungen nicht auf dem Verbandstag beschlossen werden, sondern nur im Sportausschuss, wurde nur pro forma abgestimmt. Mehrheitlich war man für die Beibehaltung der Beschlüsse.