Veltins-Masters in Meschede - ein Turnier und sein Schatten

Hallenmasters in Meschede: Eine Schalker Mannschaft ist 2015 nicht am Start. Zu groß ist die Sorge vor Ausschreitungen.
Hallenmasters in Meschede: Eine Schalker Mannschaft ist 2015 nicht am Start. Zu groß ist die Sorge vor Ausschreitungen.
Foto: Tobias Aufmkolk
Was wir bereits wissen
Das Hallenturnier im Sauerland war fußballerisch meist hochwertig, doch randalierende Fans sorgten im Umfeld und auf An- und Abreise zum Turnier für negative Schlagzeilen. Nun schritt der Hauptsponsor ein.

Meschede.. Das Veltins-Masters in Meschede ist fußballerisch zumeist hochwertig, doch in der Vergangenheit sorgten randalierende Fans rund um das Turnier für negative Schlagzeilen. Nun schritt der Hauptsponsor ein. Die Folge: Im Teilnehmerfeld fehlen große Namen wie Schalke oder Dortmund. Aber das ist auch eine Chance für das Turnier, sagt Organisator Jochen Kriebel.

Die Scheinwerfer auf der gegenüberliegenden Hallenseite werden wieder eingeschaltet sein. Nur das Spielfeld und die Protagonisten werden am Samstag im hellen Licht stehen. So ist es immer vor dem Finale des Hallenmasters in Meschede, einem traditionsreichen und hochwertigen Fußball-Turnier in Meschede. Im vergangenen Jahr standen sich in einem West-Endspiel die U23 von Schalke 04 und von Rot-Weiß Oberhausen gegenüber. - Alles Vergangenheit.

Heutige Weltmeister waren schon in Meschede

„Die Leute fragen mich natürlich, warum Dortmund oder Schalke in diesem Jahr nicht dabei sind“, sagt Organisator Jochen Kriebel. Der 71-jährige pensionierte Schulleiter kümmert sich seit der Erstaustragung 1996 um die Veranstaltung, er hat die heutigen Weltmeister Mats Hummels, Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller mit der Bayern-Jugend ins Sauerland geholt. Doch in diesem Jahr fehlt der eine ganz große Vereinsname, der Zuschauer garantiert. Warum? „Es ist bekannt, was in der Vergangenheit so geschehen ist“, sagt Kriebel.

In Gelsenkirchen eskalierte die Lage

Das war nicht immer so erfreulich. Denn zumeist wurde der Sport durch andere Schlagzeilen verdrängt. Wie ein Schatten haftet das Negative am Guten. Im vergangenen Jahr musste der Torwart von Alemannia Aachen zu seinem Schutz nach nur einem Spiel die Halle verlassen.

Ausschreitungen Schalker Ultras meinten in ihm einen Dortmund-Fan erkannt zu haben, der einer Ultra-Gruppierung mit rechtem Einschlag angehöre. Sie beschimpften ihn derart, dass Übergriffe nicht ausgeschlossen werden konnten. Zurück in Gelsenkirchen eskalierte die Lage: königsblaue Chaoten griffen die Polizei an, warfen mit Flaschen, Steinen, Mülleimern und sogar Fahrrädern.

2013 waren rund 200 Polizisten aus vier Behörden nötig, um eine einigermaßen störungsfreie Anreise der Schalker Fans nach Meschede durch die Stadt des fußballerischen Erzrivalen Dortmund zu gewährleisten. Sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückreise kam es zu Zwischenfällen am Bahnhof. Ein Pflasterstein flog gegen den fahrenden Zug.

Schlechte Erinnerungen an Auseinandersetzung mit BVB-Fans

Ebenfalls in schlechter Erinnerung bleiben zum einen die Schlacht, die sich Anhänger von Borussia Dortmund und Preußen Münster im Zelt vor der Halle lieferten: Die Lager bewarfen sich mit Tischen und Stühlen, ehe die Polizei einschritt.

Ausschreitungen Zum anderen die Reisegruppe aus Berlin, die den Klub Dynamo ins Sauerland begleitete, aber auf der Rückfahrt nicht den eigens für sie bereitgehaltenen Zug bestieg, sondern einen, der gerade aus Willingen in Meschede einfuhr. An Bord: trinkfreudige Gruppen, Familien, Kinder. Nahe Fröndenberg musste der Zug angehalten werden, weil er wegen der Dynamo-Tumulte aus den Gleisen zu springen drohte.

Keine Einladung mehr von Veltins für Schalke 04

Umstände, die keiner will. Auch nicht der Turnier-Sponsor: die Veltins-Brauerei. Die Negativschlagzeilen in Verbindung mit dem Turnier stießen den Entscheidern in Grevenstein laut Kriebel auf. Sie drängten nach der letzten Austragung darauf, dass sie der Vergangenheit angehören mögen. Da niemand aber zuverlässig weitere Zwischenfälle ausschließen kann, erhielt der FC Schalke 04, bei dem die Brauerei ebenfalls Hauptsponsor ist, keine Einladung mehr.

Uerdingen, Düsseldorf II und Hessen Kassel dabei

Die Folge ist, dass sich das Teilnehmerfeld etwas weniger aufregend liest als früher: neben einer Sauerland-Auswahl treten die Regionalligisten SV Meppen, der KFC Uerdingen, Fortuna Düsseldorf II und Hessen Kassel sowie die U23 des niederländischen Klubs FC Groningen an.

Organisator Kriebel kann das nicht ändern. Im nächsten Jahr feiert das Turnier Jubiläum: 20 Jahre Mescheder Hallenmasters. Am liebsten würde er den BVB einladen, Schalke und die Bayern. Aber schon Monate vor dem Turnier muss er eine Liste der teilnehmenden Mannschaften an das Innenministerium des Landes schicken.

Dort wird geprüft, ob zwischen verfeindeten Fangruppen Gefahr droht. Oldenburg musste wegen der Rivalität zu Meppen in diesem Jahr wieder ausgeladen werden. Die großen West-Namen fehlen ohnehin schon. Kriebel sieht es positiv. „Das soll ein Turnier in der Region für die Region sein, zu dem Familien mit ihren kleinen Kindern kommen können“, sagt Kriebel, „das war in den vergangenen Jahren nicht immer der Fall.“

Hundertschaften der Polizei im Einsatz

Wenn 300 Schalker Fans in die kleine Halle mit ihren 630 Sitzplätzen einfallen, dann wird es zwar laut und stimmungsvoll, aber bisweilen auch ungemütlich. Früher waren Polizei-Hundertschaften aus Dortmund und Bochum in Meschede im Einsatz, sie richteten Büros in der nahen Schule ein, filmten mit Kameras in die Fan-Blöcke und marschierten manchmal in voller Kampfausrüstung in die Halle. Diese Zeiten sollen vorbei sein. „Wir werden wieder eine gute Stimmung in der Halle haben“, verspricht Jochen Kriebel. Und vor dem Finale gehen wieder die Scheinwerfer an. Dieses Mal hoffentlich ohne, dass sie einen Schatten werfen.