Traditionsgeschäft schließt Pforten

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Nach 84-jähriger Familientradition schließt das Hüstener Früchtehaus Cöppicus-Danne seine Pforten. Geschäft am Hüstener Markt wird aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben,

Hüsten.. Hier konnten die Kunden heimische und exotische Früchte und Gemüse kaufen - und das schon seit 84 Jahren. Aber am letzten Tag des Jahres 2014 zum letzten Mal. Dann geht eine Ära in Hüsten zu Ende: das über die Grenzen der alten Freiheit bekannte Früchtehaus Cöppicus-Danne wird geschlossen. „Aus gesundheitlichen Gründen“, so Gregor Danne (62). Er führte das Geschäft in dritter Generation viele Jahre - bis vor 13 Jahren auch zusammen mit seiner Ehefrau Irene (54), die inzwischen wieder in ihrem erlernten Beruf als Krankenschwester im St. Johannes-Pflegezentrum tätig ist.

Umbau zum Fachgeschäft

Als sein aus Neheim stammender Großvater, Kaufmann Fritz Cöppicus, am 1. Juni 1930 im Zentrum der alten Freiheit am Hüstener Markt ein Obst- und Gemüsegeschäft eröffnete, gratulierte man ihm zur „Rattenburg“. So heruntergekommen war das Eckgebäude, das zuvor sieben Jahre leer gestanden hatte und das Fritz Cöppicus damals als 35-jähriger vom Hüstener Zahnarzt Dr. Clemens Menke käuflich erwarb. Nach dem Tod von Fritz Cöppicus am 29. März 1952 traten Theo und Hanni Danne, die Eltern von Gregor Danne, die Nachfolge an und bauten den „Tante-Emma-Laden“ zu einem führenden Fachgeschäft aus.

84 Jahre im Familienbesitz

84 Jahre lang ein Geschäft im Familienbesitz zu führen, ist gewiss schon eine Seltenheit und bedeutet heutzutage Fleiß und Ausdauer, gesunden Marktwettbewerb, solide Leistung und freundlichen Kundenservice. Geschäftsgründer Fritz Cöppicus, den es nach einem mehrjährigen Intermezzo in Wanne-Eickel 1930 wieder ins Sauerland zog, fuhr anfangs mit Pferd und Wagen über die Soester Börde, um für seine Hüstener Kundschaft Obst und Gemüse einzukaufen.

Einkaufstouren nach Holland

In den nachfolgenden Kriegsjahren, als in der Heimat nichts mehr zu bekommen und alles rationalisiert war, scheute er sich nicht, selbst unter Lebensgefahr schwarz über die holländische Grenze zu gehen und seine Einkäufe bei Bauern fortzusetzen. Im Krieg, als auch bei Cöppicus die Leute Schlange standen und Briefträger Teriet, der Vater des späteren Bürgermeisters, seine tägliche Post ablieferte, war der Laden Umschlagplatz für Feldpostbriefe, die von der Front die Heimat erreichten.

„Ist Post von meinem Sohn dabei?“, „Hat mein Mann aus Russland geschrieben?“ waren besorgte Fragen der Kundschaft an den Postbeamten, weiß Gregor Danne noch von Erinnerungen seiner Mutter Hanni. Nach dem Einstieg von Gregor Danne holte dieser das Angebot von Obst und Gemüse täglich frisch vom Dortmunder Großmarkt - täglich um drei Uhr in der Früh, sechsmal in der Woche.

Wechselnde Nachbarn

Oftmals schon hat das Geschäftsgebäude am Hüstener Verkehrsknotenpunkt das Gesicht gewechselt. Nach den Umbauarbeiten 1929/30 war 25 Jahre auch Kaiser’s Kaffeegeschäft benachbart und ein vertrauter und gewohnter Anblick in Hüsten, ehe nach neuerlicher Renovierung 1955 das Süßwarengeschäft Hussel die Nachbarräume für 15 Jahre anmietete. Zu der Zeit wurde auch das eigene Geschäftslokal nach gründlicher Renovierung nach modernsten Gesichtspunkten als Früchtehaus eingerichtet - weit und breit gab es dort damals das erste schräggestellte Spiegelregal.

Und noch etwas Interessantes weiß Gregor Danne aus der Überlieferung zu berichten: Um die Jahrhundertwende - Ende der 1880er, Anfang der 1900er Jahre - soll es in dem heutigen Gebäude eine Poststation mit Kneipe - Gasthof „Zimbria“ - gegeben haben und nebenan, an der Arnsberger-Straße einen Stall zum Wechseln der Pferde. Das ist aber leider nicht schriftlich belegt.

Vor 60 Jahren trat auch die damals 15-jährige Marlies Mönnig als Lehrling in das Geschäft ein, wo sie bis zum Eintritt ins Rentenalter 1999 als freundliche Verkäuferin blieb, und danach, bis heute, immer noch als Aushilfe tätig ist.

Was nun aus dem Ladenlokal wird, ist momentan noch unklar. Gregor Danne wird versuchen, einen Interessenten zu finden, der hier wieder ein Geschäft eröffnet. Auf jeden Fall bedankt sich die Familie Danne bei allen Kunden für das entgegengebrachte Vertrauen und für die langjährige Treue.

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