Severin Freund zweimal Zweiter beim Weltcup in Willingen

Zweimal Zweiter in Willingen: Severin Freund.
Zweimal Zweiter in Willingen: Severin Freund.
Foto: Uwe Zucchi / dpa
Was wir bereits wissen
Dieser Auftritt macht Hoffnung für die Olympischen Spiele: Der deutsche Skispringer Severin Freund sprang beim Weltcup in Willingen zweimal auf den zweiten Platz. Jeweils vor ihm der an diesem Wochenende überragende Pole Kamil Stoch. Nun stehen die Chancen auf olympisches Edelmetall nicht schlecht.

Willingen.. Noch rast Severin Freund den Hang hinunter. Mitten hinein in das Meer der wehenden Fahnen, in den Lärm der jubelnden Fans. Noch weiß der 25-Jährige nicht genau, wie weit er gesprungen ist. Ob es für ihn erneut zu einem Platz auf dem Podium reicht.

Einzig sein Gefühl und die grenzenlose Euphorie rund um den Auslauf sagen ihm: Passt! Deshalb streckt Freund den Zeigefinger der rechten Hand hoch in die Luft und saugt die Glücksgefühle überwältigt auf. Dass aus der zwischenzeitlichen Führung beim zweiten Einzelspringen des Weltcups in Willingen wenig später der zweite Platz wird? Das ändert an seiner guten Laune nicht einmal Nuancen.

„An ihm führte dieses Wochenende kein Weg vorbei“, sagt Freund, der seit einigen Jahren beste Skispringer des Deutschen Skiverbandes, später anerkennend: Sowohl am Samstag als auch am Sonntag triumphiert der Pole Kamil Stoch auf der Mühlenkopfschanze im Waldecker Upland. Dicht hinter ihm an beiden Tagen: Severin Freund als Zweiter. „Hätte mir im Vorfeld jemand gesagt, dass ich einmal auf das Podium springe, hätte ich das sofort unterschrieben“, sagt der Mann aus Rastbüchl grinsend. „Aber so bin ich natürlich extrem zufrieden.“

Freund schafft Rückkehr in die Weltspitze

Denn kurz vor der Abreise zu den Olympischen Spielen nach Sotschi am Mittwoch dieser Woche gelingt ihm in Willingen die Rückkehr in die Weltspitze. Ausgerechnet auf der Schanze, die er so liebt und welche ihm 2011 seinen bislang einzigen Weltcup-Sieg in Deutschland bescherte, hält die Saison für Freund die nächste irre Wendung bereit. Bei der zweiten Station der Vierschanzentournee in Garmisch-Partenkirchen als 32. nicht einmal für den zweiten Durchgang qualifiziert, springt er gut vier Wochen später am Rande des Hochsauerlandes zurück in den Kreis der Medaillenfavoriten.

„Wir haben unsere Planungen extra so gestaltet, dass wir den Springen im fernen Japan fernbleiben und dafür in Willingen einen Härtetest absolvieren“, erklärt Bundestrainer Werner Schuster. „Umso schöner ist es, dass Severin die Bestätigung erhalten hat, ganz nach vorne springen zu können.“

Freund möchte in Sotschi eine Olympia-Medaille gewinnen

Freund selbst bleibt in der Stunde des Erfolgs wie üblich bescheiden. „Mein Ziel ist es schon, um die olympischen Medaillen zu kämpfen, und ich habe ja dieses Wochenende gezeigt, dass ich das Potenzial dazu habe“, sagt er, um zu ergänzen: „Aber man muss auch ein bisschen Glück haben, weil die Konkurrenz so ausgeglichen ist.“

Skispringen Die Reise nach Russland tritt er unabhängig von seinen sportlichen Ambitionen mit „großen Augen“ an. Im Schwarzmeer-Ort wird der 25-Jährige seine ersten Olympischen Spiele bestreiten. „Die Vorfreude auf Sotschi steigt von Tag zu Tag. 2010 gehörte ich zwar zur Mannschaft, durfte aber nicht mit nach Vancouver fliegen“, erzählt er rückblickend.

Und fast scheint es, als liefen die Bilder vom damaligen Mannschaftsspringen, in dem die DSV-Adler die Silbermedaille gewannen, vor seinem geistigen Auge ab, als Freund erklärt: „Alle kamen mit leuchtenden Augen zurück. Das waren extrem beeindruckende Bilder.“ Er will in wenigen Tagen dafür sorgen, „dass sich solche Bilder wieder in den Köpfen verankern“.

Zwei olympische Medaillen als Ziel

Werner Schuster hört den Ausführungen seines Vorzeigespringers gerne zu und bestätigt das deutsche Ziel, jeweils im Einzel- als auch im Mannschaftswettbewerb eine Medaille holen zu wollen. „Mit dieser Mannschaft kann man erhobenen Hauptes nach Sotschi fahren“, sagt er zudem mit Blick auf seine restlichen Springer, unter denen Andreas Wellinger nicht nur nach den Plätzen zehn und acht in Willingen die Nummer zwei ist. Schuster warnt jedoch: „Wir dürfen uns nicht blenden lassen. Hier hat der eine oder andere Top-Athlet gefehlt.“

Wie dem auch sei. Wer am Samstagabend glaubt, selbst der zweite Platz von Severin Freund im ersten Springen werde in der Erinnerung durch die emotionale Verabschiedung von Martin Schmitt verblassen, sieht sich 24 Stunden später eines Besseren belehrt. Willingen wird mehr und mehr zur Show des guten Freundes Severin Freund.