Neheimer Jörg Scherf: „Tour de France ist der Wahnsinn“

Stippvisite in Berlin: Der Neheimer Jörg Scherf (links) und sein Geschäftspartner Heiko Volkert weilten in Berlin zur Präsentation des Teams „Giant Alpecin.“
Stippvisite in Berlin: Der Neheimer Jörg Scherf (links) und sein Geschäftspartner Heiko Volkert weilten in Berlin zur Präsentation des Teams „Giant Alpecin.“
Foto: WP
Die ARD berichtet wieder über die Tour de France ein. Wir haben mit Ex-Radprofi Jörg Scherf, Vorsitzender des RC Victoria Neheim, darüber gesprochen.

Neheim/Berlin..  Stippvisite in der Hauptstadt. Jörg Scherf, Ex-Rad-Profi und Vorsitzender des RC Victoria Neheim, weilte gestern in Berlin und nahm in der französischen Botschaft an der Team-Präsentation von „Giant Alpecin“ teil. Zur Mannschaft gehören unter anderem auch die beiden deutschen Topfahrer Marcel Kittel und John Degenkolb. Die Sauerland-Sportredaktion hat Jörg Scherf in Berlin telefonisch „erwischt“ und mit ihm über die Entscheidung der ARD, wieder über die der Tour de France live zu berichten, gesprochen. Dass auch Tour-Direktor Christian Prudhomme vor Ort, gefiel Scherf natürlich besonders.

Sportredaktion: Überrascht Sie die Ankündigung der ARD, wieder über die Tour de France zu berichten?

Jörg Scherf: Eigentlich nicht, da es lange überfällig ist. Die Tour ist der Wahnsinn. Für mich kommt da nichts dran. Die Zuschauerzahlen auf Eurosport waren gut, die deutschen Fahrer sammelten einen Erfolg nach dem anderen und die Tour ist mit der Fußball-WM und Olympia das größte Sportevent der Welt und das auch noch jährlich. Die „Anti-Tour-de-France“-Politik von ARD und ZDF war schon sehr oberlehrerhaft. Wenn es nur um die Dopingfrage ging, frage ich mich, warum dann Skilanglauf, Biathlon, Olympia oder Leichtathletik einfach weiter übertragen wurde und wird. Noch unverständlicher sind die Boxübertragungen für mich. Ein Klitschko ist Werbepartner der Nationalen Doping-Agentur, unterliegt aber nicht deren Bestimmungen und Trainingskontrollen. Boxen wird trotzdem übertragen und hochgejubelt. Eher albern. Das soll nichts im Radsport entschuldigen. Aber kaum ein anderer Verband geht so gegen Doping vor und deckt auch prominente Fälle auf wie der Radsportverband zur Zeit. Und das sollte doch belohnt werden, oder?

Werden Sie bei der Tour de France wieder vor Ort sein?

Sicher. Allein weil ich beruflich für unsere Agentur „SVL-Sports“ mit meinem Geschäftspartner Heiko Volkert vor Ort sein muss. Während wir zuletzt knapp die Hälfte aller Teams als Kunden hatten, freuen wir uns für 2015 einen noch größeren Anteil zu haben. Leider sehe ich dann wenig vom Rennen und treffe mehr die Team-Manager im Hintergrund. Da in diesem Jahr aber der Start im benachbarten Holland stattfindet, hoffe ich auch, privat etwas vom Rennen zu sehen. Vielleicht wünscht sich mein Sohn ja zum Geburtstag, beim Prolog dabei zu sein. Der fällt auf denselben Tag. Ich rede mal mit ihm nach dem Motto: Tour de France statt Lego!

Erwarten Sie einen Schub für das Cityrennen in Neheim?

Natürlich. Vielleicht auch etwas zeitversetzt für die kommenden Jahre. Wenn Andre Greipel, Marcel Kittel und Co. 2015 wieder so viele Erfolge einfahren wie zuletzt, gibt das hoffentlich wieder etwas mehr Schub in die Nachwuchsarbeit und natürlich auch noch mehr Aufwind für unser Rennen. Das hoffe ich nicht nur für unsere Veranstaltung. Toll wäre, die Tour de France mal wieder in Deutschland zu sehen. In vergangenen Juli waren in England Millionen von Menschen an den Straßen, was ich so noch nicht gesehen habe. Das wäre dann mal wieder ein echtes Highlight für den deutschen Radsportfan.