Interview mit Teammanager Jörg Scherf nach WM in Doha

War bei der Rad-WM in Doha ständig auf „Sendung“: Viel-Telefonierer Jörg Scherf. Der 40-jährige Ex-Radprofi ist Vorsitzender des RC Victoria Neheim und Manager des „Teams Sauerland NRW.“
War bei der Rad-WM in Doha ständig auf „Sendung“: Viel-Telefonierer Jörg Scherf. Der 40-jährige Ex-Radprofi ist Vorsitzender des RC Victoria Neheim und Manager des „Teams Sauerland NRW.“
Foto: SK
Was wir bereits wissen
  • Jörg Scherf: „Eine WM muss ja nicht immer am Berg entschieden werden“
  • „Deutsche Bilanz ist super – allerdings auch totaler Frust wegen der deutschen Männer“
  • Finale der Radsport-Bundesliga nicht im Sauerland – „Ordnen uns in der Saison ein“

Doha/Eslohe.. Sein Handy ist eigentlich immer eingeschaltet. Er ist stets auf „Sendung.“ Wir haben Jörg Scherf, Vorsitzender des RC Victoria Neheim, diesmal in Dubai erreicht. Der 40-Jährige aus Neheim hat auf seinen Weiterflug nach Doha gewartet. Das Ziel des Ex-Radprofis: die Rad-WM in Doha. Scherf ist unter anderem auch Manager des neugegründeten „Teams Sauerland NRW p/b Henley & Partners“ (Eslohe). Zwar sind die Radprofis aus dem Sauerland bei der WM (noch) nicht am Start gewesen, dennoch ließ sich Scherf die Chance, dabei sein zu können, nicht entgehen. Wir haben direkt nach dem Abschluss der Weltmeisterschaft ein Interview mit Jörg Scherf geführt.

Hallo Herr Scherf, sitzen Sie gerade im Schatten?

Nein, am Flughafen von Doha. Der Rückflug geht direkt am Abend, der Zeitplan war eng.

Welche Gründe haben dazu geführt, dass Sie in Doha live dabei waren?

Zum einen hatte ich mit meinem Kollegen Heiko Volkert einige Termine mit Team-Managern bezüglich unserer „SVL Sports GmbH“ und die WM war zum anderen super, um Kontakte zu Rennveranstaltern zu knüpfen. Seit Doha kennen uns die Organisatoren der Oman- und Katar-Rundfahrt, die „Tour of Azerbaijan“ hat ihre Einladung für 2017 bestätigt und an der „Tour of Japan“ sind wir jetzt auch nah dran. Alles Rennen auf World-Tour-Niveau und wichtig, um unsere ambitionierten Jungs zu entwickeln. Zu guter Letzt haben wir noch Gespräche mit dem Bund Deutscher Radfahrer wegen unserer geplanten Sauerlandrundfahrt geführt. Auch Toni Kirsch, Präsident des NRW-Radsportverbandes, war bei der Weltmeisterschaft in Doha vor Ort. Ihn treffen wir immer gern, da unser Radsport-Team dem Landesverband sehr nahe steht.

Hohe Temperaturen, flache WM-Strecke. Wie ist diese Kombination angekommen?

Bei mir super. Das Rennen war total spannend. Action schon früh im Rennen, da der Wind alles durcheinander gewirbelt hat. Ich selbst bin einmal Rennen in Marokko und Libyen gefahren und wusste ungefähr, was die Jungs erwartet. Eine WM muss ja nicht immer am Berg entschieden werden.

Gähnende Leere bei den Rennen im Zielbereich und an der Strecke. Wie beurteilen Sie dieses Szenario als Ex-Radprofi?

Stopp, so schlimm war es nicht! Zum Finale hin kamen die Zuschauer an die Zielgerade. Ich stand kurz vor der Ziellinie und es war etwas los. Natürlich nicht soviel wie bei einer Weltmeisterschaft in Europa, aber ich finde solche Events in fernen Ländern immer schön. Und wenn man es nüchtern sieht, boxt der Papst in den Nachwuchsklassen bei anderen Weltmeisterschaften auch nicht gerade immer im Kettenhemd.

Wie bewerten Sie die deutsche WM-Bilanz?

Die Bilanz ist super! So viele deutsche Erfolge gab es lange nicht. Allerdings auch totaler Frust wegen der deutschen Männer. Leider haben sie den Zug vorn verpasst und André Greipel wurde bei den Verfolgern dummerweise kaum unterstützt. Schade. Ihm hätten wir es gegönnt!

Welche Leistung hat Sie am meisten beeindruckt?

Die von Peter Sagan! Einen Weltmeistertitel zweimal in Folge zu holen, ist etwas Seltenes und Besonders. Dazu fährt er 2017 im deutschen Bora-Hans-Grohe-Team. Das ist mal was für den deutschen Radsport!

Sie sind Manager des „Teams Sauerland NRW p/b Henley & Partners“, das seine erste Radsport-Saison bestritten hat. Haben Sie während der WM möglicherweise Anregungen für Ihre Arbeit mit ihren Nachwuchsfahrern erhalten?

Klar! Wenn man sieht, dass Aaron Grosser kommendes Jahr als Nationalfahrer Chancen hat, zur Weltmeisterschaft zu fahren, hat uns das ganze Flair in Doha doppelt motiviert. Wir geben alles, um ein paar unserer Jungs hochzubekommen.

Mal ehrlich, haben Sie im Rahmen Ihres Aufenthaltes in Doha Gespräche mit möglichen Neuzugängen geführt?

Ja. Das wären aber alles Kandidaten für 2018. Für das Jahr 2017 ist schon alles fix.

Ist ein Start eines Fahrers aus dem Sauerland-Team bei der WM ein realistisches Ziel?

Na, logo. Und wenn man sieht, dass Aaron bei der diesjährigen Oder-Rundfahrt schon einmal schneller wie Pascal Ackermann, der in Doha die Silbermedaille beim U23-Rennen gewonnen hat, war, sollte das sehr realistisch sein.

Es ist im Gespräch, dass das Finale der Radsport-Bundesliga im nächsten Jahr im Sauerland durchgeführt werden soll. Wie ist der aktuelle Stand der Planungen?

Es wird nicht das Finale. Das ist fest am Bielster Berg. Wenn alles klappt, ordnen wir uns in der Saison ein. Dazu gibt es mehrere Ideen und in Kürze neue Informationen.