Große Sprünge - auch nach dem Karriereende

Willingen..  Dieses irre Gefühl und dieser wahnsinnige Ausblick sind für David Winkler unbezahlbar. Oben auf dem Bakken der Mühlenkopfschanze zu sitzen und sich auf den bevorstehenden Sprung vorzubereiten, während unten im Tal die Zuschauermassen im Takt der Disco-Musik tanzen und ihre Fahnen schwenken. „Die Stimmung hier ist wirklich einfach genial“, sagt der Athlet des SK Winterberg grinsend, „denn die Willinger verstehen es, Skispringen und Party machen zu verbinden.“

Winkler genießt die Atmosphäre

Winkler gehört zwar nicht zum deutschen Weltcup-Team, welches beim Kult-Weltcup im hessischen Upland für schwarz-rot-goldenen Jubel sorgt, doch er darf in dessen Bugwelle die Atmosphäre und ein wenig auch die Euphorie um Severin Freund und Co. genießen. David Winkler ist einer der Vorspringer, welche den Stars den Anlauf bereiten und die Flugbedingungen testen.

Bis zum Ende der vergangenen Saison erhoffte sich auch der Sauerländer, irgendwann den Sprung zu den Weltbesten seiner Sportart zu schaffen. Er tourte im Continentalcup über die Schanzen, doch der Durchbruch wollte einfach nicht gelingen. „Und als ich mich im vergangenen Sommer nicht mehr für den B-Kader qualifizieren konnte, habe ich meine aktive Karriere beendet“, erzählt David Winkler gut gelaunt im Auslauf der Mühlenkopfschanze. Zumal er ohne diesen Kaderstatus von seinem Arbeitgeber, der Bundespolizei, nicht mehr für den Sport freigestellt wurde.

Je nach Anlauflänge springt er in Willingen, am Rande seiner Heimat, bis zu 125 Meter und befindet sich damit auf Augenhöhe zu manchem ausländischen Weltcup-Starter. Winkler hat dennoch seinen Frieden mit dem Karriere-Ende geschlossen. „Ich kann hier ohne Druck springen und alles einfach nur genießen“, sagt er. Willingen ist nicht seine erste und einzige Station in dieser Weltcup-Saison. In Titisee-Neustadt wird der 25-Jährige, der seit 2007 in Kempten im Allgäu lebt, auf der Schanze sein – und hoffentlich auch auf der neuen im slowenischen Planica.

Training mit den Stars der Szene

„Ich kennen die Jungs ja alle, weil ich teilweise mit ihnen zusammen trainiert habe“, erzählt Winkler über sein Verhältnis zu den deutschen Adlern. Während sie sich im vergangenen Sommer akribisch auf die Saison vorbereiteten, blieb ihm erstmals Zeit für andere Hobbys. „Ich bin oft Mountainbiken gewesen“, sagt Winkler, „und habe den Park in Winterberg dabei ziemlich vermisst.“

Seine ersten Sprünge auf der Mühlenkopfschanze „seit dem Schülerbereich“ kann er sich hingegen immer wieder anschauen, wenn der Wehmut zu groß wird - auf seinem Helm klebt eine kleine Kamera, die jedes Detail aufzeichnet. Auch den Ausblick vom Bakken. Nur das irre Gefühl dort oben nicht.