Das ungewöhnliche Trainerteam des RC Sorpesee

Julian Schallow (links) und Linus Tepe, das Trainergespann des RC Sorpesee.
Julian Schallow (links) und Linus Tepe, das Trainergespann des RC Sorpesee.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Im Volleyball in der 3. Liga mit einem Taktiktrainer anzutreten, ist ungewöhnlich. Doch der Erfolg gibt den Damen des RC Sorpesee recht: Neben Trainer Julian Schallow werden die jungen, sehr erfolgreichen Damen, von Linus Tepe gecoacht. So gut, dass der Aufsteiger als Herbstmeister am Wochenende in die Rückrunde startet.

Sundern.. Das Volleyballfeld in der Sporthalle Sundern ist 18 Meter lang und neun Meter breit. Doch für Linus Tepe misst es gerade 45 x 30 Zentimeter. Vor die Kritzeleien des Taktikbretts hält er eine Hand, seine Finger formieren sich zu einem Spielzug, den nur seine Spielerinnen verstehen und die Gegnerinnen sowieso nicht sehen können. Tepe ist Co-Trainer, genauer Taktiktrainer des RC Sorpesee, einer Frauen-Mannschaft in der 3. Liga. Er ist Teil eines einzigartigen Trainerteams. Und einer Mannschaft, die auch dank ihm eine erstaunliche Erfolgsgeschichte schreibt.

Um Linus Tepe zu verstehen, sollte man wissen, dass er Jurist ist. Er analysiert gerne, er sieht die Dinge logisch und will nichts dem Zufall überlassen. Alles durchplanen. Tepe ist 34, hat leicht gräuliche Haare und trägt Brille. Volleyballtrainer ist er nur im Nebenberuf, dafür aber mit voller Hingabe. Wenn sein Arbeitstag als promovierter Verwaltungsjurist der Stadt Münster vorbei ist, tauscht er den Schlips gegen den Trainingsanzug, den Aktenordner gegen das Taktikbrett. Er hat selber mal gespielt, „aber das ist schon lange her“.

Beim RC Sorpesee wird Tepe „Doktor Durchblick“ genannt. Er hilft dabei, das junge und unerfahrene Team des RC auf die Gegner in der 3. Liga vorzubereiten, während des Spiels gibt er die Spielzüge vor. Mit Erfolg. Mit sieben Siegen aus neun Spielen stehen die Sauerländer Volleyballerinen auf Platz eins der Liga. Als Aufsteiger.

„Ich glaube nicht, dass andere Teams in der Liga Taktiktrainer haben, die jedes Mal mit dabei sind“, meint Tepe, während Cheftrainer Julian Schallow sagt: „Wir sind als Trainerteam ein Unikat.“ Davon profitieren die Spielerinnen. Sie brauchen sich keine Gedanken um komplexe Taktiken zu machen, ein Blick zur Trainerbank genügt. „Dadurch kriegen sie den Kopf frei“, sagt Tepe. Gerade beim Aufschlag ist sein Rat gefragt. Der 34-Jährige sucht nach Schwachstellen beim Gegner. „Ich schaue, wo das andere Team Probleme hat. Dorthin sollte dann der Aufschlag fliegen.“

Der Gegenpart

Um Cheftrainer Julian Schallow zu verstehen, muss man nicht wissen, dass er Wirtschaftsingenieur ist. Schallow tobt an der Seitenlinie, dort ist er eins mit dem Spiel. Der 31-Jährige ist der emotionale Part des Trainerteams. „Für einen Ingenieur bin ich sehr impulsiv“, lacht Schallow, der selbst in der Freizeit aktiv ist, wenn es die Zeit erlaubt. Während Tepe kühl und überlegt klingt, haut Schallow gerne einen Spruch raus. „Das Wunder von Cloppenburg ist vollbracht“, sagte der Coach ergriffen nach einem Sieg beim TV Cloppenburg, mit dem sich die Volleyballerinen die Herbstmeisterschaft gesichert haben. Schallow schwärmt von seinem Kader. Alle Spielerinnen kommen aus der eigenen Vereinsjugend, sie sind „fünf bis sechs Jahre jünger als der Liga-Durchschnitt“. Er ist stolz auf seine Talente aus der Region. Auf Mädchen wie Michelle Henkies, die mit gerade mal 15 Jahren schon in der 3. Liga aufläuft. Er ist stolz auf die Heimzuschauer, 300 sind es mittlerweile im Schnitt pro Partie. Vor zwei Jahren kamen pro Spiel gerade einmal 30.

Neun Spiele hat der RC Sorpesee nun noch vor sich, und es stellt sich die Frage: Würde man den nächsten Aufstieg wagen? „Wir haben doch gerade mal neun Spiele absolviert. Es kann noch so viel passieren“, lacht Tepe. „Wir müssten uns dann wie vor dieser Saison zusammensetzen und überlegen, ob es machbar ist“, sagt Schallow hingegen.

Am Ende käme es wohl darauf an, ob der Kader qualitativ verstärkt werden könnte. Denn an den Strukturen im Klub sollte ein Aufstieg nicht scheitern. Und am Trainerstab erst recht nicht „Was das angeht“, sagt Schallow, „sind wir sicher weiter als manche Zweitligisten.“