Eine Rückkehr mit neun Jahren Anlauf

Winterberg..  Ein langer Weg war es, bis endlich feststand: Am 14. März fechten die 100 weltbesten Raceboarder ihren Parallel-Slalom im Sauerland aus – dieses Mal sogar das Finale. Aber für diese Rückkehr des Weltcups nach neun Jahren haben die Winterberger hart gekämpft. Dass es zudem einmal wieder einen Big-Air-Contest in Winterberg geben wird, schließt der Verband nicht aus.

Conti-Cup, Sommer Grand Prix, Timbersports, Alpencups… Der Skiklub Winterberg als Veranstalter blickt auf eine lange Reihe erfolgreich umgesetzter Events zurück. Eine sehr gute Reputation hat er sich dabei erworben, in Verbandskreisen schätzen die Verantwortlichen die Zuverlässigkeit und Erfahrung der Winterberger Ausrichter. Kein Wunder also, dass der Verein um den damaligen Skiklub-Vorsitzenden Rainer Berkenkopf bald gefragt wurde, ob er sich vorstellen könne, auch einen alpinen Weltcup auszurichten. Nicht nur die gute Organisation, sondern auch die Nähe zu den Ballungsräumen im Ruhr-, Rhein- und Maingebiet ließen Hoffnungen auf gut besuchte Großveranstaltungen keimen.

Ein Ortstermin war schnell gefunden. Der Snowboard Verband Deutschland nahm die nördlichste deutsche Wintersportdestination in Augenschein – und befand sowohl Infrastruktur als auch Pisten für gut. Die Verantwortlichen, allen voran der damalige FIS-Rennleiter Alex Höller, konnten sich gut vorstellen, Winterberg auf den Weltcupkalender zu setzen. Und zwar mit einem Parallel-Slalom und – damals schon als absolutes Highlight – einem Big Air Contest.

Ein finanzieller Kraftakt

„Das bedeutete viel Arbeit für uns“, erinnert sich Rainer Berkenkopf. „Wir mussten mehrere tausend Kubikmeter Erde anfahren um den großen Big-Air-Hügel am Fuß der St. Georg Schanze aufzubauen und oben darauf noch ein Holzgerüst. Alles nach Weltcup-Standards.“ Ein echter Kraftakt, auch finanziell. Darum war das Stattfinden des Weltcups ursprünglich auf fünf Jahre angedacht.

Im Februar 2005 war es dann soweit, die Snowboardszene war erstmals aufgerufen nach Winterberg zu pilgern. Die Veranstalter rechneten im eigentlich schneesichersten Monat mit besten Wintersportverhältnissen. Doch: „Das war eine echte Zitterpartie“, erinnert sich Berkenkopf. Erst wenige Tage vor der Veranstaltung setzte Winterwetter ein wie im Bilderbuch. Die Schnee-Erzeuger liefen auf Hochtouren – und die Veranstaltung wurde ein voller Erfolg. Ein Partyzelt samt dem heute noch angesagtem Techno-DJ Moguai lockte tausende junge Zuschauer zur After-Show. „Ich glaub, wir waren damals eine Art Tendsetter in den deutschen Mittelgebirgen“, schmunzelt Berkenkopf. Im Jahr darauf schrumpfte das Angebot dennoch auf den Big-Air-Contest zusammen.

Danach wechselten die Verantwortlichen beim Internationalen Skiverband. Der damalige Rennleiter, der sich für die Ausrichtung in Winterberg stark gemacht hatte, war nicht mehr im Amt. Eine neue Philosophie hielt Einzug. Der Verband wollte den Sport zu den Menschen tragen. Und das bedeutete, große Events künftig in den Großstädten stattfinden zu lasen – auch wenn dies mit enormen Kosten verbunden war…

Umdenken beim Verband

Neun Jahre später steht nun wieder ein Weltcup an. Denn spätestens seit dem guten Abschneiden der Raceboarder bei der WM 2013 mit drei Medaillen, darunter der Titel für Isabella Laböck, hat der deutsche Verband vermehrt seine Fühler ins Hochsauerland ausgestreckt. „Wir wollen in Deutschland wieder präsenter sein. Das schulden wir nicht nur unseren Athleten. Auch der Sport an sich hat es verdient, in einem für seine erfolgreichen Wintersportler bekannten Land ausreichend präsentiert zu werden”, erklärt Sportdirektor Stefan Knirsch.

Umso mehr, seit die alpinen Snowboarder 2014 in Sotschi mit Silber für Anke Karstens und Bronze für Amelie Kober nachgelegt und so auch Begehrlichkeiten geweckt haben. Die deutsche Medienlandschaft begleitet die Athleten jetzt umfangreicher, sodass für Knirsch klar ist: „Unsere Planungen sind langfristiger Natur. Wir haben endlich wieder zwei deutsche Weltcup-Ausrichter. Das wollen wir gerne beibehalten.”

Dass Winterberg in dieser Zukunftsvision eine entscheidende Rolle spielt, betont Verbandspräsident Michael Hölz: „Gerade Winterberg steht im Wintersport ja sehr gut dar, und aufgrund seiner Lage ist Winterberg ideal, die Snowboardfans in diesem Teil Deutschlands anzusprechen.”

„Nach der Snowboard-WM 2013 haben wir einen überraschenden Anruf aus München bekommen“ bestätigt Winterbergs Tourismusdirektor Michael Beckmann. Der Snowboard Verband und die FIS wollten wissen, ob noch Interesse an einem Weltcup bestünde. Seitdem haben die Verantwortlichen in vielen Gesprächen die Weichen gelegt. „Diese einmalige Chance auf eine unglaublich profilierende Veranstaltung konnten wir uns nicht entgehen lassen“, ist Beckmann überzeugt.