Lisicki und Petkovic eine Runde weiter
01.09.2010 | 18:36 Uhr 2010-09-01T18:36:00+0200
New York.Beide besiegten bei den US Open ihre Zweifel: Sabine Lisicki bezwang die US-Amerikanerin Coco Vandeweghe, Andrea Petkovic setzte sich gegen die Russin Nadja Petrowa, Nummer 16 der Weltrangliste, durch.
Selbst spät am Abend war es noch schwül, ein paar Hundert Zuschauer im Louis-Armstrong-Stadium und nebenan auf dem Grandstand kämpften in der Backofenhitze gegen die Müdigkeit, und in die Geräusche des Spiels mischte das Quietschen und Rattern der Züge vom nahe gelegenen Rangierbahnhof. Von Idylle keine Spur, aber Sabine Lisicki und Andrea Petkovic hätten an diesem Abend keinen Ort schöner finden können. Die eine drehte nach dem Sieg eine eleganten Pirouette, die andere packte ihre Freude in Hip-Hop-Schritte, und beiden ging es so gut wie lange nicht mehr.
Für Sabine Lisicki war das Spiel gegen die US-Amerikanerin Coco Vandeweghe (6:1, 6:0) der erste Auftritt bei einem Grand-Slam-Turnier seit mehr als einem halben Jahr. Wegen einer Knöchelverletzung hatte sie sich im Frühjahr sechs Wochen lang an Krücken durch die Welt geschleppt. Während die anderen in Paris und in Wimbledon spielten, wagte sie nur selten einen Blick auf das Geschehen, um nicht noch mehr an die erzwungene Auszeit erinnert zu werden. Als der Gips dann runter war, fühlte es sich so an, als existiere die linke Wade überhaupt nicht mehr; kraftlos, ohne Muskeln.
Sie machte den Fehler, die Dinge zu forcieren, arbeitete mit doppelter Anstrengung daran, fit zu werden. Aber der Körper akzeptierte nur das eigene Tempo; ein paar Mal musste die Rückkehr zum Tennis verschoben werden.
An diesem schwülen Abend bei den US Open passte nun endlich wieder alles zusammen. Noch nicht auf die gleiche Art wie zu ihrer besten Zeit 2009 beim Turniersieg in Charleston und ein paar Wochen später in Wimbledon, in der sie auf Platz 22 der Weltrangliste gelandet war. In Queens war ihres kompromissloses, dynamisches Spiel wieder zu erkennen. Sabine Lisicki genoss das Gefühl; sie kam sich vor, als wäre sie nach einer langen Reise nach Hause gekommen: „Es ist sooo schön, wieder dabei zu sein“.
Andrea Petkovic schwärmt anders; lauter, knalliger. Pink und Purpur sind die Farben, in denen sie dieser Tage Tennis spielt, und obwohl sie am Anfang fand, die Kombination dieser Farben sei ein wenig gewöhnungsbedürftig, passen sie zu ihr. Beim Sieg (6:2, 4:6, 7:6) gegen die Russin Nadja Petrowa, Nummer 16 der Weltrangliste, kämpfte sie sich zurück ins Spiel und griff dabei auf Erfahrungen zurück. „Ich hab viele enge Duelle in diesem Jahr gegen Topspielerinnen verloren. Eine meiner größten Stärken ist, dass ich aus Fehlern lerne.“
Als sie nach einem souveränen Auftakt in Schwierigkeiten geriet, ließ es sich gar nicht vermeiden, an jenes Spiel bei den French Open zu denken, in dem sie vier Matchbälle vergeben hatte. Aber diesmal spürte sie in den kniffligen Momenten keine Nervosität, sondern sog Kraft aus dem Gedanken, bereit für die Herausforderung zu sein. „Ich wusste, wenn ich verliere, dann muss sie mich schlagen; ich werde ihr das Spiel nicht geben.“ Sie brauchte zweieinhalb Stunden, feuerte sich an und zum Klang der quietschenden Züge hinter dem Stadion lenkte sie den „Petko-Express“ auf das richtige Gleis.
Von dort aus wird er zur nächsten Runde mit dem Spiel gegen Bethanie Mattek-Sands wieder starten. Das sieht auf den ersten Blick nach einer lösbaren Aufgabe aus, denn die US-Amerikanerin steht in der Weltrangliste weit hinter ihr. Aber Petkovic weiß, dass es nicht leicht sein wird, die Konzentration zu halten. An der Inspiration für ein paar neue Tanzschritte nach dem Sieg soll es nicht scheitern. „Da gibt’s eine neue, hippe Indie-Band, „The Drums“, sagt Deutschlands rockigste Tennisspielerin, „müsst ihr euch anhören.“ Wird gemacht.

0mitdiskutieren