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Lisicki, die kleine Rampensau

30.06.2011 | 11:43 Uhr
Lisicki, die kleine Rampensau

London.  Sabine Lisicki trifft heute im Halbfinale von Wimbledon (etwa 16 Uhr/live im DerWesten-Ticker) auf Maria Scharapowa. Die 21-Jährige ist die erste deutsche Tennisspielerin seit Steffi Graf, die die Runde der letzten Vier erreicht hat.

Irgendwie ist in diesem Sommer alles ein bisschen anders. Die deutschen Fußball-Frauen schreiben an einem neuen Sommermärchen und verdrängen die kickenden "Kerle" aus den Schlagzeilen. Und auch Wimbledon-Legende Boris Becker ist als TV-Experte nur eine Randerscheinung, während Sabine Lisicki in seinem früheren "Wohnzimmer" für ein Wunder sorgt.

Die junge Berlinerin mit dem blonden Pferdeschwanz steht als erste Deutsche seit Steffi Graf vor zwölf Jahren im Halbfinale der All England Championships, in dem sie (im Anschluss an das 14 Uhr-Match Wiktoria Asarenka - Petra Kvitova live im DerWesten-Ticker) gegen Maria Scharapowa "als krasse Außenseiterin auf den Court gehen wird, aber auch völlig unbeschwert und deshalb keineswegs ohne Chance", wie Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner glaubt.

Bloß nicht die "G-Frage"

Alles ist möglich, nichts ist verboten. Nur eine Frage darf nicht gestellt werden: die "G-Frage". Die ist tabu. Darin ist sich die 21-Jährige mit Andrea Petkovic und Julia Görges einig. Den ewigen Vergleich mit der siebenmaligen Wimbledonsiegerin Steffi Graf, die 1996 zum letzten Mal an der Church Road triumphierte, können sie nicht mehr hören. "Wir verehren sie sehr. Aber ihre 22 Grand-Slam-Siege wird niemals mehr jemand schaffen", erklärte Julia Görges vor kurzem nach einem Show-Match mit Steffi Graf in Halle.

Die "G-Frage" ist auch wirklich nicht so interessant, findet Rittner, die sich seit Wochen schon wie im sportlichen Schlaraffenland fühlt. "Wahnsinn, immer kommt eine durch", sagte sie im Gespräch mit der Nachrichtgenagentur dapd. Görges in Stuttgart, Petkovic in Straßburg - und jetzt in Wimbledon Sabine Lisicki, die schon mit ihrem Sieg im Vorbereitungsturnier in Birmingham aufhorchen ließ. "So macht die Arbeit einfach mehr Spaß - ist doch klar." Ein herrlicher Stress sei es, in der Box neben Vater Richard und Mutter Elisabeth Lisicki zu sitzen.

Sabine Lisickis Triumphzug in Wimbledon

Rittner findet es irre, wie sich die "Biene" in die Weltelite zurück gekämpft hat, nach dem Bänderriss und den Komplikationen danach. Und wie sie jedes Mal aufblüht auf dem Heiligen Rasen, den sie "so liebt". Diese zusätzliche Motivation bekamen schon French-Open-Siegerin Li Na und in Lisickis zweiten Wimbledon-Viertelfinale nach 2009 Marion Bartoli aus Frankreich zu spüren, die als Finalistin 2007 schließlich auch keine Laufkundschaft ist.

"Das ist Gänsehaut-Feeling. Da muss ich schon aufpassen, dass nicht auch bei mir die Tränen fließen", sagte Rittner. Dabei hätte sie allen Grund, ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Auf diese Momente hat auch die Fed-Cup-Trainerin lange warten müssen. Nicht nur einmal sei sie belächelt worden, erzählt sie, "weil ich immer an meinen jungen Spielerinnen festgehalten habe".

Julia zu hübsch, Andrea zu schlau, Sabine zu oft verletzt

Dabei gab es nicht wenige, die einen Durchbruch des Trios für undenkbar hielten. "Julia sei zu hübsch, Andrea zu schlau und Sabine viel zu oft verletzt", hätten die Kritiker gesagt. Still sind sie geworden - mucksmäuschenstill. Eine Genugtuung für Rittner, die man ihr gönnt, vor allem angesichts der Ignoranz des Deutschen Tennis Bundes, der auch den Höhenflug von Sabine Lisicki zu verschlafen droht.

Jetzt also Maria Scharapowa, die 2004 Wimbledonsiegerin war. Kann das überhaupt klappen? "Na klar", sagte Rittner. Wenn sie es schaffe, das Kommando zu übernehmen, dominant zu sein, könne die mit einer Wildcard gestartete Lisicki auch die in den USA lebende Russin bezwingen. Aber natürlich darf sie sich nicht vom lauten Kreischen der Tennis-Diva beeinflussen lassen, so wie in Miami dieses Jahr, als sie im einzigen Vergleich mit der Weltranglisten-Sechsten 2:6, 0:6 unterging.

"Sabine muss aufschlagen wie gegen Li Na", meinte Rittner und "sie muss über sich hinauswachsen" - ganz einfach. Angst vor der Aufgabe oder der großen Kulisse hat Sabine Lisicki jedenfalls nicht. "Sie ist eine kleine Rampensau", erzählte Rittner und schob umgehend hinterher: "Das meine ich ganz liebevoll." Große Auftritte liebt die Berlinerin, die allerdings nur noch sehr selten in Hauptstadt ist, nun mal besonders.

Sie liebt den großen Auftritt

Die große Lockerheit hat Tennis-Guru Nick Bollettieri, in dessen Akademie in Florida Lisicki gedrillt wurde, bei ihr aber noch nicht entdeckt. Sie sei weit entfernt davon, entspannt zu sein, schrieb er in der britischen Tageszeitung "Guardian". Es sei alles Training, Training, Training, aber sie bemühe sich um einen eleganteren Stil.

Ein lockeres Training mit Vater Richard, noch ein Auftritt mit ihrer australischen Freundin Samantha Stosur im Doppel und dann am Donnerstag das größte Match ihrer Karriere - da könnte man schon nervös werden. Nicht so Sabine Lisicki. "Sie kann herrlich abschalten und schläft auch vor so einem wichtigen Spiel ganz ruhig - beneidenswert", sagte Rittner. Warum auch nicht, meint Sabine Lisicki: "Ich finde es schön, im Rampenlicht zu stehen. Das passt irgendwie zu mir." (dapd)

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Kommentare
30.06.2011
15:57
Lisicki, die kleine Rampensau
von volantis | #2

Also der Ausdruck Rampensau paßt doch besser zur Blöd-Zeitung oder DSDS und sonstigem Schwachsinn.

30.06.2011
15:38
Lisicki, die kleine Rampensau
von holmark | #1

Für diese sympathische und klasse Sportlerin finde ich die Bezeichnung Rampensau deplaziert. Aber für die redaktionellen Leistungen gibt es ja keine Moderation...

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