Lisicki bleibt weitere Sternstunde verwehrt
05.09.2011 | 10:31 Uhr 2011-09-05T10:31:45+0200
New York. Die deutsche Tennisspielerin Sabine Lisicki hat den Einzug ins Viertelfinale der US Open in New York nicht geschafft. Die Fed-Cup-Spielerin aus Berlin verlor gegen die Weltranglistenzweite Wera Swonarewa.
Im Rampenlicht von New York blieb Sabine Lisicki eine weitere Sternstunde verwehrt: Ausgerechnet bei ihrem ersten Abendspiel im größten Tennisstadion der Welt versagte die stärkste Waffe der 21-Jährigen. „Vom Anfang bis zum Ende habe ich keinen Rhythmus bei meinem Aufschlag gefunden. Das ist umso enttäuschender, weil die Atmosphäre einfach toll war“, sagte Lisicki nach ihrer 2:6, 3:6-Niederlage gegen die Weltranglistenzweite Wera Swonarewa (Russland) im Achtelfinale der US Open in New York.
"Meine Zeit wird noch kommen."
Doch bereits kurz vor Mitternacht ging für die Berlinerin die Sonne wieder auf. „Ich kann schon stolz auf das sein, was ich in den letzten Monaten erreicht habe“, sagte die Nummer 18 der Welt selbstbewusst und schickte gleich noch eine deutliche Ansage hinterher: „Ich werde weiter hart arbeiten, meine Zeit wird noch kommen.“
Damit verpasste es Lisicki, der Kielerin Angelique Kerber in die Runde der letzten Acht zu folgen. Am Montag hatte noch Andrea Petkovic (Darmstadt) ihre Chance. Zuletzt hatten beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres 1987 zwei deutsche Spielerinnen (Graf und Kohde-Kilsch) im Viertelfinale gestanden.
Die vergangenen drei Monate waren die erfolgreichsten in der bisherigen Karriere von Sabine Lisicki. Seit Mitte Juni hatte die Fed-Cup-Spielerin zwei Turniersiege (Birmingham und Dallas) verbucht und war ins Halbfinale von Wimbledon eingezogen. „Damit hatte ich nicht gerechnet, da habe ich ein gutes Tempo hingelegt. Man sieht, dass es Schritt für Schritt vorangeht“, sagte die mental und physisch erschöpfte Lisicki, die sich jetzt erst einmal auf eine Auszeit freut, ehe es in Asien in die letzte Saisonphase geht.
Die theoretische Chance auf die Teilnahme am Masters der besten acht Spielerinnen des Jahres Ende Oktober in Istanbul hat Lady-Gaga-Fan Lisicki durch den Achtelfinal-K.o. von New York wohl eingebüßt. Trotzdem ist sie inzwischen eine der heißesten Kandidatinnen auf den Sprung in die Top Ten. Aus ihrer sechsmonatigen Pause wegen einer Sprunggelenkverletzung im vergangenen Jahr hat die Bollettieri-Schülerin rückblickend die richtigen Schlüsse gezogen: „Ich kann das alles jetzt mehr genießen und weiß es mehr zu schätzen.“
Total nervös
Ein Genuss war der 67-minütige Auftritt im Arthur-Ashe-Stadium gegen Swonarewa für die deutsche Nummer zwei allerdings nicht. Nur 40 Prozent der ersten Aufschläge kamen, zudem setzte Lisicki offenbar die Kulisse mit rund 14.000 Zuschauern mehr zu als erwartet. „Schon beim Einspielen hat man gemerkt, dass Sabine total nervös war. Das war einfach nicht ihr Tag“, sagte Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner. Dabei hatte sie Lisicki wegen ihrer Vorliebe für die große Bühne kürzlich noch als „Rampensau“ bezeichnet.
Die Frau für die Rekorde bleibt derweil Sam Stosur. Zwei Tage, nachdem die Australierin gegen die Russin Nadja Petrowa das bislang längste Frauen-Match der US-Open-Ära (3:16 Stunden) bestritten hatte, war sie am punktreichsten Tiebreak der Flushing-Meadows-Historie beteiligt. Die letztjährige French-Open-Finalistin Stosur besiegte Maria Kirilenko (Russland) mit 6:2, 6:7 (15:17), 6:3 und trifft nun auf Lisicki-Bezwingerin Swonarewa, für die sie eine Art Angstgegnerin ist. Die letzten sieben der insgesamt neun Matches zwischen den beiden hat Stosur gewonnen.
Vier Lokalmatadoren im Achtelfinale
Seine Titelambitionen unterstrich der Weltranglistenvierte Andy Murray. Der Melbourne-Finalist besiegte den Spanier Feliciano Lopez mit 6:1, 6:4, 6:2. Cincinnati-Gewinner Murray, der in der Runde der letzten 16 auf den Amerikaner Donald Young trifft, könnte als erster Brite seit Fred Perry 1936 wieder ein Grand-Slam-Turnier gewinnen.
Die Träume vom zweiten US-Open-Titel nach 2009 musste Juan Martin Del Potro begraben. Der an Nummer 18 gesetzte Argentinier, der im vergangenen Jahr wegen der Folgen einer Handgelenk-Operation nahezu komplett pausiert hatte, verlor 6:4, 6:7 (5:7), 2:6, 6:7 (3: 7) gegen Gilles Simon. Der Franzose trifft nun im Achtelfinale auf John Isner. Der 2,06 Meter große Schlaks aus Florida gewann das US-Duell gegen Alex Bogomolov mit 7:6 (11:9), 6:4, 6:4. Vier Lokalmatadoren im Achtelfinale der US Open hat es seit 2003 nicht mehr gegeben. Damals gewann Andy Roddick als bislang letzter Amerikaner das „Heimspiel“. (sid)

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