Über Stock und Stein
18.11.2007 | 16:26 Uhr 2007-11-18T16:26:00+0100Mülheim/Ruhr. Normalerweise galoppieren auf der Rennbahn im Mülheimer Stadtteil Speldorf pfeilschnelle Rassepferde um die Wette. Beim 5. Rennbahn-Cross-Lauf von Marathon Mülheim schauten die Vierbeiner allerdings nur zu.
Die Ohren gespitzt, die Nüstern gebläht – neugierig lugten die Pferde aus ihren Boxen hinüber zu dem seltsamen Treiben auf "ihrer" Bahn: Insgesamt rund 200 (Hobby-)Läufer waren da an den Start gegangen und kämpften sich über Gras, Sand und Strohballen ins Ziel, entweder beim 8000 Meter-Hauptlauf oder beim Jedermannlauf über 4000 Meter.
Angefangen hat alles vor fünf Jahren. Damals hatte Peter Degener von Marathon Mülheim einen seiner ganz großen Träume verwirklicht: "Ich habe mir immer vorgestellt, auf der Mülheimer Rennbahn einen Cross-Lauf zu organiseren."
Denn der Ursprung der Cross-Läufe liege auf der Rennbahn. "Dort liefen früher die Aktiven, die nicht auf den Bahnen in den Stadien an den Start gingen", erklärt Degener.
Schließlich habe er einfach die Verantwortlichen der Rennbahn angesprochen - und bald kam man ins Gespräch.
Am Sonntag wurde der Rennbahn Cross-Lauf zum fünften Mal gestartet. Nachdem der Hauptsponsor der Laufveranstaltung, ein Mülheimer Energieversorger, abgesprungen ist, steht die Zukunft der Veranstaltung aber in den Sternen: "Ich möchte gerne weitermachen" stellt Degener klar. Ohne Finanzspritze sei dies allerdings schwierig. Degener will sich daher in Ruhe entscheiden: "Ich muss da erstmal Bilanz ziehen."
Für die vier Kilometer hatte sich auch DerWesten-Bloggerin Inga Böge-Krol gemeldet. Und – was ist für sie persönlich der größte Unterschied zwischen einem Straßen- und einem Cross-Lauf? "Die Beine werden einem ganz schön schwer", erklärt Böge-Krol, "Du bleibst dauernd im Boden stecken, und Deine Schuhe saugen sich mit Matsch voll."
Und Martin Jansen, der normalerweise "eher auf Asphalt" unterwegs ist und beim Cross-Lauf in rund 17 Minuten ebenfalls die kleine Strecke hinter sich gebracht hatte, fügt hinzu: "Die Muskeln werden komplett anders belastet, so ein Boden geht ganz schön in die Oberschenkel."
Nicht schnell, aber anstrengend
Anstrengend ist so ein Cross-Lauf: Jahresbestleistungen dürfen die Aktiven auf den Strecken über Stock und Stein nicht erwarten. Dafür, sagt Vanessa Bauch von Marathon Mülheim, sei ein Cross-Lauf das beste Training vor allem für nachfolgende Langzeit-Wettkämpfe. "Man stärkt andere Bereiche der Muskulatur als zum Beispiel beim Laufen auf der Straße."
Trotzdem gehören Cross-Läufe nicht zu den beliebtesten Wettkampf-Veranstaltungen. "Weil viele befürchten, sich auf der Strecke zu verletzen", weiß Bauch. Ganz ungefährlich ist ein Run durch Matsch und über hügeligen Untergrund tatsächlich nicht. Um das Verletzungsrisiko für die Aktiven in Mülheim möglichst gering zu halten, wird die Galopper-Bahn daher sorgsam präpariert. "Wir gehen einige Tage vor der Veranstaltung die gesamte Runde ab, achten beispielsweise darauf, dass der Boden keine Mulden hat, und ebnen den Sand ein." Trotzdem zählt beim auf der Strecke vor allem eins: Die Konzentration. "Du musst immer aufpassen, damit Du nicht umknickst", bestätigt Martin Jansen.
Er hat Gefallen an Matsch- und Sandboden gefunden: Im Frühjahr möchte er bei einem Cross-Lauf am Flughafen in Weeze an den Start gehen. Dort warten mehrere hundert Hektar "Spielwiese" sowie zahlreiche halsbrecherische natürliche Hindernisse auf die Läufer.
Auf der Galopprennbahn in Mülheim hingegen wird jetzt erstmal Ruhe einkehren. Bis kommenden Samstag. Dann geht es hier wieder rund – für die Rennpferde.
Rund 200 Fotos vom Lauf finden Sie hier.
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