Drahtloser Musikgenuss: Bluetooth-Headsets für Läufer im Test

Musik gibt Läufern Schwung - nur die Kabel können stören.
Musik gibt Läufern Schwung - nur die Kabel können stören.
Foto: Getty
Was wir bereits wissen
Wer gerne mit Musik läuft, stört sich am baumelnden Kabel. Bluetooth-Headsets versprechen Abhilfe. Unser Laufblogger hat einige Modelle getestet.

Dortmund.. Ohren zu und durch! Natürlich ist es Geschmackssache, ob Musik zum Laufen gehört. Für einige Sportskameraden ist es sogar eine Glaubensfrage. Fest steht: Das Thema sorgt in den einschlägigen Foren und Gruppen immer wieder für teils hitzige Diskussionen. Klar, es ist schön, beim Laufen der Natur zu lauschen. Doch es gibt zahlreiche Laufstrecken, die diesen wundervollen Sound nicht bieten. Denn vor allem Stadtläufer haben eben oftmals keinen Wald vor der Haustür. Und wer möchte schon zum Beat von Lkw-Dieseln seine Runden in der City drehen? Dann gibt es eben Musik auf die Ohren.

Laufblog Die richtige Musik spornt im Training an, Beats machen Beine. Wer beim Laufen Musik hört und sein Tempo oder seine Schrittfrequenz der Musik anpasst, hat zudem eine Art musikalisches Fahrspiel, gepaart mit der arhythmischen Laufweise eines Traillaufs. Auf der anderen Seite bieten Hörbücher die Möglichkeit, den Geist beim Laufen abschweifen zu lassen.

Musik hilft bei langen Läufen

Ich persönlich laufe gerne mit Musik. Aber auch ich lasse bei Waldläufen die Kopfhörer zu Hause. Wenn ich hingegen auf Asphalt unterwegs bin, mag ich es manchmal, bei langen Läufen Musik auf den Ohren zu haben. Natürlich nicht dort, wo es wegen der Verkehrssituation brenzlig werden kann – das ist natürlich zu gefährlich, denn speziell bei Dunkelheit ist es sehr wichtig, den Straßenverkehr nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören.

Das Kabel kann beim Laufen stören - Bluetooth schafft Abhilfe

Meine „Laufen“-Playlist umfasst mittlerweile rund 140 Songs, die meisten im Uptempo-Bereich. Es ist ein Mix aus Disco, Dance, Punk und Metal, den ich mir beim Laufen per Zufallsgenerator auf die Ohren gebe. Störend ist beim Laufen allerdings ab und an die Strippe der Kopfhörer. Es gibt zwar inzwischen reichlich Laufbekleidung mit Möglichkeiten, die Kabel geschickt vom Abspielgerät zum Ohr zu führen, aber so ganz ohne Kabel wäre es natürlich noch schöner – per Bluetooth.

Also habe ich bei Herstellern von sporttauglichen Bluetooth-Headsets nach Testgeräten angefragt und ein hübsches Testfeld zusammen bekommen.

Der Testbericht: Bluetooth-Headsets für Läufer

Neun Bluetooth-Headsets von namhaften Herstellern habe ich zum Testen bekommen. Alle Geräte habe ich unter verschiedenen Bedingungen getestet: Beim Laufen in lauter bzw. leiser Umgebung sowie in Alltagssituationen wie zum Beispiel beim Bahnfahren.

Bewertungen sind zum Teil subjektiv

Vorab sei gesagt, das speziell die Kategorien "Klang" und "Tragekomfort" äußerst subjektiv sind. Ich persönlich mag keine dumpfen Bässe, kraftvoll sollten sie aber schon sein. Breiige Mitten sind mir ein Graus.

Beim Tragen eines Headsets habe ich bislang immer Ohrstöpsel bevorzugt. Einige Modelle haben mich in dieser Hinsicht bestätigt, weil die Musik besser rüberkommt, wenn die Hörer direkt im Ohr stecken. Ohrbügel finde ich grundsätzlich eher unbequem, doch auch hier gab es eine Überraschung im Testfeld.

Getestet wurde auf einem iPhone 6. Alle Ohrhörer mussten sich quer durch meine Playlist arbeiten, aber auch mit Hörspielen und klassischer Musik fertig werden.

Testsieger: Jabra Sport Coach Wireless

  • Gesamtnote: 2,1

  • Preis-Leistung: 2,8

  • Preis: 149,99 Euro

Wer mehr als nur einen Ohrhörer sucht, ist bei Jabra richtig aufgehoben. Pulsmesser (siehe Jabra Sport Pulse Wireless) oder Bewegungssensor liefen gute Ergebnisse und helfen beim Training. Dabei hat der Hersteller nicht am Klang gespart. Zusammen mit der Jabra-eigenen Fitness-App fungiert das Headset als Trainingspartner und unterstützt den Sportler durch Sprachkommandos. Außerdem liefert das Headset Daten zur Laufgeschwindigkeit, Schrittfrequenz und Entfernung.

Der Klang – das gilt für alle Modelle von Jabra – hängt sehr von der abgespielten Musikrichtung ab. Mit Heavy Metal kann das Headset nicht so viel anfangen, auch bei Klassik fehlt die Tiefe. Bei aktuellen bzw. gut abgemischten Elektro-Stücken macht das Headset Spaß. Mit der Jabra-App kann der Sound per Dolby-Software und grafischem Equalizer noch verbessert werden. Die bedient sich in der iTunes-Mediathek auf dem Handy.

Bässe: zu schwach, da müsste bei einem Gerät dieser Preisklasse mehr kommen. Mit den richtigen Ohrpolstern aber deutlich besser.

Höhen: recht klar, durch den schwachen Bass aber zu dominant.

Mitten: ausgewogen

Lautstärke: sehr gut

Gesamtbild: Es kommt auf die Musik an. Mit Metal kann das Headset nicht so viel anfangen, auch bei Klassik fehlt die Tiefe. Bei aktuellen bzw. gut abgemischten Elektro-Stücken macht das Headset Spaß, erreicht aber nicht die Wucht des Rox. Mit der Jabra-App kann der Sound per Dolby-Software und grafischem Equalizer noch verbessert werden. Die bedient sich in der iTunes-Mediathek auf dem Handy.

Platz 2: Plantronics BackBeat Fit

  • Gesamtnote: 2,2

  • Preis-Leistung: 2,5

  • Preis: 79 Euro

In dem Headset arbeitet eine digitale Geräuschreduzierung – die funktioniert offenbar. Denn obwohl das Headset sehr locker im Ohr sitzt, werden Nebengeräusche ziemlich gut gefiltert. Im Alltag schränkt das Nackenband die Bewegungsfreiheit des Kopfes ein, insbesondere wenn man das Headset zu dickerer Kleidung trägt.

Die Ohren müssen relativ umständlich in die Halterung des Headsets gefriemelt werden. Die Ohrstöpsel üben keinerlei Druck aufs Ohr aus – sehr angenehm. Klanglich überzeugt das Headset von Plantronics in jeder Beziehung. Der Nackenbügel müsste größenverstellbar sein, weil er sich dann sehr gut zu dickerer Kleidung oder unter einer Kapuze tragen ließe. Säßen die Ohrteile fester in den Ohren, wäre der Klang noch besser. Alternativ könnte Plantronics noch an der Lautstärke schrauben.

Bässe: Satt und sanft

Höhen: Klar und definiert

Mitten: angenehm unaufdringlich

Lautstärke: leider zu leise

Gesamtbild: ein sehr warmer, ausgewogener und kraftvoller Klang

Platz 3: Jabra Sport Pulse Wireless

  • Gesamtnote: 2,3

  • Preis-Leistung: 3

  • Preis: 199,99 Euro

Auf die Idee muss man erst mal kommen: Ein Headset mit Pulsmess-Funktion – und die funktioniert sogar. Leider nicht im Zusammenspiel mit der Garmin Vivoactive, weil die lediglich nach Pulsgurten sucht, die mit ANT+ funken.

Aber mit Trainings-Apps wie Endomondo, Strava oder Runkeeper funktioniert die Messung. So spart man sich den Gurt. Sehr bequemer Sitz, intelligentes Design und absolut wertige Verarbeitung. Ansonsten gilt hier alles, was auch schon beim Jabra Sport Coach Wireless gilt.

Bässe: zu schwach, da müsste bei einem Gerät dieser Preisklasse mehr kommen. Mit den richtigen Ohrpolstern aber deutlich besser.

Höhen: recht klar, durch den schwachen Bass aber zu dominant.

Mitten: ausgewogen

Lautstärke: sehr gut

Gesamtbild: Es kommt auf die Musik an. Mit Metal kann das Headset nicht so viel anfangen, auch bei Klassik fehlt die Tiefe. Bei aktuellen bzw. gut abgemischten Elektro-Stücken macht das Headset Spaß, erreicht aber nicht die Wucht des Rox. Mit der Jabra-App kann der Sound per Dolby-Software und grafischem Equalizer noch verbessert werden. Die bedient sich in der iTunes-Mediathek auf dem Handy.

Platz 4: Beats by Dre PowerBeats 2 Wireless

  • Gesamtnote: 2,3

  • Preis-Leistung: 3,5

  • Preis: 199,99 Euro

Der Klangsieger im Test. Auch in Sachen Tragekomfort kann Beats punkten. Die Ohrbügel drücken nicht, die Ohrstöpsel liegen sanft im Ohr und sind kaum spürbar. Die Verarbeitung ist top. Beats eilt der Ruf voraus, allzu basslastig zu sein. Das ist hier nicht der Fall. Das Klangverhältnis ist sehr ausgewogen.

Beim Preis zahlt man den Namen mit – somit ist der Beats einen Tick zu teuer, dafür, dass andere Hersteller bei ähnlicher Qualität mehr Leistung bringen.

Bässe: Nicht so dumpf, wie man es von Beats kennt. Die Bässe sind dezent, aber klar.

Höhen: Deutlich und klar, aber etwas verzerrt, wenn die Lautstärke voll aufgedreht wird.

Mitten: Angenehm, aber auch mit der kleinen Einschränkung bei voller Lautstärke.

Lautstärke: Nicht der kraftvollste Ohrhörer im Test, aber absolut in Ordnung.

Gesamtbild: Ein ausgewogenes Klangbild, sehr angenehm und nicht aufdringlich. Eines der wenigen Geräte im Test, die gleichermaßen gut mit Klassik, Rock und Elektro zurecht kommen.

Platz 5: Jabra Rox Wireless

  • Gesamtnote: 2,5

  • Preis-Leistung: 3,3

  • Preis: 129,99 Euro

Eine rundum sehr wertige Aufmachung und ein durchdachtes Design von der Verpackung bis zum Headset selbst. Die Ohrhörer sitzen nach etwas Eingewöhnung sehr gut, sowohl mit Flügeln als auch ohne.

Klanglich, vor allem beim Bass, einen Tick besser als seine großen Brüder. Daher ist der Jabra Rox Wireless der Tipp für alle, die einen solides Headset ohne Schnickschnack suchen.

Bässe: in Ordnung bis kräftig, könnten klarer definiert sein. Mit den richtigen Ohrpolstern aber deutlich besser.

Höhen: manchmal etwas breiig, aber insgesamt okay.

Mitten: etwas zu dominant

Lautstärke: sehr gut

Gesamtbild: Kräftiger Sound, insbesondere bei modernen, elektrolastigen Stücken. Bei Klassik oder älteren Rock-Produktionen, die nicht so viel Power mitbringen, verflacht der Sound. Bei Techno- oder Elektro-Beats liefert das Headset Trainings-Power und auch Straßenlärm wird übertönt. Mit der Jabra-App kann der Sound per Dolby-Software und grafischem Equalizer noch verbessert werden. Die bedient sich in der iTunes-Mediathek auf dem Handy.

Platz 6: Philips SHQ8300 Bluetooth

  • Gesamtnote: 2,7

  • Preis-Leistung: 3

  • Preis: 119,99 Euro

Das sehr dünne Kabel ist laut Hersteller mit Kevlar verstärkt und soll so besonders robust sei. Auf einen Reißtest habe ich aus Liebe zum Gerät aber verzichtet.

Der Kopfhörer wirkt sehr filigran und leicht und kann mit seinen sehr angenehmen Ohrpolstern überzeugen. Die Kopfhörer sind offen, um Außengeräusche weiterleiten zu können – im Straßenverkehr ist das natürlich sicherer als völlig abgeschirmte Ohrstöpsel. Ein sehr starker magnetischer Kabelclip soll das Headset auch bei hartem Training stabilisieren.

Bässe: kraftvoll und definiert.

Höhen: klar und deutlich

Mitten: angenehm

Lautstärke: absolut in Ordnung

Gesamtbild: Überzeugendes Klangbild für das gesamte Musikspektrum von Klassik über Metal bis Techno. Bass-Liebhaber werden mehr Sattheit in den Tiefen vermissen, doch für sein Preissegment liefert der Philips hier eine starke Leistung ab.

Platz 7: JBL Synchros Reflect BT

  • Gesamtnote: 2,8

  • Preis-Leistung: 3

  • Preis: 119 Euro

Stabiles Design mit reflektierendem Nackenband. Sehr solides Headset, an dem es in Sachen Ausstattung nichts auszusetzen gibt. Die eigenwillige Konstruktion der Ohrstöpsel wirkt etwas locker, sitzt aber dennoch.

Der Klang pendelt je nach Musikrichtung zwischen super und zu zu schmalbrüstig im Bassbereich.

Bässe: etwas schwach

Höhen: klar und definiert

Mitten: ausgewogen

Lautstärke: JBL bringt Power auf die Ohren

Gesamtbild: Ein gutes Headset mit prima Klang. Um wirklich zu überzeugen, bräuchte das Headset aber einen stärkeren Bass.

Platz 8: Sony MDR-AS600BT

  • Gesamtnote: 3,3

  • Preis-Leistung: 3,7

  • Preis: 98,99 Euro

Die Ohrstücke sind ungewöhnlich groß, weil die Bluetooth-Einheit, der Akku und das Mikro just dort verbaut sind. Das entlastet zwar das Kabel, sieht am Ohr aber komisch aus.

Und wenn man eine Mütze gegen die Kälte trägt, ist es auch noch unbequem. Die Bedienung erfolgt über einen einzigen Button, der allerdings winzig ist. Beim Laufen ist das nicht sehr praktikabel.

Bässe: nicht besonders ausgeprägt

Höhen: eher klar mit leichten Schwächen

Mitten: in Ordnung, zu wenig Dynamik.

Lautstärke: viel zu leise

Gesamtbild: insgesamt zu wenig Dynamik, keine Klarheit, keine definierten Höhen oder Tiefen.

Platz 9: Urbanista Boston

  • Gesamtnote: 3,3

  • Preis-Leistung: 2,4

  • Preis: 69,99 Euro

Die Ohrstöpsel des schwedischen Kandidaten sind zunächst gewöhnungsbedürftig, sitzen aber Dank der Flügel gut und rutschfest in den Ohren. Der Tragekomfort geht insgesamt in Ordnung, doch bei längeren Strecken können die Gummistöpsel etwas drücken. Für den Preis ist das Headset ein Geheimtipp.

Das Gewicht von 23 Gramm hingegen spürt man kaum. Da die recht dicke Bluetooth-Einheit schon mal etwas wackeln kann, lässt sich das Kabel mit einer Klammer an der Kleidung befestigen.

Bässe: etwas zu dumpf, aber durchaus ausgeprägt

Höhen: lassen Klarheit vermissen

Mitten: manchmal zu dominant

Lautstärke: Die Urbanista können so manches Auto übertönen.

Gesamtbild: Insgesamt zu wenig Dynamik. Höhen müssen am Equalizer angehoben werden, dann geht es – allerdings zulasten der Bässe. Die Urbanista dämmen gut gegen Verkehrslärm.

Update 16.3.2016:

Platz 10: Lidl Silvercrest Bluetooth-Kopfhörer

  • Gesamtnote: 3,5

  • Preis-Leistung: 2,2

  • Preis: 19,99 Euro

Das günstigste Headset im Testfeld landet auf dem letzten Platz. Allerdings ist der Lidl-Lautsprecher nicht billig, was die Verarbeitung angeht. Die Ohrstöpsel sitzen fest, das Kabel ist stabil, die Abschirmung gegen Außengeräusche ist gut. Doch beim Klang hapert's.

Bässe: zu schwach und dumpf

Höhen: nicht besonders ausgeprägt

Mitten: in Ordnung

Lautstärke: viel zu wenig

Gesamtbild: Durch die mangelnde Lautstärke fehlt der Musik der entscheidende Wumms.

Testfazit: Starkes Testfeld auf hohem Niveau

In Sachen Klang liegen große Teile des Testfeldes auf hohem Niveau eng beieinander. Natürlich reichen die Ohrstöpsel nicht an die Qualität von On-Ear-Kopfhörern heran. Ihre Aufgabe ist auch eine andere: Sie sollen für Power und Motivation beim Sport sorgen. Dazu könnten alle Modelle noch eine kleine Extraportion Bass gebrauchen. Allerdings nicht bei allen Musik-Gernres. Denn bei Elektro klingen die Bässe satter als bei Rock. Wer beim Laufen also lieber David Guetta statt Judas Priest hört, ist mit den Headsets gut versorgt.

Aus dem Rahmen fällt das Modell von Sony. Der Klang könnte erheblich besser sein, wenn er mehr Power hätte. Aber das Gerät ist einfach zu leise.