Berlin, Paris, Westfalenpark - am schönsten ist es zu Hause

Der Flaesheimer Volkslauf 2010.
Der Flaesheimer Volkslauf 2010.
Foto: WAZ FotoPool
Laufen kann man überall, wo es festen Boden unter den Füßen gibt. Entsprechend gibt es weltweit Laufveranstaltungen - und vor mir ein Mammut-Programm.

Dortmund.. Als Läufer ist man ja viel unterwegs. Meistens allerdings irgendwo bei sich in der Nähe: im Wald, auf der Straße oder im Park. Als Anfänger wollte ich beim Laufen gar nicht gesehen werden. Ich war doch zu langsam, mein Stil zu schlecht, meine Klamotten nicht stylisch genug. Doch irgendwann hatte ich Lust, bei einem größeren Lauf mitzumachen - so richtig mit anderen Menschen. Ich suchte mir den Rhein-Ruhr-Halbmarathon in Duisburg aus.

Der Gedanke, für einen Lauf 60 Kilometer mit dem Auto zu fahren, kam mir total unsinnig vor. Nur, um mit anderen Menschen, die ich überhaupt nicht kenne, zu laufen. Läuft man eigentlich mit den anderen Starten oder gegen sie? Oder gegen die Uhr oder gegen sich selbst? Ich glaube, von allem ein bisschen. Durch die Teilnahme am Halbmarathon in Duisburg hatte ich jedenfalls Blut geleckt und wollte jetzt öfter bei Volksläufen mitmachen.

Als Traumlauf steht natürlich der New York Marathon irgendwo auf meinem Programm. Darum nehme ich auch immer fleißig an allen möglichen Preisausschreiben teil - bislang ohne Glück. Bis ich also New Yorker Asphalt unter die Laufschuhe bekomme, nehme ich andere Läufe mit. Für dieses Jahr hatte ich mir Berlin ausgeguckt, an der Startplatzverlosung (die Gewinner dürfen einen Startplatz kaufen) teilgenommen und einen bekommen. Berlin, ich komme - und das zum zweiten Mal!

Aus einem Marathon werden drei

Da Berlin erst im September ist, dachte ich, im Frühjahr könnte ich ja auch noch einen Marathon laufen. Im vergangen Jahr war in Hamburg am Start, für dieses Jahr fiel meine Wahl auf Paris (12. April), der aber schon ausgebucht war. Also entschied ich mich für einen Start beim Vivawest Marathon im Mai. Schweren Herzens, muss ich gestehen, da ich als Dortmunder ja nur äußerst ungern in Gelsenkirchen... Also nä! Aber was tut man nicht alles fürs Vaterland, bzw. für das Ruhrgebiet?!

Wie es das Schicksal so will, erreichte mich just an dem Tag, an dem ich mich für den Vivawest anmeldete, auf Umwegen ein Startplatz für Paris. Tja, jetzt stehe ich da: Paris am 12. April, Vivawest am 17. Mai. Und insgeheim hatte ich auch noch mit dem Halbmarathon in Duisburg geliebäugelt. Doch eigentlich ist es gar nicht entscheidend, wo man seinen großen Lauf absolviert. Der Weg dahin ist viel interessanter. Denn in der Marathon-Vorbereitung kommt man nicht umhin, beim einen oder anderen Zehner und Halbmarathon unter dem, was wir Amateure "Wettkampfbedingungen" nennen, an den Start zu gehen.

Kleine Läufe sind familiär

Als Testrennen sind insbesondere kleine Läufe in kleinen Orten geeignet. Diese Rennen sind einfach nur nett. Meist werden diese Veranstaltungen von kleinen Vereinen wie dem örtlichen TuS Hassenichgesehn oder dem VfL Nochniegehört liebevoll organisiert, inklusive Kuchenbüffet und Bratwurstverkauf zugunsten der Jugendabteilung. Die familiäre Atmosphäre hat ihren ganz besonderen Charme. Der Kommerz von Riesenrennen wie in Berlin oder Hamburg ist hier ganz weit weg.

Und auch bei Läufen in der Heimatstadt kommt besonderes Flair auf. Es ist einfach spannend, auf der Strecke, die man sonst im Trainingstempo absolviert, einmal "in echt" um die Wette zu rennen. So empfand ich den Neujahrslauf am Phoenixsee als einen der schönsten Läufe, an denen ich je teilgenommen habe.

Trotzdem freue ich mich auf Paris. :-)

Diese Läufe kenne und empfehle ich:

Ickerner Volkslauf: Wahlweise 10 Kilometer oder Halbmarathon im Grenzgebiet von Castrop-Rauxel und Dortmund, veranstaltet vom TuS Ickern. Weitgehend flacher Kurs, der durch Wohngebiet, am Kanal entlang und durch einen Wald führt. Zieleinlauf auf dem örtlichen Sportplatz.

Flaesheimer Volkslauf: Schon der Name des Veranstalters klingt nach Heimat: SuS Concordia Flaesheim. Es gibt Läufe über 5 bzw. 10 Kilometer sowie die Halbmarathon-Distanz. Es geht über einen schönen Rundkurs durch einen Wald. Das Streckenprofil ist nicht unbedingt einfach. Wer meint, das Münsterland sei nur platt, lernt hier etwas dazu.

Sparkassenlauf Rheine: Die LG Rheine-Elte und der FC Eintracht Rheine organisieren einen Lauf über 5, 10 und 21,1 Kilometer. Start/Ziel an einer Schule. Es duftet nach Waffeln! Der Halbmarathon ist ein Rundkurs durch Wälder und Felder, der zweimal durchlaufen werden muss. Einige Geraden ziehen sich wie Kaugummi.

Laufblog Wickeder Ruhrauenlauf: Die DJK Werk veranstaltet diesen knuffigen, liebevoll organisierten Lauf über fünf oder zehn Kilometer, immer an der Ruhr entlang. Die Kurssetzung ist nicht gerade phantasievoll, dafür aber schön flach.

Dortmunder Citylauf: Mein Heimatrennen hat einen festen Platz im Terminkalender verdient. Der Kurs, den sich die LG Olympia Dortmund ausgedacht hat, führt über fünf oder zehn Kilometer durch die Dortmunder Innenstadt. Für den Zehner stehen acht Runden an. Der kleine Anstieg vom Westenhellweg zum Friedensplatz fängt ab der vierten Runde an, in den Schenkel zu zwicken.

Westfalenparklauf: Ein herbstliches Highlight des TSC Eintracht Dortmund. Über zehn Kilometer geht es rauf und runter rund um den Florian. Bestzeiten sind hier nicht zu erwarten. Dafür ist die Strecke aber sehr schön.

Baltrum-Lauf: Die winzige ostfriesische Insel Baltrum ist kein Mekka für Läufer, obwohl ein lockerer Lauf am Strand bei Sonnenaufgang schon eine feine Sache ist. Der Baltrum-Lauf findet in der Saison an jedem Dienstag statt, veranstaltet von der Kurverwaltuing. Der Gewinner bekommt eine Baltrum-Tasse. Der Lauf führt auf schwierigem Geläuf durch den Ort und durch die Dünen: mal auf Sand, mal auf Pflaster, mal auf Gras.

Laufsporttag Kempten: So richtig gehört dieser Lauf nicht in diese Liste. Im Vergleich zu großen Events ist der für die Region sicherlich sehr große Lauf im Allgäu natürlich eine kleine Veranstaltung. Zumal der Lauf nicht von einem kleinen Verein, sondern von einem Sportfachgeschäft organisiert wird. Der Kurs ist sehr anspruchsvoll, weil er extrem schräg liegt. Start und Ziel befinden sich in der höher gelegenen Altstadt von Kempten. Auf vier Kilometer langen Runden geht es dann hinunter zum Lech und wieder hinauf in die Stadt. Auf dem Kopfsteinpflaster ist Vorsicht angebracht! Es gibt einen 5-KilometerLauf und einen Halbmarathon.

Ich werde immer mal wieder an kleinen Laufveranstaltungen teilnehmen und meine Erfahrungen festhalten.

Welches sind eure Lieblingsläufe?