Jörg Schranz startet als Pacemaker
17.05.2008 | 12:20 Uhr 2008-05-17T12:20:00+0200
Oberhausen. Als "Pacemaker" ist Jörg Schranz eine laufende Orientierung für die Marathon-Neulinge. Die 42,195 Streckenkilometer sind für den Ultra-Jogger kein Problem, wenn er's locker angeht.
Wir kennen ihn als Gipfelstürmer, der den Brocken besiegt. "In 13 Stunden war ich oben", erinnert sich Jörg Schranz an das extreme Laufvergnügen, das er sich im Februar gönnte. Beim Karstadt-Marathon am Sonntag geht er nicht nur an den Start, "weil es der einzige ist, wo ich hinlaufen kann, nur zwei Kilometer von meiner Wohnung entfernt". Schranz wird als Pacemaker dabei helfen, dass andere Läufer die 42,195 Kilometer lange Strecke bewältigen. Denn: "Das erste Mal vergisst man nie. Ich will erleben, wie sich die Neulinge freuen."
Dank eines T-Shirts ist er zu erkennen
Und er will dazu beitragen, dass sie sich auch freuen können, mit seiner Erfahrung aus den 30 Marathon-Läufen, die er selbst bewältigt hat, den ersten am 6. Juni 2004.
Mit einer auf dem T-Shirt gedruckten Laufzeit, die 4,45 Stunden lautet, wird er als Lauf-Unterstützer erkennbar sein. Das Hemd hat der Veranstalter spendiert, die Teilnahmegebühr auch. Ein bisschen Dank verdient, wer anderen zum Erfolg verhilft.
"Die laufen am Limit"
4,45 Stunden unterwegs, "eine Zeit, die für viele Läufer realistisch ist, wenn sie zum ersten Mal dabei sind", ist Schranz sicher. "Die laufen am Limit, für mich ist die Zeit ganz locker zu schaffen." Bestzeit 4,05. Warum tut er das? Hat ihn der Ehrgeiz verlassen? "Es macht mir Spaß, anderen zu helfen. Dieses Gefühl, es geschafft zu haben, selber kann man das nur einmal erleben."
Brems- und Zugläufer wurden früher die Sportler genannt, die im Rennen sind, damit sich andere an ihnen orientieren können. Pacemaker klingt moderner, viel cooler. Schranz ist bei einer "Ich-bin-dabei-Tour" mit Frank Busemann im vergangenen August auf die Idee gekommen, sich dem "Du-kannst-es-schaffen-Team" anzuschließen. "Das ist mal eine ganz neue Erfahrung für mich. Bei meinem ersten Marathon habe ich mich auch an jemanden rangehängt", erinnert er sich.
Ein paar Läufer im Schlepptau, wird er am Sonntag am Come-Together-Point - wieder ein Fachausdruck, der sich trefflich vermeiden ließe - in Gelsenkirchen eintreffen, nach 28 gelaufenen Kilometern. Was kommt dort zusammen? "Die Strecke der Läufer, die in Dortmund starteten und die derer, die in Oberhausen an den Start gingen", erklärt Schranz. "Es ist der einzige Marathon mit Start in verschiedenen Städten. Das ist viel Aufwand in der Organisisation."
Dort also, wo die beiden Marathonflüsse ineinander münden, will der Pacemaker mit seinen Schützlingen die "Borbecker Raketen" treffen. "Das sind meine Lauffreunde. Sie werden noch einmal einen Pulk mitbringen, 15 bis 20 Leute auf jeden Fall." Etwa 28 Kilometer sind dann schon geschafft. "Ab da wird's schwieriger", sagt Schranz. Und ab da geht's gemeinsam dem Ziel entgegen. Ist das erreicht, wird Schranz noch so fit sein, dass er im Grunde nach Hause joggen könnte.
"Jedem das Seine"
Immerhin hat er Größeres im Sinn: 73 Kilometer lang ist der Thüringer Rennsteiglauf, zu dem er sich angemeldet hat. "Ein traditioneller Lauf, den es schon zu DRR-Zeiten gab." Danach kommt Biel, 100 Kilometer. "Wenn die anderen fertig sind, fange ich erst richtig an." Das sagt einer, der extrem lange Strecken mag, ein Ultraläufer. "Jedem das Seine", ist sein Motto. Vor allem aber dies: "Wer sich bewegt hat schon gewonnen." Wenn das so weitergeht, laufen irgendwann alle? Schranz: "Ich fürchte ja." Immerhin: Eine Sucht, die nicht schadet. "Das kann man selber nur einmal erleben."
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