Kunst trifft Pragmatismus

Berlin..  Ein Außerirdischer gegen die Helden von 2006, hohe spanische Fußballkunst gegen italienischen Pragmatismus: Wenn der FC Barcelona und Juventus Turin am Samstag (20.45 Uhr/ZDF live) beim Showdown im Berliner Olympiastadion aufeinandertreffen, kommt es zum Duell der Gegensätze. Hier der große Favorit Barça, der angeführt von Lionel Messi Fußball zelebriert. Dort Außenseiter Juve, der sich mit eiserner Disziplin und taktischem Geschick bis ins erste Champions-League-Finale seit zwölf Jahren vorgekämpft hat. Auf den Sieger wartet am Ende nicht nur der begehrte Henkelpokal, sondern jeweils auch das Triple.

Kampf der Systeme

„Jeder glaubt, Barça ist der Favorit. Aber es wird schwer. Juve versteht es gut, auf die Offensivkünstler Messi, Neymar und Suárez zu reagieren“, sagt Bundestrainer Joachim Löw. „Barça ist in guter Form, hat keine Verletzten. Ich denke, dass sich Barcelona am Ende knapp durchsetzen wird. Das sind alles Weltklasseleute.“ Löw spricht vom „Kampf der Systeme“.

Favorit hin oder her: „Im Fußball gewinnt nicht immer die stärkste Mannschaft“, betont Turins Mittelfeldstar Andrea Pirlo und erinnert an den WM-Triumph der Squadra Azzurra an gleicher Stätte vor neun Jahren: „Die Erinnerungen an die Nacht in Berlin sind unauslöschlich. Ich wünsche mir, die gleichen Emotionen am Samstag mit Juve noch einmal zu erleben.“ Mit Gianluigi Buffon und Andrea Barzagli hatte Pirlo 2006 den WM-Pokal geholt, zusammen will das gealterte Trio die Wiederauferstehung Juves nach schweren Jahren inklusive des Zwangsabstiegs in die Serie B krönen.

Doch die Aufgabe ist schwer. Barcelona setzt auf seinen Wundersturm mit Messi, Luis Suárez und Neymar. „MSN“ haben zusammen schier unglaubliche 120 Tore erzielt und den Rekord des Real-Madrid-Trios Cristiano Ronaldo, Karim Benzema und Gonzalo Higuain (118) aus der Saison 2011/12 übertroffen. „Wir haben die große Chance, wieder die Champions zu werden. Das ist es, wofür alle im Klub arbeiten“, sagte Messi. Und Ex-Weltmeister Andres Iniesta fügte hinzu: „Jetzt wollen wir aus einer guten eine sehr gute Saison machen.“

Barça will vierten Titel in zehn Jahren

Mit einem Sieg gegen den italienischen Meister könnte Barcelona nach 2009 zum zweiten Mal das Triple gewinnen, was noch keine Mannschaft geschafft hat. Im Vorfeld setzte Trainer Luis Enrique auf Harmonie. Zusammen mit Familie und Verwandten stiegen die Barça-Stars am Freitag bei strahlendem Sonnenschein aus dem Flieger, die Liebsten durften sogar die Nacht vor dem großen Finale im Teamhotel Grand Hyatt verbringen.

Geht es nach Meinung vieler Experten, wird in der Edel-Herberge auch die Siegesfeier abgehalten. Es wäre für die Katalanen der vierte Champions-League-Triumph in zehn Jahren. „Wenn Messi in Form ist, ist das so, als würde Barça mit 15 Spielern spielen“, meinte Argentiniens früherer Weltmeister-Trainer César Luis Menotti.