Konsterniert in Wolfsburg

Wolfsburg/München..  So rasch abhaken, wie die Münchner nach der krachenden Niederlage abgereist waren, ließ sich der völlig missratene Einstand in die Rückrunde nicht. Auch im Training am Wochenende ließ sich noch die Nachdenklichkeit erkennen, die dieses 1:4 beim VfL Wolfsburg hinterlassen hatte. Man sei „ins Messer gelaufen“, erkannte Arjen Robben und sprach von einem „Schock“. Man könne ja mal ein Spiel verlieren, „aber 4:1 ist natürlich schon ein bisschen viel.“

Vier Gegentore in einem Spiel, so viele wie in der gesamten Hinrunde zusammen, das muss erst einmal verarbeitet werden beim FC Bayern. Aber diese unerwartete Erfahrung könne auch helfen, befand neben Robben Jérôme Boateng. Bestenfalls gleich an diesem Dienstag gegen den FC Schalke 04. Das ist jedenfalls der Plan.

„Vielleicht ist es ganz gut, damit wir wach werden“, sagte Boateng. „Das zeigt mal wieder, was wir auch schon oft gesagt haben, wenn wir gewonnen haben: Du kriegst nichts geschenkt. Wir müssen unsere Lehren daraus ziehen. Für die Zukunft ist das vielleicht gar nicht so schlecht“, meinte auch Robben. Er hofft nun, dass der Lernprozess mit der prall gefüllten Agenda in der Englischen Woche gleich zu Beginn der Rückrunde Schritt hält. Robben sagte: „Dienstag müssen wir reagieren.“

Wie sehr die erstaunliche Havarie am Mittellandkanal nachwirken würde, ließ sich bereits am Freitagabend erkennen, nachdem die erstklassig eingestellten und ebenso beachtlich konternden Wolfsburger den Münchnern durch Bas Dost (4./45.+2) und Kevin De Bruyne (53./73.) viermal eingeschenkt hatten. Pep Guardiola hatte das anklingen gelassen. „Es ist schwierig, wenn du immer gewinnst. Die Zuschauer denken, es ist einfach. Die Spieler denken, es ist einfach. Und der Trainer denkt, es ist einfach“, sagte der Chefcoach des FC Bayern. Jetzt grübeln sie. Was sie aber nicht folgern: Dass der immer noch komfortable Vorsprung von acht Punkten auf den VfL tatsächlich verspielt werden könnte.

Das erscheint in der Tat unrealistisch, allerdings galt das auch schon für jene bemerkenswerten Unzulänglichkeiten, die die Münchner in Wolfsburg offenbart hatten. Von der Dominanz der Bayern war nicht mehr viel übrig geblieben, einmal abgesehen von den ziemlich bedeutungslosen Ballbesitzwerten. Stattdessen versiegte das Aufbauspiel in Fehlpässen oder individuellen Ballverlusten. Gute Chancen waren nur selten zu bestaunen. Es klapperte gewaltig im sonst so zuverlässig abgestimmten Münchner Uhrwerk.

Bastian Schweinsteiger trug in seiner Fehleranalyse eine ganze Reihe von Nachlässigkeiten zusammen und schloss: „Vielleicht, weil jeder einen Schritt weniger gemacht hat“. Aus der vergangenen Saison ist der Spannungsabfall noch gut in Erinnerung. In der Champions League hatte das maßgeblich zum deutlichen Aus gegen Real Madrid beigetragen. Derartige Rückschlüsse oder gar Parallelen zum 0:4 gegen Real wollte Guardiola aber nicht ziehen. „Das war komplett anders. Das war das Halbfinale der Champions League“, sagte der Trainer. Doch Wolfsburg, das war den Münchnern anzumerken, fassen sie auch als Warnung für Europas Eliteliga auf. Wenn nicht gar als Menetekel.