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Kommentar: Einer wird gewinnen

01.11.2009 | 20:31 Uhr
Kommentar: Einer wird gewinnen

Essen. Einer wird gewinnen hieß in seligen Fernsehzeiten eine der großen Samstag-Shows. Die moderne Abwandlung des Kulenkampff-Klassikers läuft auch am Samstag. Sie wird in der Fußball-Bundesliga aufgeführt und könnte heißen: Keiner will gewinnen.

Hamburg patzt, Schalke, Leverkusen und Bremen spielen unentschieden, Bayern kann's nicht ausnutzen – der Spannung und dem Unterhaltungswert der Bundesliga kann nichts besseres passieren. Die Kehrseite lässt sich allerdings bisher an jedem Dienstag, Mittwoch und Donnerstag beobachten, an denen sich die Bundesligisten durch die europäischen Wettbewerbe mühen – gerade weil in der breiten Bundesliga-Spitze die wirklich überragende Mannschaft fehlt.

Bayern-Trainer Louis van Gaal mit Assistent Andries Jonker. (Foto: Getty)

Damit ist man bei den Bayern. Bei allen Fehlern, die Trainer Louis van Gaal bisher vielleicht gemacht haben mag – der Mann hat's nicht leicht in einem Umfeld, in dem Manager Uli Hoeneß und Präsident Karl-Heinz Rummenigge oft nur noch von Samstag bis Mittwoch denken. Van Gaal soll zwar so etwas wie eine Spielphilosophie entwickeln und muss doch nur Ergebnisse bringen. Dass Uli Hoeneß den immer gleichen Reflexen folgt, hilft auch nicht: Früher mag die Ankündigung, bis Weihnachten Spitzenreiter zu sein, die Konkurrenz beeindruckt haben. Heute wirkt es furchtbar durchschaubar. Man wäre dankbar für einen neuen Impuls von Hoeneß' Nachfolger Christian Nerlinger. Doch der wirkt farblos wie das Fernsehen zu Kulis alten EWG-Zeiten.

Das andere Extrem der Spitzengruppe heißt Schalke 04. Felix Magath folgt zwar einer ähnlichen Strategie wie Uli Hoeneß: Läuft's schlecht, feuert er an, läuft's gut, stapelt er tief. Aber wie bescheiden sich Magath auch geben mag: Wer soll noch übersehen, mit welcher Moral die Schalker sich gegen Hamburg und Leverkusen behauptet haben? Nach jahrelanger spielerischer Durststrecke reißt Schalke wieder mit. Das ist Magaths Verdienst, und es hat dem Verein inmitten durchaus berechtigter Diskussionen und Zweifel um Schuldenlast und Finanzgebaren das Leben um ein Vielfaches erleichtert. Denn den meisten Fans macht Schalke im Moment so viel Spaß wie lange nicht.

Klaus Wille

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