Kommentar: Die alten Reflexe greifen
23.11.2009 | 14:12 Uhr 2009-11-23T14:12:00+0100
Essen. Das Echo auf die am Freitag bekanntgewordenen Ermittlungen der Bochumer Staatsanwaltschaft wegen möglicher Manipulationen von 200 Spielen in Europa kann als Beleg dafür dienen, dass die alten Reflexe immer noch greifen.
Hinter dem größten Betrugsdelikt im Profifußball der jüngeren Zeit steckt keine asiatische Wettmafia, sondern ein Topstar, der bis dato im Ruf stand, ein untadeliger Sportsmann zu sein. Aber auch Thierry Henrys Handspiel, das den Iren den Weg zur WM 2010 versperrte, war nicht von langer Hand geplant, sondern eine Tat im Affekt, die der Franzose später bereute. Um auf vergleichbare Fälle zu stoßen, muss tief in der Fußballgeschichte gegraben werden. Spontan fallen einem Maradonas „Hand Gottes” in Argentiniens WM-Duell gegen England (1986) und Thomas Helmers „Phantom-Tor” im Bundesliga-Spiel der Bayern gegen Nürnberg (1994) ein.
Zur pauschalen Kriminalisierung des Fußballs taugen diese seltenen, wenn auch spektakulären Betrügereien ebensowenig wie Wettskandale. Das Echo auf die am Freitag bekanntgewordenen Ermittlungen der Bochumer Staatsanwaltschaft wegen möglicher Manipulationen von 200 Spielen in Europa kann allerdings sehr wohl als Beleg dafür dienen, dass die alten Reflexe immer noch greifen.
Kaum ist Robert Enke unter der Erde, da sind die nach dem tragischen Tod des Nationaltorwarts geäußerten Appelle, künftig auch im Profifußball mehr an die Würde des Menschen zu denken und behutsam mit Schlagzeilen umzugehen, schon wieder verpufft. Und Spieler nach dem Motto „Schuldig bei Verdacht” an den Pranger gestellt worden. Schon vergessen? Im Zuge des Robert-Hoyzer-Skandals ist vor vier Jahren der Essener Schiedsrichter Jürgen Jansen über Monate öffentlich – mit harten Auswirkungen auf sein Privatleben – verurteilt worden, ehe das Verfahren eingestellt und der Referee voll rehabilitiert wurde.
Wohlgemerkt: Es geht nicht um ein Herunterspielen einer Angelegenheit, bei der es sich immer noch – wie der Europäische Fußball-Verband vermutet – um eine neue Dimension des Wettbetrugs handeln könnte. Sondern ausschließlich um die aus gutem Grund in unserem Rechtssystem verankerte Unschuldsvermutung. Das Beispiel Jansen sollte den Bochumer Ermittlern Mahnung und Verpflichtung sein.
Ärgerlich genug, sollte am Ende das Ansehen des Fußballs erheblich beschädigt sein. Schlimmer aber wäre es, wenn Spieler Opfer falscher Verdächtigungen würden.

15:24
Man sollte besser mal suchen : Wer ist NICHT betroffen.
Das ist wie beim Doping ,zeigt den Sportler der nicht dopt !!!
15:01
Im Kommentar eine Geißelung der Vorverurteilung von Spielern und Schiedsrichtern durch Medien, im Artikel dadrunter:
Das jüngste Gerücht von Osnabrück im Wettskandal
Bravo WAZ