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Köln steht zu seinem FC

18.09.2012 | 16:30 Uhr
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Köln steht zu seinem FC
Weil die Mannschaft kämpft, sind die Fans begeistert: Die Kölner unterstützen den FC, obwohl er im Tabellenkeller der Zweiten Liga festhängt.Foto: Roberto Pfeil/dapd

Köln.   Trainer Holger Stanislawski vom Zweitligisten 1. FC Köln fand die Stimmung auch beim 0:0 gegen St. Pauli „fantastisch“. Nur spielerische Klasse fehlt seiner leidenschaftlichen Mannschaft, die noch auf den ersten Sieg in dieser Saison wartet.

Wolfgang Holzhäuser hat vor einigen Wochen einen Gedanken in die Welt gesetzt, der im Rheinland Reaktionen ziemlichen Entsetzens hervor rief. Eigentlich könne man auch mit dem 1. FC Köln fusionieren, hat der Geschäftsführer von Bayer Leverkusen auf einer Veranstaltung des „Kölner Stadtanzeiger“ erklärt, die geografische Lage in Leverkusen sei nicht einfach, „die Zuschauer aus Köln, die Spieler aus Leverkusen, warum nicht?“ Später hat er klargestellt, dass es sich bei diesen Überlegungen um einen Scherz gehandelt habe, aber der zurückliegende Spieltag lädt dazu ein, diese Idee noch einmal zu reanimieren.

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Denn die Kölner spielten beim 0:0 gegen den FC St Pauli vor einem begeisterungsfähigen Fußballpublikum, wie es in Leverkusen undenkbar ist. FC-Trainer Holger Stanislawski lag völlig richtig, als er die „fantastische Atmosphäre“ lobte. Außerdem hatte seine Mannschaft mit genau jener Hingabe gespielt, die Bayer Leverkusen beim leblosen 0:3 in Dortmund gefehlt hatte. Woran es den Kölnern hingegen mangelt, sind die fußballerischen Fähigkeiten des Rivalen von der anderen Rheinseite. Die Kombination dieser positiven Eigenschaften enthielte wahrscheinlich wirklich das Format für ganz große Titel.

FC-Trainer hätte sich „mehr Ruhe im Spielaufbau“ gewünscht

In der Realität muss jeder den eigenen Mangel verwalten, und bei den Kölnern ist das vor allem die Unfähigkeit, Tore zu erzielen. Ein einziger Treffer ist dem Team in dieser Saison gelungen, per Elfmeter. Kein Wunder, dass der Klub festsitzt in der Abstiegszone der Zweiten Liga. Die Kölner rennen, kämpfen leidenschaftlich und arbeiten, sie lassen sich von ihrem Publikum tragen, aber ihnen fehlen Ruhe, Übersicht, Gelassenheit und Kaltschnäuzigkeit. Man kann auch sagen: Qualität. Stanislawski hätte sich „mehr Ruhe im Spielaufbau“ gewünscht, aber jenseits dieser kleinen Kritik war er fast schon begeistert. „Mir gefallen diese Jungs, das macht richtig Freude“, sagte er nach dem 0:0 gegen seinen ehemaligen Klub aus Hamburg, „da wächst was.“

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Diese Zuversicht speist sich zum einen aus dem beeindruckenden Engagement der jungen Mannschaft und zum anderen aus der Leistung der erst unmittelbar vor Ende der Transferperiode verpflichteten Neuzugänge, die am Montag erstmals in der Startelf standen: Sascha Bigalke und Anthony Ujah. Die beiden leiden weder unter den Spätfolgen des Bundesligaabstieges, noch sind sie belastet von den Eindrücken, die der Fall Kevin Pezzoni und das folgende Kommunikationsdesaster des Klubs hinterlassen haben. Ujah zeigte Ansätze als Instanz im Sturmzentrum, die den Ball behaupten und klug weiterverarbeiten kann, und Bigalke sei ein „geiler Zocker, es macht schon Spaß, ihm zuzuschauen“, fasste Mittelfeldspieler Jonas Hector zusammen, was die 45 000 Zuschauer zuvor bestaunen durften.

Verein rückt zusammen

Weil diese beiden Hoffnungsträger integriert wurden und die Kölner bis auf Matthias Lehmann keine Verletzten beklagen, sei dies „das erste Spiel unter Wettkampfbedingungen gewesen“, sagte Stanislawski. Jenseits der Leidenschaft und der spielerisch verbesserten Offensive bleiben allerdings die Probleme einer auf keiner Position richtig gut besetzten Viererkette und einer Doppelsechs (Jonas Hector, Adam Matuschyk), die große Mühe hat, das Spiel mit einer Struktur zu versehen. Aber Stanislawski und dem Kölner Publikum ist die Hingabe der Mannschaft wichtiger.

Diese Präferenz führt dazu, dass die Stimmung rund um das Team trotz Tabellenplatz 15 und trotz der Unfähigkeit, Tore zu erzielen, erstaunlich gut ist. Zumal die Anhänger nach den Vorfällen um Pezzoni zusammen gerückt sind. Vize-Präsident Toni Schumacher hofft auf einen „Säuberungsprozess von innen“, und die Gesamtheit dieser vielen kleinen positiven Signale ist in dieser Zeit der Demut wichtiger als das Tabellenbild. Die Kölner haben am Montag wieder einen zarten Stolz empfunden für ihren Klub, und deshalb durften sie sich endlich mal wieder ein bisschen wie Sieger fühlen.

Daniel Theweleit

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