Keiner dreht mehr am Rad
12.11.2010 | 17:43 Uhr 2010-11-12T17:43:00+0100
Essen. Die Formel-1-Weltmeisterschaft wird erst auf der Zielgeraden entscheiden. Ausgerechnet vom bekanntesten Fahrer aber spricht niemand mehr. Ein Kommentar.
Vier Fahrer stehen im Fokus. Von Ein Quartett kann am Sonntag noch Alonso, Webber, Vettel oder vielleicht sogar noch Hamilton. Die Formel 1 fiebert einem der spannendsten Finalrennen ihrer Geschichte entgegen, in dem rechnerisch noch vier Fahrer den Titel holen können. So hatten sich das am Saisonstart viele gewünscht. Aber war da nicht noch was?
Richtig. Bevor die erste Ampel auf Grün geschaltet wurde, hatte sich in der Vollgas-Branche wochenlang fast alles um einen Mann gedreht, der – gemessen an dem Hype, der um ihn gemacht wurde – alle Voraussetzungen mitzubringen schien, um Lazarus die Pole-Position im Wettbewerb um das größte Comeback der Geschichte streitig machen zu können.
Gerade mal drei, vier Rennen später war die Luft aus dieser aufgeblasenen Nummer bereits raus – und Michael Schumacher, der jahrelange Überflieger der Szene, als höchst irdisches Wesen enttarnt, das nur noch unter „ferner fuhren“ registriert wurde. Was freilich seinem unvergänglichen Ruhm als siebenmaligem Rekord-Champion nichts anhaben kann.
Anders als aufgeregte Reporter vom Formel-1-Sender RTL sind die Sportfans mit der ebenso tröstlichen wie alten Erkenntnis, dass sich auch für die Größten die Zeit nicht zurückdrehen lässt, vergleichsweise gelassen umgegangen. Auf der anderen Seite wollen wir uns lieber nicht vorstellen, wie viele Menschen inklusive der Medien am Rad drehen würden, hätte Michael Schumacher anstelle von Sebastian Vettel am Sonntag noch die Chance, die WM-Krone zu erobern.

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