„Kein Werksklub hat die Strahlkraft des BVB“

Im Pokalfinale kommt es zum Duell mit dem von VW unterstützten VfL Wolfsburg. Sie sind nicht gerade ein Freund dieser Art von Vereinen.
(lacht) Meine Position ist bekannt.


Befürchten Sie, dass Ihnen Wolfsburg nicht nur in dieser Saison den Rang ablaufen könnte?
Ich habe immer davon gesprochen, dass Dortmund der zweite fußballerische Leuchtturm Deutschlands sein soll. Da sehe ich uns absolut. Ich habe das Wort Leuchtturm bewusst gewählt, weil es etwas mit Strahlkraft zu tun hat. Unabhängig von der tabellarischen Situation wird niemand ernsthaft behaupten, dass ein Werksklub mehr Strahlkraft hat als der BVB. Unser Anspruch ist: Wir wollen die Menschen bewegen. Schauen Sie sich die Zahlen an: die Fans, die Fernsehquoten, das Stadion. Insofern sind das ganz sachlich betrachtet schon unterschiedliche Entwürfe, die da in Berlin aufeinander treffen.


Wird Wolfsburg Ihnen dauerhaft einen der drei sicheren Champions-League-Plätze wegnehmen?
Der Satz „Geld schießt keine Tore“ hat null Substanz. Geld schießt zwar nicht direkt Tore, aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Tore auf der richtigen Seite fallen, doch dramatisch. Wolfsburg spielt heute schon oben mit. Nicht nur, aber auch, weil es den Konzern gibt, der sagt: Macht euch keine Sorgen, das Minus gleichen wir aus. Wolfsburg kann in der nächsten Saison allein an Gehältern locker 40 bis 50 Millionen Euro mehr in die Mannschaft stecken als wir. Hinzu kommt: Mit Allofs und Hecking hat der VfL Experten, die das viele Geld nicht unter die Leute bringen, sondern auch einen sportlichen Ertrag erzielen. Die machen es richtig gut!


Am Rande des Pokalspiels in München haben Sie sich mit Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge getroffen. Haben beide Seiten ­Interesse, das Verhältnis wieder zu kitten?
Wir haben eine Verantwortung für den deutschen Fußball. Es gibt Themen, da hilft es, wenn man miteinander spricht. Dazu muss man ja nicht befreundet sein. Diesen Gesprächsfaden, der abgerissen war, haben wir wieder aufgenommen.


Worum geht es dabei?
Es geht auch um die Frage, wie man die Position der Traditionsvereine, die Deutschland bewegen, die viele Fans haben, die hohe Fernsehquoten garantieren, die die Attraktivität der Liga ausmachen, stärken kann.


Zumindest bei diesen Themen funken Watzke und Rummenigge auf der gleichen Wellenlänge?
Wir haben eine gemeinsame Wellenlänge, als wir finden, dass die Attraktivität der Bundesliga nicht nur von Bayern und dem BVB abhängen darf. Sondern dass Klubs wie zum Beispiel Köln, Gladbach, Stuttgart, Hamburg und Frankfurt ebenfalls eine zentrale Rolle spielen müssen.


Hamburg und Stuttgart könnten absteigen.
Das möchte ich mir nicht ausmalen, was es für die Attraktivität und die Zuschauerzahlen der Liga bedeutet, wenn die beiden absteigen.