Kaum eine andere Wahl

Dass Manuel Neuer in der Rangliste des deutschen Fußballs nicht mehr in der Rubrik „Weltklasse“, sondern nur noch unter „internationale Klasse“, und damit auf einer Stufe mit Torhütern wie Hamburgs René Adler oder Wolfsburgs Diego Benaglio, geführt wird, verdankt er den Redakteuren des „Kicker“, die diese Hitparade erstellen und die Jahr für Jahr beweisen, wie subjektiv Fußball wahrgenommen werden kann.

Das ist ja das Schöne: Im Fußball kann man über alles diskutieren. Aber auch die Kollegen vom „Kicker“ kämen kaum auf die Idee zu behaupten, dass Sven Ulreich, der vom VfB Stuttgart zum FC Bayern wechselt, eine realistische Chance hat, die deutsche Nummer eins aus dem Münchner Kasten zu verdrängen. Warum also setzt sich ein 26-Jähriger freiwillig auf die Ersatzbank?

Erstens: Weil die großen Bundesliga-Klubs auf seiner Position keinen Bedarf haben. Und zweitens: Weil er ganz genau weiß, so behaupten es die Kenner der Stuttgarter Szene, dass er im Verein nicht mehr die Wertschätzung genießt, die man als Torhüter braucht, um tadellose Leistungen zu bringen. Tatsächlich soll der Keeper wohl keine andere Wahl gehabt haben, als zu gehen.

Somit steht dieser Wechsel symptomatisch für eine unglückliche Vereinspolitik. Nur zu Erinnerung: Bernd Leno, der sich als VfB-Eigengewächs schon 2011 anschickte, Sven Ulreich aus dem Tor zu verdrängen, durfte damals zu Bayer Leverkusen wechseln. Und wie gewaltig dieser Fehler war, deutete sich vor drei Jahren schon an und ist mittlerweile in voller Pracht erkennbar geworden.

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