Katharina Witt wirbt für München 2018
16.02.2010 | 11:51 Uhr 2010-02-16T11:51:00+0100
Vancouver.Das einstige „schönste Gesicht des Sozialismus“ soll die Olympischen Spiele 2018 nach München holen. Was Franz Beckenbauer für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 soll der frühere DDR-Sportstar Katarina Witt für Olympia 2018 werden.
Katharina Witt eilt derzeit in Vancouver von einem Termin zum anderen. Als ARD-Expertin und als Werbelokomotive, oder wie es offiziell heißt als Kuratoriumsvorsitzende für die Bewerbung der bayerischen Hauptstadt, in acht Jahren die 23. Winterspiele ausrichten zu dürfen. Die Entscheidung fällt zwar erst am 6. Juli im südafrikanischen Durban, doch in Vancouver läuft der Wahlkampf auf Touren, obwohl ein Werben um die Stimmen der 114 Mitglieder des Olympischen Komitees eigentlich streng verboten ist. Außer München haben sich die französische Stadt Annecy und das südkoreanische Pyoengchong beworben.
Witts Einbeziehung ist so durchsichtig wie erfolgversprechend
In Vancouver geht es darum, so viele persönliche Kontakte wie möglich zu den IOC-Mitgliedern zu knüpfen und vor der Weltpresse ein gutes Bild abzugeben. Die Einbeziehung von Witt ist so durchsichtig wie erfolgversprechend: Für beide Ziele ist Katarina Witt hervorragend geeignet. Die meist männlichen und überwiegend älteren Mitglieder des IOC kennen die frühere Eiskunstlauf-Olympiasiegerin als Sportstar mit dem gewissen Etwas, und für die Reporter aus aller Welt ist die 44-Jährige eine interessante und versierte Gesprächspartnerin. Ob auf Englisch oder auf Deutsch, sie erzählt stets mit einem Lächeln auf den Lippen, wie gern sie in Kanada sei, weil die Kanadier ja alle so super-nett seien und sie hier 1988 mit ihrem Kür-Auftritt als Carmen Olympiasiegerin wurde. Ob gefragt oder nicht, kommt sie dann geschickt auf das Thema der Münchener Olympia-Bewerbung zu sprechen.
So souverän Witt auftrat, so unglücklich agierte Ude. Der OB wies Sicherheitsbedenken wegen des schlimmen Attentats bei den Sommerspielen 1972 in München mit dem schlüssigen Argument zurück, dass dies damals der erste Fall des globalen Terrorismus gewesen sei und dass man aus den Fehlern gelernt habe. Dann fügte er jedoch hinzu, dass in der 200-jährigen Geschichte des Oktoberfests noch kein ernsthafter Zwischenfall auf der Wiesn passiert sei. Im Saal schauten sich einige Journalisten verwundert an. Hatte er es verdängt oder verschwiegen? Am 26. September 1980 war eine Bombe direkt am Eingang Theresienwiese explodiert - 13 Menschen kamen ums Leben, 211 wurden verletzt, 68 davon schwer.
Solche Schnitzer darf sich die Bewerbungsgesellschaft in Zukunft nicht mehr erlauben, wenn sie wirklich 2018 in München die Olympischen Spiele ausrichten will.

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