Katar, der Fußball und die Moral

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Was wir bereits wissen
Der reiche Wüstenstaat richtet mehr und mehr internationale Sport-events aus, an der Spitze die Fußball_WM 2022. Auch Schalke 04 und Bayern München zieht es im Winter regelmäßig in die Pracht in der Wüste. Dazu gehört offenbar, Missstände im Zweifel nicht wahrzunehmen. Ein Kommentar.

Essen.. Zahir Belounis hat einfach nur Pech gehabt. Sein Pech war, kein Star zu sein wie Pep Guardiola oder Raúl, die als Fußballer mit Millionen-Gehältern in die Wüste Katars gelockt wurden. Belounis war nur ein Kicker, dem Katar die Ausreise verweigert hat, als er seinen Verein verlassen wollte – zweieinhalb Jahre lang. Vor kurzem kam Belounis: frei. Weltweiter medialer Druck half. Raùl und Guardiola, die er um Hilfe gebeten hatte, blieben stumm. Sport und Moral, das geht immer weniger zusammen. Vielleicht so wenig wie Fußball und Katar.

Die Welt ist enger zusammen gerückt, im Sport spielen Länder deshalb eine Rolle, weil sie es sich leisten können. Handball-, Rad- und Schwimm-WM: Es gibt kaum eine Sportveranstaltung von Rang, die Katar nicht ausrichten kann, wenn es sie denn nur haben will. Geld ist im Überfluss vorhanden. Und der Sport zahlt jeden nicht-materiellen Preis, wenn die Kasse stimmt.

An die Spitze dieser Entwicklung hat sich der Fußball gesetzt: Die WM 2022 in ein Land zu vergeben ohne jede Fußballtradition aber mit absurden klimatischen Bedingungen? Kein Problem. Den Verdacht auszusitzen, dass bei dieser Wahl durch die Fifa gekungelt worden sei? Kein Problem. Die Augen davor zu verschließen, dass der Reichtum der 230 000 Katari auch durch ein Millionen-Heer von Arbeitern aus Indien, Pakistan und Bangladesch abgesichert wird, von denen ein Teil auf den WM-Baustellen offenbar schuftet wie Sklaven – und manchmal dabei stirbt? Kein Problem.

Fußball-WM 2022 Wegsehen, das ist leider beileibe keine exklusive Qualität der viel geschmähten Fifa mehr. Das tun große Teile der Politik, das tun Unternehmen, die in Katar zig Millionen verdienen. Aber weil der Fußball mehr Menschen emotional bewegt als die Wirtschaft, rücken mit Bayern München und Schalke 04 populäre Vereine in den Fokus. Sie bereiten sich in Katar auf die Rückrunde vor – was ihnen frei steht. Man könne, hört man, nichts Negatives sagen, weil man nichts negatives mitbekomme. Auch ein Standpunkt. Nur keiner – und das gilt über Fußball hinaus – auf den man stolz sein sollte.