Jubel hier, Tränen dort

Paderborn..  Es ist eine Szene, die in Erinnerung bleiben wird. Mit sich und seinen Gedanken alleine ging Andre Breitenreiter langsam in Richtung Südtribüne über den ­Rasen der Benteler-Arena. Tausende Fans hatten dort seinen Namen gerufen und wedelten nun mit ihren schwarz-blauen Schals. Breitenreiter applaudierte im Gehen - und als er auf Höhe der Strafraumgrenze ankam, startete auf der Tribüne die Welle - die der Trainer des SC Paderborn erwiderte.

„Das ist Wahnsinn. Da wird ein Absteiger gefeiert“, sagte Breitenreiters Mittelfeldstratege Mario Vrancic anschließend bewegt. Auch die Gesichtszüge seines ­Coaches ließen erkennen, wie nah diesem das Saisonende ging. Tabellenletzter, Abstieg - nach einem Jahr in der Fußball-Bundesliga bedeutete das 1:2 gegen den VfB Stuttgart für die Schwaben die direkte Rettung und für den SCP die Rückkehr in die 2. Bundesliga. Und trotzdem feierten die traurigen Fans ihre ebenso traurige Mannschaft und den Trainer.

So wie die Anhänger des SC Freiburg ihr Team und Trainer Christian Streich trösteten. Die Breisgauer verloren mit 1:2 bei Hannover 96 und rutschten im dramatischsten Abstiegsfinale der Liga-Historie noch auf Rang 17 und somit auf den direkten Abstiegsplatz. Als Markus Gisdol, Trainer des badischen Mitkonkurrenten 1899 Hoffenheim, das erfuhr, kamen ihm fast die Tränen. „Wir fühlen da sicher mit. Das ist unfassbar, brutal“, sagte Gisdol. „Geld schießt eben doch Tore“, sagte Andre Breitenreiter mit Blick auf die Absteiger, die zwar hohe Sympathie genießen, aber mit kleinen Etats arbeiten müssen. Die Substanz von großen Vereinen setze sich „über 34 Spieltage durch. Das ist so“.

Trotz des 2:0-Erfolges gegen Schalke 04 muss der Hamburger SV noch in der Relegation gegen den Karlsruher SC um den Klassenverbleib bangen: Hinspiel in Hamburg am Donnerstag, Rückspiel in Karlsruhe am kommenden Montag, jeweils 20.30 Uhr (live in ARD und Sky).

Die Geretteten

Neben dem VfB Stuttgart gelang am 34. und letzten Spieltag dieser Saison auch Hannover 96 und Hertha BSC Berlin die Rettung vor dem Abstieg. Dieses Trio eint derzeit eine Frage: Wer ist in Zukunft verantwortlicher Cheftrainer? Am schnellsten erklärten sich die Stuttgarter. Sie beendeten die Zusammenarbeit mit Huub Stevens, besser gesagt: Der Niederländer erklärte seinen Abschied zum Saisonende intern bereits vor Wochen. Neuer Trainer ist seit gestern offiziell Alexander Zorniger (47).

„Wir sind am Samstag noch mal von der Schippe gesprungen. Das heißt nicht, dass wir die Intensivstation als VfB Stuttgart schon verlassen haben“, sagte Sportvorstand Robin Dutt bei der Vorstellung von Zorniger. Der frühere Trainer von Zweitligist RB Leipzig unterschreibt einen Vertrag bis 2018 und nimmt seine Arbeit offiziell am 29. Juni auf.

Ob Michael Frontzeck weiterhin Hannover 96 trainiert und was aus dem umstrittenen Sportdirektor Dirk Duffner wird? „Ich habe es nicht eilig“, sagte 96-Boss Martin Kind am Montag und ließ die Antworten offen.

„Nein, ich habe noch keinen Vertrag unterschrieben. Es ist noch nicht die Zeit dafür“, erklärte Herthas Pal Dardai. Seine Mission hat der Interimscoach erfüllt. Es ist durchaus vorstellbar, dass sich Manager Michael Preetz das „Bonbon Unterschrift“ für die Mitgliederversammlung am Dienstag aufbewahrt.

In Seenot

Das Bangen geht weiter: In der Relegation gegen den Karlsruher SC muss der Hamburger SV seinen Platz verteidigen. Es soll mit dem Geist von Malente gelingen. „Schlafen, essen und das Miteinander sind wichtig“, begründete Trainer Bruno Labbadia die zweite Reise binnen einer Woche in die Einsamkeit der Holsteinischen Schweiz mit Kühen und Rapsfeldern. Für das Liga-Saisonfinale gegen Schalke 04 hatte der Rückzug in die abgeschottete Sportschule geholfen.

Untergegangen

Die Bilder vom Tag danach ähnelten sich. Beim SC Paderborn wie beim SC Freiburg betraten die Spieler ein letztes Mal in dieser Saison das Trainingsgelände. Eine kurze Besprechung, Sachen packen - und ab. Nur für Michael Born, Geschäftsführer Sport des SCP, und Jochen Saier, Sportvorstand des SCF, beginnt nun eine arbeitsintensive Zeit. Mit deutlich reduzierten Etats müssen zum Beispiel die Kader zusammengestellt werden.

In einem sind die Breisgauer den Ostwestfalen allerdings voraus: Christian Streich bleibt Trainer. „Ich habe dem Verein so viel zu verdanken. Wie sollte ich jetzt hingehen und sagen: Ich höre auf. Das ist unglaublich“, antwortete Streich auf Fragen, ob er den Klub womöglich vorzeitig verlasse. Andre Breitenreiter, Trainer des SCP, erwähnte ebenfalls seinen noch bis 2016 gültigen Vertrag, vermied aber eine konkrete Zusage, diesen auch erfüllen zu wollen. „Unser Ziel ist es auf jeden Fall, mit Andre weiterzuarbeiten“, sagte Michael Born.

„Wir müssen so viele Spieler wie möglich halten. Der Verein ist noch nicht am Ende seiner super Entwicklung“, sagte Mittelfeldmann Mario Vrancic. Kapitän Uwe Hünemeier versprach: „Wir werden uns alle einmal schütteln und nächstes Jahr wieder angreifen.“ Was allerdings auch für den SC Freiburg gilt.