Kampfsport
Jubel fürs Fressepolieren beim Ultimate Fighting
15.06.2009 | 06:50 Uhr 2009-06-15T06:50:00+0200
Köln. 11 000 Zuschauer freuten sich beim "Ultimate Fighting" in Köln, wenn Blut floss und Köpfe getreten wurden. Die kommerzielle US-Kampfserie will künftig auch in Mitteleuropa Geld verdienen.
Den Jubel des Abends fährt der Holländer Stefan Struve ein, als er mit blutverschmiertem Gesicht eine euphorisierte Siegerrunde läuft im Käfig. Es strömt dem 2,11-Meter-Mann aus einer Platzwunde auf Gesicht und Brust, bildet Lachen auf dem Boden, wo sie gerade erst das letzte Blut aufgewischt haben. Gewonnen, mit einem Würgegriff doch noch gewonnen!
Struve blutig geprügelt
Kurz zuvor noch hatte der Bosniak Denis Stojnic wie der Sieger ausgesehen, hatte den vor ihm liegenden Struve blutig geprügelt mit einer Serie von Schlägen aus dem Repertoire von Straßenschlägern, Sarajevo '95, vermutlich – da lag die Halle noch Stojnic zu Füßen.
Gunst im Sport kommt und geht, darum geht es hier nicht; aber Struve gegen Stojnic ist in Deutschland erst der zweite UFC-Kampf überhaupt. Und hat schon die schwer erträglichen Bilder produziert, die die Veranstalter im kritischen Deutschland nicht so gerne sehen.
Die Summe aller Kampfsportarten
Das Blut, das dauernde Hineinschlagen ins Gesicht eines liegenden Mannes, der Hinterkopf, wie er auf den Boden knallt: „Das wird das DSF wohl nicht zeigen”, sagt der Sitznachbar, Journalist eines Ringkampf-Magazins. Und schreibt sich auf, diese Bilder wären wie geschaffen für „einseitig denkende Kritiker”.
Die hatten sich in den letzten Wochen zu Wort gemeldet zum „Ultimate Fighting”, dieser Summe aller Kampfsportarten. „Ultimatives Kämpfen” wird in Amerika kommerziell betrieben, als äußerst anspruchsvoll verkauft und soll bald auch in Europa Geld einfahren.
Gegner indes sprechen von einem Zivilisationsbruch, einem „Gewalt verherrlichenden Exzess” und „Blutrausch nach Feierabend”.
Es wird indes kein zweiter Kampf mehr so extrem an diesem Abend wie Struve gegen Stojnic. Köln, die Lanxess-Arena, 11 000 lärmende Menschen, und der Rahmen ist etwas wie Boxen. Bombastische Musik, schnelle Kampfszenen auf den Großbildschirmen oben, Suchscheinwerfer, so groß, dass man annehmen muss, sie waren im Einsatz bei der Luftschlacht um Hamburg.
Aggressionstheater
Zwölf Kämpfe, auf fünf Stunden verteilt, 24 Einmärsche, und damit jeder weiß, worum es hier geht, laufen Einspielfilme über Gladiatoren. Dazu kommen englische Gettogesichter den Gang herunter, Balkanesen mit finsterem Blick, ein schwarzer Hüne, zwei Deutsche, der Holländer.
Sie klatschen links und rechts Fans ab, haben den Gesichtsausdruck auf wild gestellt, boxen in die Luft, spielen Aggressionstheater: „Ich werde seine Gesichtszüge neu arrangieren”, kündigt einer an.
Das hat viel von Rummelplatz, das kann man durchaus mögen, die gut gewählten Spitznamen etwa wie Wanderlei „The Axe Murderer” Silva oder Rolando „The Crazy Cuban” Delgado – Rick „The Horror” Story hat sogar Witz.
In dem nach oben offenen Halbkäfig, einem umzäunten Achteck, werden ihre Leistungen sehr unterschiedlich ausfallen, und das Publikum pfeift dann oder jubelt. Das sind vor allem junge Männer mit Hang zu Tätowierungen und kurzem bis keinem Haar, überwiegend Engländer, Kroaten und Amerikaner.
Sie jubeln, wenn Blut fließt, jubeln bei einem soliden Tritt an den Kopf – kurzum, sie jubeln bei Fressepolieren. Ihnen gefallen übrigens auch die knapp bekleideten Nummerngirls, amerikanische Apfelkuchenschönheiten mit lustigen Namen wie Edith Labelle. Oder Logan Stanton, die als Heimatort „Niceville” angibt – mein Gott, wie amerikanisch kann man sein?
Kopfstöße und Feigheit verboten
Sie pfeifen, wenn die Kämpfer nicht aggressiv genug sind: Die berühmten 31 Regeln der UFC verbieten ja auch Feigheit. Und dann gibt es diese zeitraubenden Szenen, wenn zwei Kämpfer ringend auf dem Boden gelandet sind: Männliche Unterleibe in Boxershorts sind verknotet und ruckeln, als suchten sie eine Stellung für Sex.
Nein, es ist eine seltsame Mischung aus Langeweile und Brutalität in diesem Abend: Aber das kommt ja auch zusammen, wenn Straßenbanden sich an die Hälse fahren.
Es geht auf 1 Uhr nachts, da geben die amerikanischen Veranstalter noch eine Pressekonferenz. Nicht ganz überraschend, beschreiben sie den Abend als Erfolg.
Neben andern Sportlern sitzt auch Struve auf dem Podium, ein Hollandgesicht mit Verband auf der Stirn. Struve haben sie einbestellt, zu sagen hat er eigentlich nichts, aber zeigen wollten sie dringend nach den Bildern voll Blut: Er lebt noch. Wo ist eigentlich Stojnic?
22:30
Hier empören sich Mitbürger über niedere Instinkte und asozialität bei den Fans dieser Sportart...
Jedoch die art und weise wie diese Herrschaften sich äussern ist asozialer als alles was sie anprangern...
Wenn einige den Mut hätten sich namentlich zu outen, würden sie sich vor anzeigen wegen Diskriminierung, Beleidigung etc. nicht mehr retten können... Ihr seid schon Helden, und keinen deut besser als die, die Ihr verurteilt...
22:26
#83knochenjochen
Ich muss feststellen: Wir sind (fast) einer Meinung ! ;-)
Einen schönen Abend noch!
13:45
Nein eine Lösung der verrohung ist es ganz bestimmt nicht wenn man Kampfsport im TV zeigt. Ob man gegen eine verrohung der Gesellschaft etwas unternehmen kann, kann ich nicht beurteilen, aber dennoch sollte man (wie bei fast allem) nicht vorschnell urteilen, wie es so viele getan haben. Wenn dieser Sport verboten werden sollte, so sollte auch der Schaukampf wrestling, boxen, so wie Rap Texte (Auszug von Bushido, weist du?: ...Deutscher rapper liegt am boden
aber er will grade hoch
Weißt du was ich mache
ich hol nen stein und schlag ihn tod) und diverse Filme verboten werden. Ich sehe aber dennoch das Problem was sie mit diesem sport haben und muss ihnen zustimmen. Gewalt ist keine Lösung und das sollte der jugend vermittelt werden. Aber meine Meinung ist es eben das man um dies zu vermitteln an ganz anderen Ecken ansetzten sollte und eben nicht an diesem sport, zumal die medien ihn in ein sehr schlechtes licht rücken. Um ein konkretes beispiel von oben aufzugreifen: beim wrestling (auch wenn es nur showkampf ist) werden auf einmal während des kampfes stühle unter dem ring hervorgeholt und der kontrahent wird niedergeschlagen wenn der referee nicht hinschaut. Oder es treffen sich 2 kontrahenten, beleidigen sich solange bis einer rot sieht und zu schlägt. Das natürlich kusntblut auch mal eingesetzt wird ist nicht ungewöhnlich. Und für mich ist genau DAS die ecke wo man ansetzten sollte. Deswegen:bevor dieser sport nicht mehr ausgestrahlt werden soll, sollte gangster-rap und Wrestling sowie einige Filme verschwinden, denn das, so denke ich beeinflusst die Jugend 10 mal mehr als ein bis dato recht unbekannter nischensport.
22:55
#80 Knochenjochen
Alles klar! Entschuldigung angenommen !!
Zu Ihrer Bitte:
In meiner Kindheit und Jugend ( 50 er und 60 er Jahre) gab es natürlich auch schon Raufereien und Prügeleien auf Schulhöfen oder bei anderen Gelegenheiten. Es gab damals aber, jedenfalls in meinem Milieu, einen ungeschriebenen Ehrenkodex.
Dazu gehörte u.a. , dass man auf Wehrlose am Boden nicht mehr weiter einschlägt. Auch das Treten der Gegner ins Gesicht war für uns undenkbar. Ebenso unehrenhaft war das Schlagen von Mädchen. Das nur zur Vorgeschichte.
Später, nach einigen Jahren Karate-Unterricht, lernte ich, dass auch Tritte zur Abwehr eines Gegners eingesetzt werden dürfen. Die Disziplin, die diese Sportart mit sich bringt, hat möglicherweise dazu geführt, dass ich mich nie in meinem bisherigen Leben mit mit körperlicher Gewalt zur Wehr setzen musste.
Das eigentliche Problem, das ich mit dieser Art der körperlichen Auseinandersetzung habe, hängt mit meinem Beruf zusammen. Ich habe als Lehrer täglich mit jungen Menschen zu tun, die glauben, körperliche Gewalt verleihe Ihnen Macht über ihre Mitmenschen. Sie saugen die Bilder von blutenden Kämpfern im TV oder Internet auf, assoziieren damit, dass nur der brutalere, erbarmungslosere, hinterhältigere der Gewinner sein kann und setzen das Gesehene um, OHNE sich an irgendwelche Regeln zu halten.
Es gleicht einer Sisyphusarbeit, aggressiven Schülern immer wieder klarzumachen, dass Auseinandersetzungen auch ohne Gewalt, mit Worten, möglich ist.
Eine Verrohung in unserer Gesellschaft ist doch wirklich nicht zu übersehen. Wohlgemerkt: ich gebe nicht dieser Gewaltauseinandersetzung allein die Schuld dafür. Da gibt es noch sehr viele andere Faktoren. Aber eine Lösung gegen diese Verrohung ist sie nun wirklich nicht, oder?
18:36
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/477365/4/1#texttitel
besserer artikel
21:52
@johnrabeaux... Ok tut mir leid das mit den Beleidigungen war scheiße und hirnlos. ich entschuldige mich hiermit.Sie haben Recht, ich kenne keinen einzigen und habe auch nicht das Recht über diesen zu urteilen. Aber wenn hier Teilweise absolut blind geurteilt wird dann bin ich eben etwas in rage. Ich hoffe ich habe sie nicht verletzt. aber glauben nicht das es schon vorher asoziales verhalten gegeben hat, das z.b. durch musik und andere medien geprägt wurde?Wie lange nur gibt es schon boxen?Ich bitte dann mal um erklärung von fair und unfair bei einem Kampfsport.Allerdings kann ichs auch verstehen das die meisten erstmal geschockt sind, wenn jemand der am boden liegt geschlagen wird da der geschlagene wehrlos und unterdrückt erscheint. Aber man kann nicht auf der einen seite das Fresse polieren im Stehen fair und gutheißen und auf der anderen das fresse polieren am boden nicht. Wenn dann ist beides barbarisch.
@markknochen; ist ja gut;)
@rochenkochen: schon klar, du bist jetz auf dem selben niveau wo ich war.Ganz toller.
Wie gesagt ich werde mich um einen vernünftigen Wortwechsel bemühen.
21:37
Echt niveaulos,.....dieser schlecht geschriebene, einseitig recherchierte (wenn überhaupt) Witz von einem Artikel.
16:05
Überschrift und Bild sind absolut kongruent und daher stimmig.
Ich fände es aber auch besser, wenn eine seriöse Zeitung wie diese, einem brutalen Randzeitvertreib des Pöbels und des Prekariats nicht so einen großen Raum bereitstellen würde:
15:00
die Überschrift ist ja wohl geschmacklos !!
und das von einer Zeitung !
10:05
Ein Journalist verbringt die eine Hälfte des Lebens damit, über Dinge zu schreiben, von denen er nichts weiß, und die andere Hälfte damit, nicht über Dinge zu schreiben, die er genau weiß.
Zum restlichen ahnunglosen und intoleranten Mob will ich mich nicht weiter äußern! Find es allerdings bedenklich das die kultivierten Leute hier, was ihr Vokabular und die Sprachgewandheit angeht, meist tiefer ins Klo greifen als die (wir) jungen Idioten mit Hang zu Tätowierungen.