Jordan Spieth stiehlt Woods die Masters-Show

Augusta..  Fast schüchtern probierte Überflieger Jordan Spieth das weltweit begehrteste und gänzlich unmoderne Grüne Jackett an, strich liebevoll über das Revers und lächelte still.

Die großen Gefühle überließ der 21-jährige Texaner mit dem schütteren Haar nach seinem Start-Ziel-Sieg beim 79. Masters Eltern, Großvater und Freundin Anna. Sogar die College-Clique schien mehr aus dem Häuschen zu sein als Spieth, der mit dem Rekord von 26 Birdies als zweitjüngster Golfer nach Tiger Woods das legendäre Major in Augusta gewann. Mit einem Gesamtergebnis von 270 egalisierte er die bisherige Bestmarke des großen Woods aus dem Jahr 1997.

„Als ich meine Eltern sah, wusste ich, das Ding ist durch. Ich werde noch brauchen, um das zu realisieren“, sagte der bescheidene Shootingstar aus Dallas. Vielleicht werde er erst einmal ein paar Nächte im „Green Jacket“ schlafen. Dabei war er im Vorjahr schon Zweiter.

Immer die richtige Antwort parat

Diesmal fand er nachts keine Ruhe vor Aufregung. „Es war stressig. Kein Wunder, dass mir die Haare ausgehen“, witzelte er. Aber er brach nicht ein. „Das war die unglaublichste Woche meines Lebens. Es gibt nichts Größeres in unserem Sport, ein Traum ist für mich wahr geworden.“ Sein größter Dank ging an seinen Kumpel und Caddie, der als Souvenir den Fahnenstock der 18 mitgehen ließ. Als die Konkurrenten wie Landsmann Phil Mickelson und Justin Rose (England) aufholten, hatte er immer die richtige Antwort. Sein vielleicht wichtigster Schlag war die Annäherung über den Wassergraben an der 13. „Go hard, go hard“, rief er dem kleinen weißen Ball hinterher - sein einziger lauter Gefühlsausbruch am Sonntag. Fünf Schläge Vorsprung auf den letzten neun Löchern machten den Triumph von Amerikas größtem Talent zum Schaulaufen - am Ende siegte er mit vier Versuchen weniger als die Verfolger. Er genoss die Ovationen an der 18. Bahn und bedankte sich wie ein Staatsmann.