„Jetzt kommt das Bonbon“

Berlin..  Nach der letzten Wende will Weltrekordler Paul Biedermann vor allem eines: genießen. „Ich schätze, dass ich auf der Schlussbahn der Karriere schwimme. Ich habe drei Viertel hinter mir, jetzt geht es noch knapp zwei Jahre Richtung Olympische Spiele in Rio“, erklärte der 28-Jährige. „Ich weiß, dass ich mir viele Sachen schon bewiesen habe und alles, was jetzt kommt, ist ein bisschen der Bonus. Jetzt kommt das Bonbon zum Schluss und darauf freue ich mich einfach.“ Erste Kostprobe: die deutschen Meisterschaften von Donnerstag bis Sonntag in Berlin.

Ein bisschen so klang auch Freundin Britta Steffen, bevor sie ihre große Laufbahn im Herbst 2013 beendete. Anders als die Doppel-Olympiasiegerin könnte sich Biedermann bei seiner letzten WM in diesem Sommer im russischen Kasan und seinen letzten Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro mit einer Medaille verabschieden – aber sein Lebensglück will er davon nicht abhängig machen.

„Es ist nach wie vor ein Anreiz, gute Zeiten zu schwimmen und Medaillen zu gewinnen. Aber das ist nicht der Antriebsgrund, warum ich meinen Sport mache“, erklärte der Doppel-Weltmeister von 2009. „Ich mache den Sport für mich und will dabei hoffentlich einen positiven Abschluss finden, um zufrieden einen Haken an diese Schwimm-Geschichte machen zu können.“

Spaß mit seinen Staffel-Jungs

Topmotiviert ist Biedermann nach den fünften Plätzen bei Olympia 2008 und 2012 aber allemal, besonders viel Spaß macht ihm das Training mit den seinen Staffel-Jungs.

Dabei kann sich Paul Biedermann auch im höheren Trainingsalter noch überraschen. Bei Test-Wettkämpfen zu Beginn des WM-Jahres legte der Staffel-Europameister Zeiten hin, die er von sich zuvor nicht gewohnt war. „Bei Paul war ich sehr zufrieden. Da wo er an den Start gegangen ist, hat er einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Die 1:47 in Halle aus dem Traning heraus war für ihn war sehr gut“, lobte Chefbundestrainer Henning Lambertz. „Er sieht, dass die Weltspitze im Moment um 1:46 Minuten schwimmt. Ich denke, das will er bei den deutschen Meisterschaften auch wieder machen. Dass er, ohne zu müssen, zeigen kann: Ich bin in Schlagdistanz.“

Biedermann verzichtet in seiner vorletzten Langbahnsaison auf die 400 Meter, will den Fokus auf die 100 und ganz besonders auf 200 Meter Freistil richten. „Die Streckenverteilung bei den 200 und 400 Metern ist bei WM und Olympia sehr bescheiden“, sagte Lambertz angesichts von fünf Rennen in drei Tagen. „Deswegen ist die Entscheidung absolut richtig.“

Schöne Dinge im Leben ohne Sport

Auch mit Blick auf die Sommerspiele, nach denen für Biedermann definitiv Schluss ist. Ein anderes Szenario wäre denkbar gewesen, „wenn die Schwimm-WM 2017 nach Deutschland gekommen wäre. Aber die ist ja nach Budapest vergeben worden. Daher geht der Plan für mich bis 2016 – und dann ist auch genug mit Schwimmen“, sagte Biedermann.

Die Karriere nach der Karriere bekommt er von seiner Freundin Britta Steffen nahezu täglich vorgelebt. „Da schlagen schon zwei Herzen in meiner Brust. Es gibt sicherlich viele schöne Aspekte im Leben ohne den Sport, aber es gibt auch Sachen, bei denen man sagt, da ist es besser, noch den Sport weiter zu haben.“ Bis 2016 ist das für Biedermann ja noch der Fall.

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