Jahrhundertbock auf den Sieg

Berlin..  Für alle Anhänger von Borussia Dortmund ist die Hauptstadt zu einem Wallfahrtsort geworden. In Berlin waren sie zuletzt häufig zu Gast zum DFB-Pokalfinale, dort erlebten sie im Double-Jahr 2012 einen der schönsten Siege, als der BVB wie ein Wirbelwind beim 5:2-Sieg über den FC Bayern hinwegzog. Doch auch bittere Niederlagen im Olympiastadion wie das 0:1 im vergangenen Jahr gegen die Münchener, als den Borussen ein Tor geklaut worden war, machen die Magie dieses besonderen Ortes aus. Jürgen Klopp mag ihn jedenfalls: „Nach Berlin zu kommen, ist schon nett”, sagt der Dortmunder Trainer vor dem DFB-Pokalendspiel gegen den VfL Wolfsburg am Samstag (20 Uhr, ARD), „es gibt aber noch etwas Schöneres – wenn du das Finale gewinnst.”

„Jahrhundertbock” hat der 47-Jährige auf den letzten Titel mit der Borussia, auf einen bierseligen und konfettireichen Abend inmitten der Jungs, die er nach sieben Jahren gemeinsamer Arbeit auf ihrem weiteren Weg bald allein lässt.

Vor drei Jahren gab es das Double

In Berlin waren die Dortmunder vor drei Jahren auf dem Höhepunkt des Klopp’schen Schaffens. Auf Augenhöhe mit den Bayern, die ihnen jedoch im nationalen Geschäft gleich wieder enteilen sollten, obwohl beide Teams sich im Sommer 2013 auf dem heiligsten aller Rasen in Wem­bley um Europas Krone duellierten.

Klopp blendet diese Phase vor seinem letzten Spiel auf der BVB-Bank aus: „Ich bin nicht in dem Modus, einen Film vor meinem geistigen Auge ablaufen zu lassen. Meine Zukunft hat keine Relevanz für das Spiel am Samstag.”

Die Rolle eines Helden will er lieber einem seiner Spieler überlassen. Mats Hummels zum Beispiel. Der Kapitän hatte bereits im Vorjahr das Zeug dazu, als Gott und die Welt sahen, dass Dante den Kopfball von Hummels erst hinter der Linie aus dem Tor schlug – aber nicht der Unparteiische Florian Meyer. „Wir wollten zwei Dinge in dieser Saison noch erreichen”, erklärt Hummels vor dem Duell mit Wolfsburg, „den Europa-League-Platz, von dem der Trainer allerdings nicht mehr profitiert – und das Pokalfinale.”

Der Weltmeister ist dabei, wenn im Sommer beim BVB mit dem neuen Coach Thomas Tuchel eine neue Zeitrechnung eingeläutet wird. Das Pokalfinale könnte allerdings für mehr Dortmunder als gedacht das Ende einer Ära darstellen. Sebastian Kehl beendet seine Karriere, und Ilkay Gündogan will den Verein verlassen. Dortmunds Fans müssen sich aber auch mit dem Gedanken vertraut machen, dass Roman Weidenfeller sein letztes Spiel in Schwarz und Gelb bereits am vergangenen Samstag gegen Werder Bremen absolviert haben könnte.

Im Pokal hat Klopp bisher im Tor auf Mitch Langerak vertraut. „Eineinhalb Stunden vor dem Spiel – wie immer”, will der Trainer erst das Aufstellungsgeheimnis lüften. Mit einem breiten Grinsen schlägt er aber VfL-Kollege Dieter Hecking einen Deal vor: „Ich sage, wer im Tor steht, wenn du sagst, ob Naldo kann.”

Nicht bloß der Trainer des Vize-Meisters geht stark von Mitch Lan­gerak zwischen den Pfosten aus. Und weil der 34 Jahre alte Weidenfeller, seit 2002 in Dortmund und jahrelange Nummer eins, vor Ablauf seines 2016 endenden Vertrags dem Vernehmen nach künftig einen Bankplatz in München dem in Dortmund vorziehen würde, droht der Generationswechsel im großen Abschiedsbohei um Klopp unterzugehen.

Vom Trainer einst als bester Nicht-Nationalkeeper der Welt geadelt, brachte es Weidenfeller doch noch auf vier Partien im DFB-Trikot und auf die Teilnahme an einer Brasilien-Reise. Welche bekanntlich mit dem WM-Pokal vor dem Brandenburger Tor enden sollte.

Bundestrainer Joachim Löw ruft ihn noch immer zu Treffen der Nationalelf, doch diesmal könnte für Weidenfeller ein wichtiger Abschnitt seiner Karriere in Berlin tatsächlich enden. Beziehungsweise im Fall eines Sieges mit einem Tag Verzögerung auf dem Borsigplatz. „Für jeden, der das noch nicht erlebt hat: Das gehört zu den besten Dingen, die man so tun kann. Das könnte glatt mein Hobby werden”, hofft Klopp auf den großen Tusch zum Ende einer großen Dortmunder Zeit – für sich und für so manchen seiner Spieler.