Jacobsen segelt Deutschen davon

Garmisch-Partenkirchen..  Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein – zumindest wettermäßig war der Start ins neue Jahr das komplette Gegenteil des verschneiten Auftakts in Oberstdorf. Die Probleme im deutschen Skisprung-Team blieben jedoch auch beim Neujahrsspringen vor 20 000 Fans im Olympia-Skistadion von Garmisch-Partenkirchen fast die gleichen wie beim Abschied aus dem Jahr 2014. Immerhin glückte den deutschen Trainings-Weltmeistern wenigstens ein brauchbarer Sprung, der Richard Freitag und Severin Freund auf die Plätze neun und zehn bei der zweiten Station der 63. Vierschanzentournee brachte. Damit stand das Duo jedoch klar im Schatten des „fliegenden Klempners“ Anders Jacobsen.

Befreiungsschlag bleibt aus

„Das war jetzt nicht der erhoffte ganz große Befreiungsschlag. Aber auch wenn es auf der Ergebnisliste nicht so gut aussieht, gibt uns der zweite Sprung doch Hoffnung“, kommentierte Teamleader Freund. Freitag pochte sich nach seinem starken Finalsprung sogar auf die Brust. Allerdings hatte der Sachse stolze 24,2 Punkte Rückstand auf Sieger Jacobsen. Der Norweger triumphierte bei einem hochklassigen Springen zum zweiten Mal nach 2013 beim Sprung ins neue Jahr und feierte damit ein wundersames Comeback: „Das ist wie ein kleiner Traum. Diese Schanze hat etwas Magisches für mich.“

Für das deutsche Skispringen war beim Triumph eines gelernten Klempners die magischste Nachricht, dass Sven Hannawald auch weiterhin als einziger Flieger der Geschichte alle vier Springen bei einer Tournee gewinnen konnte. Vor Jacobsen hatte bei dieser Auflage in Oberstdorf der Österreicher Stefan Kraft triumphiert, der diesmal mit einem sechsten Platz seine Spitze in der Gesamtwertung verteidigte. Allerdings hat er nur 1,1 Punkte Vorsprung auf den diesmal drittplatzierten Slowenen Peter Prevc. Über 45 Punkte zurück haben Freund (12.) und Freitag (13.) bereits bei Halbzeit alle Chancen verspielt. In Oberstdorf waren die deutschen Skispringer zuvor so schwach wie nie in den Skisprung-Grand-Slam gestartet.

„Unter Stress bricht das System unserer besten Flieger zusammen. Für den Alltagsgebrauch bei den Rentieren in Kuusamo reicht es, für die Tournee noch nicht. Das ist eine Lehre für die nächsten Jahre“, zog Bundestrainer Werner Schuster ein Fazit der Deutschland-Springen: „Für die Moral ist wichtig, dass wir in einem Sprung vorn reinschnuppern konnten. In der Mannschaft stecken definitiv Podiumsplätze, hoffentlich schon in Innsbruck.“ Auch Marinus Kraus (13.) und Stephan Leye (16.) zeigten einen Aufwärtstrend.

Weiter in den Hexenkessel Bergisel

Am Freitag reist das deutsche Team nach Innsbruck weiter, wo am Sonntag am Bergisel das dritte Springen der Vierschanzentournee über die Bühne geht. Den letzten Sieg im Hexenkessel gab es 2002 durch Sven Hannawald, den letzten Podestplatz 2009 durch Martin Schmitt. Vielleicht gelingt dort ja ein ähnlicher Coup wie der von Anders Jacobsen am Neujahrstag, der quasi aus dem Nichts den zehnten Weltcup-Sieg seiner Karriere feierte. An einem Traum-Wintertag in Garmisch-Partenkirchen bei perfekten Bedingungen.