„In Nürnberg war Abstiegskampf Alltag“

La Manga..  Erstmals seit anderthalb Jahren bereitet sich Ilkay Gündogan schmerzfrei auf die Fußball-Bundesliga vor. Eine Rückenverletzung setzte den 24-jährigen Mittelfeldspieler 14 Monate lang außer Gefecht. Nun soll er dabei helfen, Borussia Dortmund vor dem Abstieg zu retten. Die NRZ sprach mit dem Dortmunder.

Der BVB wird wohl die internationalen Startplätze für die nächste Saison verpassen. Wären Sie dann in Dortmund weiter glücklich?

Die Welt würde nicht untergehen, wenn man mal ein Jahr nicht in der Champions League spielt. Aber jetzt ist garantiert nicht der richtige Zeitpunkt, um sich mit diesem Thema zu beschäftigen.

Wann waren Sie zuletzt so richtig glücklich?

Da muss ich überlegen. Natürlich beim Spiel gegen Köln, als ich nach 14 Monaten Verletzungspause zurückgekehrt bin. Das Spiel (1:2.) war für uns nicht so prickelnd, aber ich nehme mir das Recht heraus, das Ergebnis für mich persönlich mal außen vor zu lassen. Dieser Tag war sehr erleichternd für mich..

Hatten Sie Angst, dass Ihre Karriere vorbei sein könnte?

Nein. Es war immer die gleiche Stelle, die schmerzte, und wir kannten den Grund. Wobei mein Anliegen lange Zeit war, es ohne Operation zu schaffen. Aber am Ende war das die Lösung.

Sie haben die Unterstützung von außen angesprochen: Wer hat Ihnen Halt gegeben in der schwierigen Zeit?

Die Familie, meine Freunde, meine Freundin, natürlich auch der Verein und die Fans. Von allen Seiten habe ich die Unterstützung bekommen, die man in so einer schweren Zeit benötigt. Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft, da ist man schnell weg vom Fenster. Daher war ich sehr glücklich auch über die Unterstützung durch den Verein.

Verspüren Sie Dankbarkeit? Wollen Sie etwas zurückgeben?

Ja, klar. Als Fußballer will ich immer alles für den Verein geben, vor allem in meiner Situation. Ich will mit Leistung zurückzahlen, was ich in dem Jahr an Unterstützung bekommen habe. Und ich hoffe, dass wir uns schnell aus der Situation befreien.

Schwer genug. Können Sie Abstiegskampf?

Ich komme ja vom 1. FC Nürnberg, da war der Abstiegskampf das Alltagsgeschäft. Ich habe zweimal Relegation gespielt, beim ersten Mal sind wir aus der zweiten Liga aufgestiegen, beim zweiten Mal im Jahr darauf haben wir die Klasse gehalten. Man könnte sagen: Ich bin ein bisschen geübt, auch wenn die Situation nicht vergleichbar ist. Wir wissen, dass wir da unten nicht reingehören.

Das wissen um die eigene Qualität reicht nicht, um Spiele zu gewinnen, sagt Trainer Jürgen Klopp. Wichtig sei, wieder Vorfreude und Spaß zu entwickeln. Hat er Recht?

Tatsächlich ist es auch bei Fußball-Profis so, dass wir den großen Spaßfaktor nicht jeden Tag mit uns herumtragen. Das ist glaube ich bei keinem Menschen möglich. Aber gerade dann muss man bereit sein, sich zu quälen. Das wird belohnt. So ein Trainingslager etwa ist dafür da, dranzubleiben, wenn man das Gefühl hat, der Körper macht nicht mehr mit. Dann kommt der Spaß automatisch.

Hadern Sie damit, um das Erlebnis WM gebracht worden zu sein?

Natürlich nagt das an mir.

Hatten Sie Kontakt zu Bundestrainer Joachim Löw?

Wir waren das eine oder andere Mal in Kontakt, haben uns auch mal getroffen, um einfach zu quatschen.