„Ich liebe diesen Verein“

Ferndorf..  Dieser Sommer wird sein Sommer, ein unvergesslicher vermutlich. Zum einen heiratet Michael Lerscht seine Freundin Eva-Maria Pieck. Der Schwimmerin machte Lerscht via Hallenmikrofon bei der deutschen Kurzbahn-Meisterschaft in Wuppertal im vergangenen November einen Antrag. Zum anderen steht dem 31-jährigen Lehrer eine besondere Saisonvorbereitung bevor, weil er nach dem Ende der aktuellen Serie den Trainerjob bei den Handballern des TuS Ferndorf übernimmt. Der designierte Meister der 3. Liga West und Aufsteiger in die 2. Bundesliga trennt sich dann - aus finanziellen Gründen - von Erik Wudtke und vertraut Michael Lerscht.


Frage: Herr Lerscht, ein Heiratsantrag vor großem Publikum, der Aufstieg vom Trainer der TuS-Reserve zum Coach einer Zweitliga-Mannschaft, der derzeit noch weite Teile des Personals fehlen: Sind Sie ein echter Draufgänger-Typ?
Michael Lerscht: (lacht) Natürlich ist es eine riesige Herausforderung für mich, mit meinen erst 31 Jahren eine Mannschaft in der 2. Bundesliga oder in der 3. Liga trainieren zu dürfen. Ich bin überglücklich, diese Chance erhalten zu haben. Aber das hat nichts mit Draufgängertum zu tun. Mit Alexander Koke als Co-Trainer und Mirza Sijaric als neuem sportlichen Leiter sehe ich unser Team sehr gut aufgestellt. Wir werden die Aufgabe mit aller uns zur Verfügung stehenden Energie angehen.


Sie sagen: 2. Bundesliga oder 3. Liga - zweifeln Sie am Aufstieg?
Ach, wissen Sie, ich stecke mit unserer zweiten Mannschaft als Tabellenführer der Verbandsliga auch im Aufstiegskampf - und aus allen Ecken kommen schon die Glückwünsche. Ich sehe das rein rechnerisch und demütig: So lange nicht alles perfekt ist, bleibe ich vorsichtig. Fakt ist aber, dass die Jungs absolut heiß auf den Titel in der 3. Liga und den Aufstieg sind. Sie möchten so schnell wie möglich die fehlenden drei Punkte holen und die Meisterschaft perfekt machen.


Ist das Tohuwabohu um den Trainerwechsel dabei nicht störend?
Ich kenne die Jungs ja schon seit längerer Zeit und war mal Co-Trainer von Erik. Die sind alle so heiß und fokussiert - sie wollen ihre eindrucksvolle Siegesserie in den noch ausstehenden drei Spielen fortsetzen und sich unbedingt mit dem Titel verabschieden.



Ich glaube fest daran, dass wir so aufgestellt in die Saison gehen, dass wir eine realistische Chance haben, um den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga mitzuspielen. Ich gehe die Aufgabe voller Vorfreude an, weil ich für diesen Sport lebe, seit ich ein kleiner Stöpsel bin. Außerdem ist es nicht meine Art, Trübsal zu blasen. In der kommenden Woche werden wir wohl die nächsten zwei Zugänge präsentieren können. Es fehlen uns noch drei Spieler für den 14er Kader - das kriegen wir hin. Aber wir werden keine Schnellschüsse machen.


Mit geplanten 520 000 Euro wird sich der TuS in der Etattabelle der 2. Bundesliga ziemlich am Ende wiederfinden. Droht eine Saison wie 2012/13, als es nach dem Aufstieg als Tabellenletzter mit nur 17 Pluspunkten wieder zurück in die 3. Liga ging?
Die 2. Liga wird in der kommenden Saison wohl aus 22 Mannschaften bestehen, von denen vermutlich fünf absteigen. Den Klassenerhalt zu schaffen, ist deshalb eine echte Herausforderung, aber unser großes Ziel. Natürlich sind wir am Ende der damaligen Zweitliga-Saison als Tabellenletzter abgestiegen, aber zwischenzeitlich hatten wir einige gute Möglichkeiten, den Klassenerhalt zu schaffen. Ich kann mich an etliche sehr, sehr gute Spiele erinnern.


Mussten Sie eigentlich lange überlegen, als Sie gefragt wurden, ob Sie das Traineramt von Erik Wudkte übernehmen wollen?
Zuerst möchte ich betonen, dass ich daran nullkommanull Gedanken verschwendet habe, bevor Eriks Abschied nicht fix war. Als die Entscheidung feststand, habe ich mich intensiver damit beschäftigt - und zugesagt. Ich bin seit 2004 in diesem Verein, erst als Spieler, dann als Trainer der Zweiten - wenn der Verein ruft, bin ich da. Ich liebe ihn einfach (lacht).