„Ich habe nicht den einen Favoriten“

Frankfurt..  Das erste Jahr als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hielt für Alfons Hörmann, 54, viele Herausforderungen parat, die größte wartet aber erst im kommenden März auf den Unternehmer aus Bayern: Wenn er mit der Stadtauswahl zwischen Berlin und Hamburg der Olympiabewerbung für 2024 die entscheidende Richtung gibt.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat in seiner neuen Agenda mit Blick auf die Bewerbungen neue Richtlinien verabschiedet. Welche Stadt profitiert mehr davon: Berlin oder Hamburg?

Da wurde ja kein Kaninchen aus dem Hut gezaubert, wir haben schon in den letzten Monaten Erkenntnisse aus den jeweiligen IOC-Arbeitsgruppen in die Konzepte beider Städte einfließen lassen. Mit der im März ausgewählten Stadt werden wir aber natürlich beraten, welche Vorstellungen mit der Agenda noch einmal optimiert werden können.

Berlin setzt sehr auf vorhandene Sportstätten, Hamburg auf mehr Neubauten. Der DOSB muss entscheiden, welches Angebot besser zur neuen IOC-Agenda passt.

Ja, aber das werden wir erst im März tun. Bis dahin gibt es noch viel voranzutreiben. Übrigens baut auch Hamburg zum großen Teil auf Vorhandenes.

Nun wird Ihnen in einigen Medien längst ein Hang zu Hamburg unterstellt.

Fakt ist: Ich persönlich habe nicht den einen Favoriten. Für mich ist der entscheidende Punkt: In welcher Stadt entwickelt sich die Stimmung in den nächsten Monaten wohin? Wir brauchen die Begeisterung der Bevölkerung, sonst scheitert das Projekt, bevor wir an den Start gehen. Ich bin überzeugt, und das unterscheidet mich von manchem Hamburger und manchem Berliner insbesondere, dass wir mit beiden Städten international Erfolg haben können.

Selbst mancher Sportfunktionär hält ein deutsches Städteduell, das schon bei früheren Bewerbungen Verlierer hinterließ, für irrational.

Wenn einer schon den deutschen Wettbewerb nicht aushält, steht er international schnell vor unlösbaren Aufgaben. Und für beide Städte steht die Diskussion über die Stadtentwicklung, über Infrastruktur und die weltweite Positionierung doch ohnehin auf der Tagesordnung. Gedanken über Olympia können dabei nur helfen.

Ein Problem ist der Zeitdruck. . .

. . .im Gegenteil. Viel Zeit bringt nur viel Unsicherheit.

Aber auch Wissen. Mit mehr Zeit könnte man viel konkretere Pläne und Kostenrechnungen für die letztlich alles entscheidende Bürgerbefragung vorlegen, was die Wahrscheinlichkeit der Zustimmung erhöht.

Es gibt keinen Zeitdruck, der wird immer nur von außen herbeigeredet. Für die Bürgerbefragung in der Bewerberstadt haben wir alle Zeit der Welt, es gibt da keine Vorgabe über einen Zeitpunkt. Man kann 2015 alle Facetten so herausarbeiten, dass man den Bürgern lückenlos aufzeigen kann, worum es geht. Und wenn die von uns ausgewählte Stadt sagt, sie möchte den Bürgerentscheid erst 2016 machen, dann wird es dabei an uns nicht scheitern.

Dennoch lässt der DOSB bereits im Februar eine repräsentative Umfrage über die grundsätzliche Olympia-Stimmung in Berlin und Hamburg durchführen – obwohl wenige konkrete Pläne bekannt sind – und messen dieser hohe Bedeutung bei ihrer Städteauswahl. Das ist schon ein Widerspruch.

Das müssen wir aber jetzt so in Kauf nehmen, irgendwann musst du dich halt mal entscheiden, und beide Städte haben klar gesagt: Der DOSB soll sich festlegen, bevor wir in die detaillierte Ausarbeitung eines Konzeptes gehen.

Neben Rom bewirbt sich die USA, auch Paris, Istanbul und Doha planen Bewerbungen. Wie groß ist Ihre Angst, dass sich bei der IOC-Städtewahl trotz Reformagenda das alte Muster durchsetzt und die Chance auf billigere, nachhaltigere Spiele nicht genutzt wird?

Vor und nach der Agenda gab und gibt es keine Bewerbungen für Sommerspiele, bei der man der einzige gute Bewerber ist. Da muss man mit härtestem Wettbewerb rechnen, das haben Deutschland und andere Länder ja längst lernen dürfen. Wir sollten nicht zu viel nach rechts und links schauen, sondern uns auf unsere eigene Strategie konzentrieren.

Für Olympia ist auch die Unterstützung der Bundesregierung wichtig. Spüren sie dort den Stellenwert des Sports richtig bemessen?

Minister de Maiziere hat uns das unlängst bestätigt. 28 Millionen Mitgliedschaften sind schon ein Pfund, mit dem wir wuchern können. 22 Milliarden Euro volkswirtschaftlicher Nutzen stehen nur zehn Milliarden Ausgaben gegenüber. Das sind bei aller Demut viele Argumente, die für uns sprechen.