Horst Heldt ist sauer auf Franz Beckenbauer

Gelsenkirchen..  Es gibt Jobs, bei denen du dich selten zurücklehnen kannst, bei denen dich Risiko und Aufregung täglich begleiten. Jobs wie Hochseiltänzer, Stuntman, Raubtierbändiger oder Fußballmanager beim FC Schalke 04. Horst Heldt, der die sportlichen Geschicke des Bundesligisten lenkt, hätte sich in diesen Tagen die Arbeit sicher etwas angenehmer vorstellen können. Bei einem Thema reagiert Heldt im Moment besonders gereizt, und der Auslöser der Sensibilität ist kein Geringerer als Franz Beckenbauer.

Der erklärte bei Sky, Mittelfeldmann Sami Khedira von Real Madrid sei verletzungsanfällig und könne für Schalke keine Verstärkung sein: „In seiner aktuellen Verfassung wird Khedira niemandem helfen. Im Moment fehlt ihm alles. Er lebt von seinem läuferischen Vermögen, ohne das erzielt er keine Wirkung.“

Für Heldt ist dies ein nicht fundiertes Urteil mit heftiger Wirkung. „Ich weiß, dass ich kleine Wurst hier jetzt Franz Beckenbauer kritisiere“, sagt er. „Aber bei allem Respekt: Wie kommt er auf die Idee, diese Meinung kundzutun? Er hat 90 Minuten lang unser Spiel bei Real gesehen, in dem Sami nicht gut gespielt hat, dann wird eine Richtung vorgegeben. Hat Franz Beckenbauer mal eine ernsthafte Analyse betrieben? Hat er mit dem Trainer von Real Madrid gesprochen oder mit Sami selbst? Ich hätte mir gewünscht, dass er gesagt hätte: Ich habe zehn Stunden Video geschaut und bin so zu meiner Ansicht gekommen.“ Khedira sei Weltmeister, Champions-League-Sieger, Meister in Deutschland und Spanien geworden – „aber er wird komplett zerredet und schlecht gemacht“. Das Thema sei nun „negativ behaftet“, denn, so Heldt, „der normale Fan nimmt diese Meinung auf“.

Alle Fans, die beim Gedanken an eine Saison ohne Champions League in Panik verfallen, versucht Heldt zu beruhigen: „Auch dann ginge die Welt nicht unter. Wir müssten den Gürtel enger schnallen und Ideen für einen neuen Anlauf entwickeln.“ Eine weitere schwere Aufgabe für Horst Heldt, der über das Vertragsende 2016 hinaus auf Schalke arbeiten soll – das verkündete Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies in Sport-Bild. „Natürlich würde ich gerne bleiben“, sagt Heldt dazu. „Aber es ist nicht der passende Zeitpunkt, um darüber zu reden.“